Leben für die Kunst: Die schreibende Malerin Lisa Kränzler

Julia Mungenast

Warum entscheiden sich junge Menschen dazu, für die Kunst zu leben? Welche Ziele, Ideale und Ängste haben sie dabei? In unserer neuen Reihe "Leben für die Kunst" stellt fudder-Autorin Julia junge Künstler vor und stellt ihnen genau diese Fragen. In der zweiten Folge: die Freiburgerin Lisa Kränzler. Sie hat in Karlsruhe Malerei studiert und in diesem Jahr ihren ersten Roman veröffentlicht.



Lisa Kränzler (28) erinnert sich, wie sie als Elfjährige, in freudiger und unruhiger Erwartung vor dem Zeichenraum der Schule stand und auf dessen Öffnung wartete. Schon damals war ihr klar: Malerei ist ein Medium mit dem sie etwas ausdrücken kann, was sie beschäftigt und was ihr wichtig ist. "Sobald ich in meinem Atelier stehe, kann ich arbeiten, ich brauche keine kreative Einstimmung. Malen und Schreiben ist mein Beruf." 


Sie entschließt sich nach der Schule in Freiburg ein Studium der Malerei und Grafik an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe aufzunehmen und macht dort im Juli 2010 ihr Diplom. Anfang 2012 veröffentlicht Lisa ihren Debütroman „Export A“ im Verbrecher Verlag. Sie erhält in diesem Jahr beim Bachmannpreis den 3sat – Preis für ihren Text „Willste abhauen“. Neben dem Talent für die Malerei entdeckt sie das Schreiben für sich als eine andere Möglichkeit, das auszudrücken, was ihr wichtig ist. "Ich bin ein Maler, der schreibt", sagt sie.

Lisa geht täglich ab neun Uhr morgens in ihr Atelier und malt bis zum Abend. Sie hat sich feste Arbeitszeiten angewöhnt und für sich herausgefunden, dass es ohne kontinuierliche Arbeitspraxis in der Malerei nicht funktioniert.

"Ich kann nicht festsellen, für was ich mehr Zeit investiere, ob für das Malen oder das Schreiben, weil die Zeit unterschiedlich vergeht. Es ist nicht dieselbe Zeit, es fühlt sich nicht so an. Ich komme jeden Tag mit dem Gefühl ins Atelier, dass es keine bessere und keine andere Art gibt den Tag zu verbringen."

Mit einer Idee im Kopf betritt sie ihr Atelier, um sich dann im Verlauf der Arbeit am Bild überraschen zu lassen. Sie nutzt Comicvorlagen, wie Mickey Maus in ihrer Malerei. Sie hat dabei nicht das fertige Bild im Kopf, sondern summiert Dinge, die sie in ihrem Leben kennen gelernt hat, die sie beeinflusst haben und die ihre Vergangenheit prägten als eine Art Kollage, die viele Erfahrungen, Erlebnisse und Zeitebenen ihrer selbst beinhalten können.


Einen Nebenjob übt sie nicht aus, sie möchte sich ganz auf Malerei und Schriftstellerei einlassen. Entscheiden zwischen Malerei und Schriftstellerei will Lisa nicht: „Ich würde einen Weg finden beide Künste machen zu können.“ Sie zeigt keinem vorab ihren Roman - schon gar nicht ihrer Familie. Diese hat keine Einwände, dass Lisa ihrer Kunst nachgeht. Erst als sie den Roman beendet hat, dürfen Verleger und Lektor ihre Geschichte lesen. Im Februar 2013 soll ihr zweites Buch erscheinen, knapp ein Jahr nach ihrem Debüt.

Ob Lisa Kritikern glaubt? „Ich lese Kritiken über mich ab und zu, das ist nicht gut, man sollte das vermeiden, wenn man anfängt zu glauben, was da steht, ist man schon verloren.“ Lisa orientiert sich nicht an Vorbildern, sie ist der Mensch, der sie ist und ihr ist klar, dass sie das Richtige tut. Sie ist nicht aufgeteilt in Privatperson und Künstlerin.

Kunst ist für sie das Wichtigste: Auf die Frage, was sie bereit ist zu opfern, nennt Lisa zunächst ihre kaputten Nasenscheidewände, die von den Wirkungsmitteln, die sie für ihre Bilder benutzt, zerstört sind. Doch es ist mehr: „Ich opfere mein Leben!“

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