Leben für die Kunst: Der Filmproduzent und Regisseur David Kellermann

Julia Mungenast

Warum entscheiden sich junge Menschen dazu, für die Kunst zu leben? Welche Ziele, Ideale und Ängste haben sie dabei? In unserer neuen Reihe "Leben für die Kunst" stellt fudder-Autorin Julia junge Künstler vor und stellt ihnen genau diese Fragen. In der dritten Folge: der Filmproduzent und Regisseur David Kellermann aus Freiburg.



Man könnte meinen, David Kellermann führe ein Doppelleben. Der 26-Jährige betreibt eine Filmproduktionsfirma - und studiert Volkswirtschaft. Filme machen und gleichzeitig Vollzeit studieren, wie passt das zusammen? Doch der junge Freiburger setzt - obwohl er gerade an seiner Bachelorarbeit schreibt - eine klare Priorität: "Ich fokussiere mich seit einigen Monaten auf meine Firma." Das meiste Geld gibt er für Filmequipment aus, in seiner freien Zeit beschäftigt er sich mit seinen laufenden Filmprojekten.


Seit seiner Kindheit ist David filmbegeistert. "Die Idee Regisseur zu werden, hatte ich recht früh, weil ich gesehen habe, dass manche Filme einfach besser sind als andere. Da habe ich mich gefragt: Woran liegt das? Am Drehbuch? Sicher. An den Schauspielern? Sicher. Aber das wirklich der Regisseur etwas schafft und erzählt - das ist der Grund, warum ich Regisseur werden wollte."

Nach dem Abitur am Deutsch-Französischen Gymnasium in Freiburg begann er ein Regiestudium an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste (FAMU) in Prag und schloß dort ein einjähriges Programm ab. "An der Filmhochschule sind mir einige Professoren begegnet, die gesagt haben: 'Das geht so nicht! Das kann man so nicht machen! Das funktioniert nicht!' Das ist mir ziemlich auf den Keks gegangen. Ich wollte mit der Kamera experimentieren, verschiedene Richtungen probieren: Mal Trash, mal Werbefilm, mal Hochglanz."

David ist neugierig und probiert alle Bereiche des Filmschaffens aus: Kamera, Schnitt, Drehbuch, Ton und Regie. "Dadurch, dass bei kleinen Projekten im Prinzip jeder mal alles machen muss, habe ich schon alles gemacht. Das Schönste ist, wenn man am Set ist und alles vorbereitet ist, was so gut wie nie vorkommt und alles nach Plan läuft: Die Crew ist vollständig, das Equipment ist da, es gibt kein spontanes Unwetter und ich, zusammen mit den Schauspielern eine Szene konstruieren kann." 

David verlässt 2008 die FAMU und geht nach München, um dort Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Er wechselt 2009 nach Freiburg und studiert hier weiter. "Ich wollte auf keinen Fall wieder auf eine Filmhochschule. Ich wäre dann wieder im ersten Semester gewesen und hätte noch einmal Jahre studieren müssen. Dazu habe ich keine Lust gehabt. Es stehen genug Filmprojekte an, warum sollte ich noch einmal an die Filmhochschule?"



Seit 2010 betreibt er, zusammen mit einem Freund seine eigene Filmproduktionsfirma: A better Truth. Er finanziert die Firma größtenteils selbst und muss sich um Aufträge noch allein bemühen. Zusammen mit einigen freien Mitarbeitern, die projektbezogen helfen, verbringt David den größten Teil des Tages mit der Arbeit an Filmprojekten. "Mir fehlt das Geld vor allen Dingen. Ich habe kein Budget mit dem ich experimentieren könnte." Zusammen mit dem Freund kümmert er sich um Businessplan, Kalkulationen und günstige Kredite.

Die kleine Firma hat nun eine weitere bezahlte Auftragsarbeit ergattert: "Wir haben uns bei einer amerikanischen Firma mit zwei Drehbüchern beworben und wurden ausgewählt." Zum Thema "Nerds und Geeks" dreht David nun mit einem Budget von 10000 Dollar einen Kurzfilm. "Für eine Szene benötigen wir einen Octocopter. Den zu mieten kostet allein zwischen 2500 bis 3000 Euro am Tag", erzählt David.

Aktuell arbeitet David parallel noch an einem weiteren Kurzfilm und der Fertigstellung eines Langfilms. Er sieht sich selbst an einem Punkt angekommen, an dem er einen anderen Blick auf Erzählstrukturen eines Films hat, an dem er besser mit der Technik umgehen kann, um eine Geschichte zu erzählen. Er hofft, dass er damit noch lange kein Endstadium erreicht hat. "Ich bin technisch halbwegs sicher, sodass ich mich darauf fokussieren kann, 'Wie' ich etwas erzähle." 

Filmgeschmäcker sind verschieden; einige Dinge beim Film lassen sich dennoch objektiv bewerten. Wenn David für seine Kamerafahrt, seinen Schnitt oder sein Drehbuch kritisiert wird, erkennt er: "Da muss man dann ganz offen sein. Wenn andere Leute einen kritisieren, dann heißt das nicht, 'Du bist schlecht'; Dann hast du nur, in der und der Situation eine falsche Entscheidung getroffen. Das ist für mich konstruktive Kritik, um beim nächsten Projekt besser zu werden."

Jewrovision Freiburg

Quelle: Vimeo


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[Fotos: Julia Mungenast]