Lautsprecher Radioshow: Freiburger Hiphopper bei Radio Dreyeckland

David Seitz

Ist Hiphop vom Aussterben bedroht? Nicht in Freiburg, wie nicht zuletzt die Online-Plattform hiphopfreiburg.de beweist. Nun ist die Hiphop-Welle auch zu Radio Dreyeckland rübergeschwappt, wo zwei Größen der Freiburger Szene jeden zweiten Samstag in einer kleinen Radioshow die Hiphop-Kultur feiern.



"Unfassbar verrückte Musik gibt's jetzt von DJ Beatknecht!" Felix Günther, besser bekannt als DJ Krom lehnt sich zurück und gibt seinem Studiogast ein Zeichen. Der Regler fährt hoch, Beatknecht übernimmt das Ruder und Snoop Dogg steuert seinen Teil zur samstagabendlichen Unterhaltung bei. Ein Schluck Bier, damit die Stimme nicht versagt - "wie machen wir weiter?"


Es ist Samstagabend, viertel nach zehn. Im kuschelig-chaotischen Studio von Radio Dreyeckland sitzen Sebastian Leben alias B-Kwem und Felix Günther und improvisieren, was das Zeug hält. Die zwei sind gut im Labern – unumstrittene Voraussetzung zum Radiomachen. Vor ihnen liegt weder Skript noch Sendeplan, und doch hat das, was die zwei Hiphopper da fabrizieren, eine durchdachte Struktur. "Soziale Netzwerke, Foren, Connections, das ist heute unser Thema", sendet B-Kwem nach draußen und unterstützt das Gesagte dezent gestikulierend. "Ruft an, wenn ihr uns was zu sagen habt" - doch noch bleibt das Telefon stumm.

"Wir stecken mindestens einen Abend Vorbereitung in jede Sendung", sagt B-Kwem in der Zigarettenpause vor der Tür. "Wir planen vorher genau durch, was wir machen, denn wir haben definitiv den Anspruch, unterhaltsam zu sein." Unterhaltsam ist in diesem Moment aber nur einer: Studiogast DJ Beatknecht legt im Studio auf und tanzt beseelt vor sich hin, auch wenn außer ihm niemand im Raum ist. Dann, der erste Einspieler, natürlich mit fettem Jingle, alles selbst zu Hause produziert. Umfrage! Freiburger Rentner äußern sich zu Foren und Netzwerken, lassen mal tiefgründige Analysen los, oder ein einfaches "Kei Zeit, kei Ahnung".



"Wir wollten einfach das Radio machen, das wir selbst gerne hören würden, und das es so noch nicht gibt" - das war die Grundidee hinter der Produktion. Wer Radio macht will dennoch gehört werden, nur für sich selbst fahren auch Krom und B-Kwem ihre Sendung nicht. Ihr Facebook-Profil hat zwar bisher erst 19 "Gefällt mir"-Klicks geerntet, viel wichtiger aber ist, dass die Zusagen von Sendung zu Sendung steigen.

"In den letzten paar Sendungen haben wahnsinnig viele Leute angerufen", sagt B-Kwem, was vor allem an den polarisierenden Themen lag. Das Frauenbild im Hiphop, Alkohol und Cannabis – da klingelte das Telefon ohne Unterlass. "Meistens sind es Leute, die wir kennen, aber es rufen auch Leute an, um einfach zu sagen, dass sie unsere Sendung gut finden."

Das Thema an diesem Abend ist den meisten wohl zu unspektakulär, trotzdem stellen die Jungs drei Anrufer durch. Ganz radio-förmlich bleibt MC Krom natürlich nicht, wenn gerade die Kollegen aus Asien anrufen und mitteilen, dass sie im Stream live dabei sind. Neben Anrufen, vielen spontanen Gags, mal flacher, mal tiefer, bilden verschiedene vorproduzierte Beiträge und ein Interview die Grundpfeiler der Show.

Mit Christian Kopsch, dem Macher von hiphopfreiburg.de, plaudern MC Krom und B-Kwem über die Freiburger Szene und das zugehörige Netzwerk. Der Studiogast ist Radioneuling, die Moderatoren helfen aus, wenn es mal holpert. Alles ziemlich spontan, was manchmal auf Kosten des Informationsgehaltes geht, dadurch aber wesentisch authentischer klingt als durchgeskriptetes Mainstream-Radio.



Trotz der entspannt improvisierten Herangehensweise zeigen Krom und B-Kwem einen Hang zum Perfektionismus. Als der Jingle für die Hiphop-News zweimal abgespielt wird, ärgern sich beide kurzzeitig heftig – die Tatsache, dass sie erst ihre fünfte Sendung fahren, relativiert die kleine Panne. Abgesehen vom doppelten Jingle läuft alles glatt, und auch das Risiko, die Anrufer ohne Vorgespräch in die Sendung zu schalten, zahlt sich aus. Es gibt ausschließlich positives Feedback, wenn auch zum Großteil von den Kollegen.

Die Lautsprecher Radioshow soll in den Augen ihrer Macher eine Show über Hiphop, aber nicht nur für Hiphopper sein. "Auch als Nicht-Hiphop-Fan kann man hier sicher einiges mitnehmen", sagt B-Kwem. Die Hiphop-Geschichtsstunde portraitiert Feature-Vater DJ Premier, die Hiphop-News berichten von kriminellen Musikern, transsexuellen Exzessen und von einer Famile aus NRW, die ihr Kind Bushido nennen will - da lacht zweifellos auch der Gothic-Rocker drüber.

Auch die Musik, die jedesmal ein anderer Studio-DJ auflegt, wird so ausgewählt, dass auch Radiozapper nicht gleich wieder wegschalten. Hiphop abseits von MTV und Viva, aber in einer wohl dosierten und vergleichsweise massentauglichen Mischung. Beatknecht legt einen fetzigen Falco-Remix auf. "Cooles Teil oder?" Ja, Mann!

"Verrückter Sound, abgefahrener Kram, krasses Zeug, Word!" MC Krom und B-Kwem heben sich allein durch ihr Vokabular von der Masse ab. Ob das beim Durchschnittshörer gut ankommt, ist den beiden ziemlich egal. Solange sich Leute finden, die ihre Sendung feiern, fühlen sich die zwei Freiburger Hiphopper in ihrem Projekt bestärkt. MC Krom nimmt einen letzten Schluck vom abgestandenen Bier und verabschiedet seine Zuhörer standesgemäß: "Wir sind fertig, ich raste aus, ihr solltet es auch tun!"



Info:

Lautsprecher Radioshow auf Radio Dreyeckland: 102,3 MHz
(Jeden zweiten Samstag von 22 bis 0 Uhr)

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