Leben nach Men's Health (3)

Manuel Lorenz

Das Magazin 'Men's Health', dem Manuel sich weiterhin tapfer widmet, macht Männern recht konkrete Vorschläge zur Lebensführung. Und dabei geht es nicht nur um Klamotten und Six-Packs für unter diese, sondern natürlich um den Grund, warum Männer sich hübsch anziehen und einen Six-Pack haben wollen: Sex.



Sex.

Viele wollen ihn, wenige haben ihn. Alle reden drüber. Und wäre unsere Gesellschaft nicht so 'oversexed and underfucked', wären der „Kicker“, „Auto, Motor und Sport“ und die „Wirtschaftswoche“ wohl immer noch die einzigen Magazine männlicher Interesse. Fucked ist: Stünde der Men’s Health der GV nicht zur Verfügung, würde ihr Inhalt auf ’nen Party-Flyer passen.


Diesen Monat wird die Frage gestellt, worauf Frauen wirklich Lust haben. Tipp: „Verwöhnen Sie die Partnerin mit Massagen und Zungenspielen, tasten Sie sich behutsam von den Oberschenkeln nach oben.“ Und wenn man sich diesbezüglich bisher bei Gina Wild in die Schule gegangen ist („Jetzt wird es schmutzig“ 1–6), wirken derartige Hinweise natürlich verstörend. Nur gut, dass dieselbe Sprache verwendet wird, wie in der Bedienungsanleitung des letzte Woche installierten DSL-Modems: „Er liegt mit angezogenen Beinen auf der Seite, sie rücklings vor ihm und legt ihre Beine über seine. Auf diese Weise kann er sie zusätzlich mit den Händen (Schoß) und den Lippen (Brüste) stimulieren.“ Dagegen liest sich das Kamasutra wie ein Pixie-Buch.

Überhaupt wird mehr ge- und verboten als zu Metternichs Zeiten. Auf keinen Fall, so der Sex-Knigge, dürfe man sie im Bett fragen, ob er ihr zu klein sei oder es auch schneller gehe – eigentlich unfair, kriegt man beim Einparken und auf der Autobahn dieselben Fragen doch von ihr gestellt. Und wer sie fragt, ob sie nächstes Mal ihre beste Freundin mitbringt, wird sich spätestens nach der dritten Staffel „Grey’s Anatomy“ nach puritanischer Monogamie sehnen.

Leider vergaß der Autor zu erwähnen, dass nicht alle Frauen die Pornoheftsammlung auf dem Nachttisch gleichermaßen schätzen – und sei sie noch so vollständig und wohl geordnet. Auch darf man nicht vergessen, seine wichtigsten Men’s-Health-Checklisten vom Kühlschrank zu entfernen. Sätze wie „11 Handgriffe, bei denen Frauen durchdrehen“ und „Sexplosion: So machen Sie jede scharf“ führen unweigerlich zu drastischem Östrogenschwund.



Selbstredend gibt’s auch ’nen „Männerprof“, der bezeichnenderweise auch noch Frank Sommer heißt. Best of: „Ich habe gehört, dass sich die Hoden bei längerer Abstinenz verkleinern. Stimmt das? Ich hatte seit einem Jahr keinen Sex und glaube, dass meine kleiner werden.“ Wahrscheinlich war zuvor das Hirn auf die Größe einer Erbse geschrumpft, nachdem der Zwergsack ein Jahr lang kein Buch mehr gelesen hatte.Nein, nein, nein. So geht das nicht.

Dienlicher wäre noch, Frauenzeitschriften zu lesen: „Cosmopolitan“, „InStyle“, meinetwegen „Brigitte“. Oder „Emma“ – je nach Traumfrau. Was isst sie, wie denkt sie, wie liebt sie, wer ist sie? „A Man’s World“ ist’s nämlich schon lange nicht mehr. Frauen regieren. Und wer sich ihrer nicht annimmt, wird selbstmitleidig zugrunde gehen. Bier trinkend, vor der Sportschau, allein.

Fazit:
Wer sein politisches Wissen aus der Bild-Zeitung bezieht, sollte im Hinblick auf Liebe, Sex und Zärtlichkeit unbedingt zur Men’s Health greifen. Allen anderen sei empfohlen, die „Ars amatoria“ (= Liebeskunst) des römischen Dichters Ovid zur Hand zu nehmen. Dort heißt es: „… nicht soll der stinkende Bock, der Herr der Ziegenherde, unter der Achsel hausen.“ Der Rest ergibt sich von selbst.

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