Leben nach Men's Health (2)

Manuel Lorenz

So langsam kommt Manuel rein in die muskelbepackte Workout-Welt von Men's Health. Dabei behilflich ist ihm unter anderem Surf-Hair-Texture-Paste, die besonders beim Joggen im Colombipark Bewunderung hervorruft. Lest selbst, wenn das euer, räusper, Zeitmanagement zulässt.



Glaubt man der Men’s Health, rennen Männer permanent oben ohne durch die Gegend, so dass einzuleuchten scheint, sein Leben nach Bauch, Bizeps und Brust auszurichten. Für den anbrechenden Sommer mag das sogar zutreffen, warten die zahlreichen Freibäder, Grillwiesen und Baggerseen doch darauf, von halbnackten Freizeitlern ganztägig belagert zu werden.


Was ich also brauche, sind handfeste Tipps für den sommerlichen Alltag („Quickie in der Umkleide: So kommt Sie in 3 Minuten“ oder „Nackte Haut und knappe Höschen: In fünf Schritten zum Super-Spanner“). Stattdessen langweilt mich das Testosteron-Blatt mit Nachhilfe im Brustschwimmen und Infos zu Fußpilz.

Dann wird mir erklärt, wie ich unbescholten eine Arschbombe vom Zehner (!) mache, wobei sich über Gratis-Darmspülung und Nussknacker-Suite vornehm ausgeschwiegen wird. Die zuletzt vorgestellten Beachsport-Tools – Wasserpistole, Bumerang und Rugbyball – beweisen wenigstens endgültig, was spätestens seit den Mühlenhof Musikanten bekannt sein dürfte: Männer bleiben Jungs, ein Leben lang.



Damit der Strand-Strip nicht zur Lachnummer wird, gilt aber vorerst sowieso, den Körper in die entsprechende Form zu bringen. Jeden Sommer nehme ich mir erneut vor, dreimal wöchentlich joggen zu gehen. Meist wird daraus dreimal jährlich. Da hier also durchaus noch Platz nach oben ist, weckt die Kategorie „Sport & Fitness“ mein besonderes Interesse.

Was die Men’s Health bietet: oberflächliche Informationen zu Rudern, Squash und Klettern; ein belangloser Testbericht für überflüssige Muskelfunktionsmesser; banale Hinweise zum Thema Trailrunning. Gänzlich unpraktikabel wird’s, wenn Windsurf-Profi Florian Jung verrät, wie er sich bei Wind und Wetter fit hält. Abgesehen davon, dass Windsurfen sich zu Wellenreiten verhält wie „Mein kleines Pony“ zu „Black Beauty“, „Fury“ und „Blitz“, sind drei Tage Strand für mich so nervtötend wie für Alice Schwarzer eine Komplett-Staffel Germany’s Next Topmodel.



Ginge es nach der Men’s Health, müsste ich mir einen dieser überdimensionierten Fitness-Bälle zulegen, mich damit drei Wochen lang dreimal wöchentlich Richtung Strand begeben und dort jeweils dreimal Übungen vollziehen, die so aussehen, als wäre meine Gummipuppe gerade auf Urlaub. Das hieße also, sich genau 27 Mal zum Vollhorst zu machen – um dann noch nicht einmal auszusehen wie Mister Hang Loose Himself. Nicht ganz so aufwendig: mit rot-gelb-grünem Longboard am Hals rumrennen und sich Surf-Hair-Texture-Paste in die Haare schmieren.

Mens sana in corpore sano. Ja, OK und Amen. Nur, es fehlt mir einfach die nötige Zeit. Aber auch da hat die Men’s Health eine Lösung parat. Dass die Serie „Männer-Tuning“ auch das Kapitel „Zeitmanagement“ enthält, finde ich erst einmal gar nicht schlecht.

Die zehn Tipps, die mich trotz Zeitmangels aussehen lassen sollen wie den muskelbepackten Coverboy, scheitern im Selbstversuch allerdings schon nach wenigen Tagen. Beim Geschirrspülen soll ich im Wechsel meine Beine heben und Achten in die Luft zeichnen, was mir zwar Beine wie Jan Ullrich verschafft, dafür aber nicht gerade für sauberes Geschirr sorgt. Zum Golfspielen fehlen mir die Geschäftspartner; zum Fitness vorm Fernseher die Glotze.



Egal, ich kann ja „zur Steigerung der Durchblutung“ fünf Minuten im Treppenhaus rauf- und runterlaufen. Nach zwei Minuten treffe ich den Hausmeister, dem ich bedeute, ich würde die Studi-WG im Dachgeschoss besuchen. Nach fünf Minuten begegne ich ihm ein zweites Mal und schütze vor, meine Wäsche aus dem Keller holen zu wollen.

Am besten gefällt mir noch das Zahnbürsten-Workout: „30 Sekunden mit rechts, 30 Sekunden mit links … Den Arm dabei immer so lang wie möglich anspannen.“ Da ich weder Kommunist noch beidhändig bin, fällt es mir mit links verdammt schwer. Ich muss mich derartig konzentrieren, dass aus drei Minuten zehn werden; die übermäßige Schaumentwicklung lässt mich aussehen, als hätte ich Tollwut. Am dritten Tag geht’s schon besser; am fünften bin ich ein Profi. Als ich nach einer Woche aber immer noch keinen „Top Bizeps“ feststellen kann, verliere ich die Motivation und gebe auf.

Fazit: Vielleicht gibt es sie ja wirklich – Männer, die sich Muskelfunktionsmesser kaufen, ihre Sommer mit Fitness-Bällen am Strand verbringen und beim Geschirrspülen Sportvater Jahn nacheifern. Weicheier wie ich sind wahrscheinlich in Kundalini-Yoga und Schwangeren-Pilates besser aufgehoben.

Mehr dazu:

fudder.de: Leben nach Men's Health (1)