90 Meter Höhe

Lebensgefährliche Aktion auf dem Freiburger Münsterturm

Julia Littmann

Kletterer haben ein Kinderfahrrad auf dem Münsterturm befestigt. Die Münsterbauhütte hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Fast wäre der Münstermarkt am heutigen Dienstag abgesagt worden.

Der Arbeitseinsatz für die vermeintliche Mutprobe war enorm: Polizei, Feuerwehr und Bergwacht mussten am Dienstag schon frühmorgens am Münsterturm anrücken – dort war in etwa 90 Meter Höhe ein Kinderfahrrad von nächtlichen Kletterern ins Maßwerk eingeklemmt worden.


Fast wäre der Münstermarkt abgesagt worden

Um halb acht morgens früh waren Mitarbeiter der Münsterbauhütte auf das Rad aufmerksam geworden – mit der Entdeckung musste man zunächst Gefahr im Verzug vermuten. Bei Wind in Sturmstärken mussten die sofort notfallmäßig versammelten Fachleute entscheiden, ob der Münsterplatz umgehend zu räumen sei, weil das Rad auf den Platz stürzen könnte.

Tatsächlich stellte sich heraus: Es war mit einer schweren Eisenkette ans Maßwerk gekettet. Gut gegen die Sturzgefahr – schlimm dennoch in den Augen der Restaurierungsexperten: Schwere harte Eisenketten um Rad und Sandstein gelegt beschädigen den heiklen Stein, der seit 700 Jahren von Steinmetzen gehegt und gepflegt wird.

Auch das – verbotene - Beklettern ist eine beständige Tortur für den Turm. Thomas Laubscher, Betriebsleiter bei der Freiburger Münsterbauhütte, betont: "Wir sehen diese Aktion mit großer Sorge." So ist der Tenor unter allen Münster-Verantwortlichen. Eine Aktion wie diese gefährde Leben – eigenes und fremdes – und mache etliches von dem zunichte, was über Jahrhunderte in schwierigster Arbeit restauriert und erhalten werden solle. Die Bergung des Rads ist bei den aktuellen Windstärken unmöglich.

Gefährliche Aktion für Kletterer, Passanten – und Bauwerk

Derweil erstattete der Münsterbauverein Anzeige gegen unbekannt – und macht nicht zum ersten Mal geltend, dass der Turm keine Kletterwand sei, dass er vielmehr ein schützenswertes, 700 Jahre altes Baudenkmal sei, dessen Beklettern zu jeder Zeit eine völlig unkalkulierbare Gefährdung darstelle.

Da ständig Bauarbeiten am Turm ausgeführt werden, können Fremde beispielsweise auf keinen Fall einschätzen, wo Eisenklammern nur lose versetzt wurden, um erst dann in einem nächsten Arbeitsgang vollständig eingebaut zu werden – entsprechend groß ist die Absturzgefahr.

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