Le Gipfel: Als VIP beim Staatsbesuch

Martin Jost

Zwei Staatschefs kommen in die Stadt zum Kaffeetrinken, die Freiburger müssen leider draußen bleiben. Alle Freiburger? Nein, der 17-jährige Lukas Zeller vom DFG durfte mit seinen Schülersprecher-Kollegen in den VIP-Bereich.

In der Linie 1 auf dem Weg in die Stadt. Am Alten Messplatz steigen haufenweise Schüler ein, die Hälfte spricht französisch. Das Deutsch-Französische Gymnasium hat wohl Schule aus. Einer der Franzosen hängt sich eine Gitarre um und stößt damit an meinen Kopf. „Pardon!“ Dann klampft er. Ich weiß nicht, welches DFG mich im Moment mehr nervt: Deutsch-Französischer Gipfel oder Deutsch-Französisches Gymnasium.


In der Stadt ist alles voll Polizei, aber die Stimmung entspannt. Presse, Protokollmenschen, lauter wichtige Leute. Ah, da kenne ich jemanden: Lukas kommt mir entgegen – mit einem Wichtig-Ausweis des Bundeskriminalamts um den Hals. Das muss er mir erklären.

Lukas Zeller (Bild oben) ist 17 und Schülersprecher am DFG. Deswegen durfte er den Gipfel im VIP-Bereich erleben. Während Merkel und Sarkozy auf dem Münsterplatz mit militärischen Ehren empfangen wurden, machte er fleißig Bilder mit dem Handy. Sein Eindruck: Der Staatsmann und die Staatsfrau sind so klein, dass sie selbst auf dem roten Teppich untergehen. „Aber beide genau gleich groß.“

Ich will wissen, wie es auf der VIP-Seite der Absperrungen war. „Man hörte viele Buh-Rufe von allen Seiten“, sagt Lukas. Nach dem Appell auf dem Münsterplatz gingen die Schülervertreter zu Fuß Richtung Rathaus. Auf dem Weg trafen sie Guido Westerwelle, der ihnen freundlich die Hand schüttelte. Dass es ein Deutsch-Französisches Gymnasium gibt, wusste er noch gar nicht. „Er fand das geil und hat sich total gern mit uns unterhalten. Ich hatte den Eindruck, dass er von der Absperrung weg wollte, wo er von den Zuschauern gemobbt wurde“.

Für Lukas und seine Schülersprecher-Kollegen ging es weiter ins Rathaus für ein Gespräch mit Stefan Mappus und Klaus Wowereit. Der baden-württembergische Ministerpräsident löst zum Jahreswechsel seinen Berliner Kollegen als deutsch-französischen Kulturbevollmächtigten ab.„Klaus Wowereit hatte Ahnung“, sagt Lukas, „der hatte offensichtlich die drei Seiten gelesen, die ihnen unser Direx geschrieben hat. Der Mappus wusste nicht so richtig, worum es ging.“

Beide Politiker haben sich die ganze Zeit über frech aber kollegial angefrotzelt. Mappus zu Wowereit: „Habt ihr in Berlin schon G8? – Moment, habt ihr in Berlin überhaupt Gymnasien?“ Wowereit revanchierte sich, als Mappus ankündigte, die Erweiterung des DFG um dringend benötigte Räume angehen zu wollen: „Da musst du schnell machen, wirst ja bald abgewählt.“ Danke, Lukas, für diese Eindrücke. Auf deiner Seite der Absperrung scheint es ein bisschen lustiger gewesen zu sein.