"Le Püsh": Zwei Freiburger fahren auf dem Longboard von Freiburg nach Bordeaux

Manuel Lorenz

Über 1000 Kilometer innerhalb von zwei Wochen wollen Jonas Müller und Simon Koch auf dem Longboard zurücklegen: Ende Juli starten die beiden Freiburger ihre Reise von Freiburg nach Bordeaux - heute Abend findet im Artik eine Support-Party statt. fudder-Redakteur Manuel Lorenz hat die beiden gefragt, wovor sie am meisten Angst haben:



Was war die längste Strecke, die ihr je gefahren seid?

Jonas Müller (auf dem Foto oben rechts): Ich hatte mal 'nen Tag, da bin ich 82 Kilometer gefahren. Die Dreisam hoch und runter, quer durch die Stadt, von Littenweiler bis Landwasser, über Zähringen nach Günterstal und wieder zurück. Das waren fünf bis sechs Stunden reine Brettzeit.

Simon Koch: So 'nen Tag hatt' ich auch schon.

Und wie viele Kilometer sind es bis nach Bordeaux?

Jonas: Wir fahren ja noch ein Stück weiter, bis nach Le Pin Sec am Atlantik. Das sind knapp über 1000 Kilometer. Wir wollen die Strecke innerhalb von zwei Wochen schaffen. Das bedeutet, dass wir jeden Tag 70 Kilometer fahren müssen.

Auf was für Straßen seid ihr unterwegs?

Jonas: Wir haben uns inzwischen für eine grobe Route entschieden. Diese führt zwar über das Zentralmassiv, dafür kommen wir recht schnell an die Dordogne. Dann geht’s 350 Kilometer bergab bis nach Bordeaux. Von Autobahnen und der Route National werden wir uns natürlich fernhalten. Von jedem Dorf führt eine Straße ins nächste Dorf. Die kleinen Straßen sind recht unbefahren. Und wir werden so weit wie möglich auf Radwegen fahren. 

Wie bereitet man sich körperlich auf so was vor?

Simon: Wir werden demnächst mal von Offenburg nach Freiburg fahren, weil's da bergauf geht und wir uns auf solche Strecken einstellen müssen. Das sind circa 70 Kilometer, was also ziemlich genau einer Tagesetappe entspricht. Bei geilem Wetter, mit einem Zehn-Kilo-Rucksack auf dem Rücken, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie's ist, woran's eventuell hapert. Trainieren kann man auch die Fortbewegungsart des Pushens, bei der man sich mit einem Fuß vom Boden abstößt, um Tempo zu bekommen. Es gibt vier Varianten des Pushens: Regular, Goofy, Mongo, Mongo Goofy.

Jonas: Ich stehe mit dem rechten Fuß vorne und pushe auch mit dem rechten Fuß. Das nennt man Mongo Goofy. Wenn ich aber versuchen würde, 1000 Kilometer lang nur so zu pushen, käme ich wahrscheinlich nicht an und meine rechte Wade würde aussehen wie die von Hulk, meine linke wie die eines Storches. Je nach dem, wo man sich auf dem Brett aufhält, reagiert es anders, fährt es sich anders. Es gibt entspannte und weniger entspannte Positionen. Wenn's steil bergab geht, muss man sicher stehen, also mittig. Wenn man durch die Stadt fährt, steht man eher vorne.

Ihr geht also nicht ins Fitnessstudio und stemmt mit den Beinen Gewichte?

Jonas: Nein. Es ist vor allem die Praxis. Und wir sind sowieso jeden Tag mit dem Longboard unterwegs.

Bei über 1000 Kilometern: Wie groß ist da der Verschleiß? Oder anders gefragt: Wie viel Ersatzmaterial nehmt ihr mit?

Jonas: Die Rollen machen 1000 Kilometer mit, wenn man nicht gerade über einen Nagel fährt. Die Schuhe werden irgendwann durch sein, deshalb nehmen wir ein paar Ersatzschuhe mit. Aber natürlich haben wir für den Fall der Fälle auch Ersatzrollen dabei und Ersatzachsen – obwohl viele Hersteller lebenslange Garantie auf ihre Achsen geben. Aber wenn ein 40-Tonner drüber rollt …

Und ein Ersatzbrett.

Jonas: Eben nicht. Da haben wir im Moment auch noch keine Alternativen. Wir haben aber sehr stabile Bretter und werden gut auf sie aufpassen. Der Faktor Diebstahl bereitet uns durchaus Sorgen.

Wo vor habt ihr am meisten Angst?

Simon: Nicht anzukommen. Es körperlich nicht zu schaffen. Die Tour absagen zu müssen. Zu scheitern.

Jonas: Vor dem Wetter. Longboarden ist ein Natursport. Wenn's 14 Tage lang durchregnet, weiß ich nicht, wie weit wir kommen.

Euer Rucksack soll nur zehn Kilo wiegen. Was passt da rein?

Jonas: Wechselklamotten, ein Kochtopf, eine kleine Bratpfanne, ein Gaskocher, ein Zelt oder ein Moskitonetz plus Zeltplane. Lebensmittel kaufen wir unterwegs, von Dorf zu Dorf, beim Bäcker, im Supermarkt.

Schon irgendeine Idee, welche Tour ihr als nächstes macht?

Jonas: Vielleicht lecken wir Blut und fahren nächstes Jahr durch Marokko.   

Zu den Personen



Jonas Müller, 29, ist Grundschullehrer, Simon Koch, 18, ist Abiturient. Beide kommen aus Freiburg. Am Atlantik wird Jonas ein paar Wochen lang in einem Surfcamp für Kinder und Jugendliche arbeiten, Simon wird dort ein bisschen mithelfen und dann aber Urlaub machen.

Mehr dazu:

Auf der Le-Püsh-Facebookseite wollen Jonas und Simon regelmäßig über ihre Reise bloggen - Texte, Fotos und Videos.

Um Jonas und Simon zu unterstützen, veranstaltet das Artik heute Abend eine Le-Püsh-Support-Party. Der Boardshop Freiburg sponsert eine Tombola (Hauptgewinn: ein Arbor-Longboard), Musik kommt von den DJs Selecta Jooks, Megabutter und Niklas Wille. Als Live-Act kommt Le Grand Uff Zaque.

Was: Le Püsh – Le Sponsorparty
Wann: Freitag, 21. Juni 2013, 23 Uhr
Wo: Artik
Eintritt: 4 Euro [Fotos: Sarina Kurz]