Le Gipfel: Fahrraddemo ausgebremst

Maria-Xenia Hardt

Mit dem Fahrrad wollten einige Demonstranten heute vom Kommando Rhino-Wagenplatz im Vauban zur Carnaval de Résistance-Demo in der Innenstadt fahren. Weit sind sie nicht gekommen, denn auf halber Strecke hieß es anhalten, absteigen, ausweisen. 30 Polizisten kümmerten sich rührend um ein Dutzend Demonstranten. Nur eines durften sie nicht: Weiterfahren.



10:30, Kreuzung Merzhauser Straße - Basler Straße. Es läuft nicht gut für die Fahrraddemo. Genau genommen läuft gar nichts. Ein Dutzend Demo-Teilnehmer steht in der Kälte, nebst Drahteseln und einem abenteuerlich anmutenden Gefährt mit drei Rädern. Es soll einen Panzer darstellen, und verhüllt in unregelmäßiogen Abständen die Umstehenden in Rauchschwaden. Die Demo wird gut bewacht von ungefähr 30 Polizisten.


Es geht nicht vor und nicht zurück. Bis zum Beginn des "Carnaval de résistance" bleibt eine halbe Stunde. Personalien werden aufgenommen, danach soll es weitergehen. Die meisten zeigen ihren Ausweis freiwillig vor, einige zieren sich etwas. "Ich finde es bedenklich, dass es bei Demos praktisch Einlasskontrollen gibt", sagt Peter, der bis vor kurzem Soziale Arbeit studiert hat. "Wir müssen uns ausweisen, die Polizisten nicht." Außerdem missfällt ihm, dass die Innenstadt "hermetisch abgeriegelt" ist: "So wird der Protest im für die Politiker wahrnehmbaren Bereich verhindert."



Die Polizei gibt sich freundlich, aber wortkarg. Ob man nach elf weiter dürfe? "Ja, um halb zwölf", rutscht es einem Uniformierten heraus. "Scherz", schiebt er ein bisschen zu schnell hinterher. Und dass es ihm ja auch keinen Spaß machen würde. Na ja, wer wird schon gerne inmitten von Autoabgasen tiefgekühlt?

Dabei hatte alles so schön angefangen, als sich eine Stunde zuvor trotz Schneefall und Minusgraden einige Überzeugungstäter vor dem Wagenplatz des Kommando Rhino im Vauban zusammengefunden hatten. Präsenz wollten sie zeigen, deutlich machen, dass sie mit der Politik nicht einverstanden sind.

Phillip hat sich seine Botschaft nicht nur auf die Flagge, sondern auch gleich auf den ganzen Körper geschrieben: "Atomkraftwerke abschalten, und zwar sofort! Es gibt genug bewährte Alternativen und damit verbunden die Möglichkeit unabhängig von den großen vier Konzernen RWE, E.on, Vattenfall und EnBW Energie zu produzieren." Seit er in Weißrussland die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe gesehen hat, macht er sich für den Ausstieg aus der "menschenverachtenden Atom-Technologie" stark.



Heute bleibt der Einsatz vergeblich. Das Publikum beschränkt sich auf die 30 Polizisten und einige Autofahrer, die sich viel mehr über die blockierte Kreuzung als über Atomstrom aufzuregen scheinen.

11:30. Das abenteuerlich anmutenden Gefährt mit drei Rädern wird beschlagnahmt. Die Fahrradfahrer fürfen den Ort des (Nicht-)Geschehens verlassen. Für den Carnival de résistance ist es ein bisschen spät. Fahrraddemo: Angehalten, festgefroren, ausgebremst. Ein bisschen von allem.