Lautlos über den Wolken: Segelfliegen in Freiburg

Josepha Schweizer

Seit jeher täumt der Mensch davon zu fliegen. Und seit Otto Lilienthal ist jener Traum Wirklichkeit geworden. Die meisten sitzen dabei aber nicht selbst am Steuer, sondern lassen sich als Passagiere von A nach B transportieren. Anders: der 18-jährige Marek aus Freiburg. Er ist Mitglieder des Breisgauvereins für Segelflug und macht gerade seinen Luftfahrtführerschein.



Marek kommt ins Schwärmen: "Wenn man beim Start in den Sitz gedrückt wird, die Thermik nutzt, um höher zu steigen, und wenn dann noch der Himmel aufreißt, man unten die wunderschöne Landschaft erblickt und neben sich die in den Aufwinden kreisenden Vögel sieht, ist es besser als jede Achterbahnfahrt." Marek besucht das Technische Gymnasium in Freiburg und ist seit anderthalb Jahren Mitglied im Breisgauverein für Segelflug. Dieser ist in Kirchzarten und am Freiburger Flugplatz beheimatet - wobei der hauptsächliche Segelflugbetrieb in Kirchzarten stattfindet. Der Verein besteht seit 1907 und zählt damit zu den ältesten Luftsportvereinen Deutschlands. Insgesamt gibt es in Freiburg acht Luftsportvereine mit rund 1000 Mitgliedern.


Gelungen sind die ersten erfolgreichen Gleitflüge dem Luftfahrtpionier Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts. Doch mittlerweile muss man sich nicht mehr nur auf den Blick in den Himmel verlassen oder auf das richtige Wind- und Wettergespür, sondern kann sich beispielsweise mit Hilfe des Deutschen Wetterdienstes über das Segelflugwetter informieren. Bevorzugt werden Lenticulariswolken: linsenförmige Wolken, die entstehen, wenn die Luft über den Bergen angehoben wird, was sogenannte Leewellen zur Folge hat. Zudem geben die Instrumente in einem Segelflugzeug auch Auskunft über das Steigen und Sinken, also die Vertikalgeschwindigkeit des Fliegers (Variometer), sowie über die Geschwindigkeit (Fahrtmesser) und die Höhe.



Marek und die rund 30 anderen jugendlichen Vereinsmitglieder können bei acht Fluglehrern, die sich abwechseln, ihren Luftfahrtführerschein machen. Dafür werden praktische Erfahrungen gesammelt: "Das wichtigste ist eigentlich, dass man keine Angst hat", sagt Marek. "Alleine fliegen darf man erst nach circa 40 bis 60 Flugstunden, was dann im Ermessen des Fluglehrers liegt."

Trotzdem sind auch Kenntnisse über Aerodynamik, Meteorologie und Technik wichtig. Diese kann man sich entweder selbst aneignen, oder man besucht die Theoriekurse, die im Winter stattfinden. Allerdings muss man sich für den Luftfahrtführerschein Fragen aus sieben Fächern stellen. Dazu gehören auch Luftrecht, Navigation, menschliches Leistungsvermögen und Sprechfunk.

Die Jugendarbeit liegt dem Verein besonders am Herzen: "Segelfliegen ist ein Sport, der sehr auf Gegenseitigkeit basiert, da mindestens sechs Personen notwendig sind, um ein Segelflieger überhaupt in die Luft zu bekommen", sagt Albert Duerr, Schriftführer und Vorstandsmitglied des Vereins. Früher war er geschäftlich viel als Passagier in Flugzeugen unterwegs, hatte aber nie Zeit, sich dem Fliegen näher zu widmen. "Fliegen hatte mich immer sehr beeindruckt, weshalb ich mir vorgenommen hatte, das zu ändern, sobald ich pensioniert bin", erzählt Duerr. "Ich bin ein Spätberufener."



Um auch schon jungen Leuten die Faszination des Segelfliegens zu vermitteln, bietet der Verein für diese einen niedrigeren Tarif an und bindet sie stark ins Vereinsleben ein. So zum Beispiel durch Zeltlager und Ausflüge oder Besuche bei befreundeten Segelflugvereinen. Bei einem alljährlichen Fluglager in den Schweizer Alpen können sie sogar das Gebirgssegelfliegen ausprobieren. Außerdem können jugendliche Mitglieder Arbeitsstunden sammeln, indem sie helfen, die Flugzeuge zu warten. Diese stehen den Winter über in der Vereinswerkstatt am Freiburger Flugplatz. Die Arbeitsstunden werden dann verrechnet, "was sich auf jeden Fall lohnt", wie Marek anmerkt.

Normalerweise beginnt die Segelflugsaison im Mai und dauert bis Oktober, wobei sie dieses Jahr wegen der besonders guten Wetterbedingungen schon Anfang April eröffnet wurde. Geflogen werden kann nun an jedem Wochenende und Feiertag von morgens bis zum Sonnenuntergang - spätestens allerdings bis 19.30 Uhr.

Das Besondere am Segelfliegen - und an allen anderen motorlosen Flugzeugen - ist, dass man keinen Treibstoff benötigt, sondern die Energie von außen bezieht. In Kirchzarten wird meist ein Windenstart durchgeführt. Dieser ist bei der Ausbildung recht beliebt, da er eine schnelle Startfolge erlaubt und zudem preisgünstig ist. Zu Beginn ist das Flugzeug dabei 1200 Meter von der Winde (zwei großen Trommeln) entfernt und wird dann durch die Motorleistung (250 PS) der Winde in die Luft gehoben und dort ausgeklingt. Eine weitere Startmöglichkeit ist der Flugzeugschlepp, bei dem das Segelflugzeug hinter einem Motorflugzeug hergezogen wird und auf einer bestimmten Höhe ausgeklingt wird.



"Aber zuvor führen Pilot und Flugschüler immer einen Sicherheitscheck durch", erklärt Albert Duerr. "Vor allem muss geprüft werden, ob die Ruder frei sind, weil das sonst tödliche Folgen haben kann." Richtig gefährlich ist eine Gewitterfront, bei der schon mal eine 180-Grad-Wendung oder gar eine Notlandung notwendig sein kann. "Die Sicherheit steht im Flugbetrieb immer an erster Stelle", so Duerr.

Nach dem Start versucht der Pilot in ein Thermikbart zu kommen - einem Thermikgebiet mit aufsteigenden Strömungen -, um dort teilweise fünf oder mehr Meter pro Sekunde zu steigen. "Die Suche nach der optimalen Thermik ist das Schwierigste", sagt Marek, "wobei ich mich in der frühen Lehrphase auch erst einmal an Start und Landung gewöhnen musste." Er selbst ist durch Zufall als kleiner Junge zuerst zum Modellflug gekommen und dann, mit dem Schulwechsel auf das technische Gymnasium in Freiburg, zum Segelflug. Bald schon könnte das Fliegen aber mehr als nur ein Hobby für ihn sein. Marek will seine Leidenschaft nämlich irgendwann zum Beruf machen. Sein Traum: eines Tages Pilot zu sein.

Süd-West Leewellenfliegen im Schwarzwald, 05. Februar 2011

Quelle: YouTube
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Kosten für eine Schnuppermitgliedschaft (12 Monate): für Schüler 250 Euro, für alle anderen 350 Euro.

Mehr dazu:

[Bilder: Breisgauverein für Segelflug]