Neues Programm im E-Werk

Laut und Lyrik: Ganz in Schwarz und barfuß auf der Bühne

Heidi Ossenberg

Zwölf junge Leute präsentieren im Freiburger E-Werk Prosa und Lieder aus allen Epochen der Literatur. In dieser Disziplin ist Laut & Lyrik ungeschlagen: Es macht riesigen Spaß zuzuhören!

Das Thema lag wohl auf der Hand. Oder besser: in Mund und Ohr! In diesem Jahr widmen sich Regisseur Wilfried Vogel und das Sprechtheater am Deutschen Seminar ausnahmslos dem weiten Feld der Zeit. Gut zwei Stunden lang sprechen, spielen und singen sechs Frauen und sechs Männer auf der großen Bühne im Freiburger E-Werk Lyrik, Prosa und Lieder aus allen Epochen der Literatur. 60 Texte über die Zeit in all ihren Facetten werden in dieser Zeit lebendig.


In dieser literaturaffinen Disziplin ist Laut & Lyrik, so der Name der Gruppe, ungeschlagen: Es macht riesigen Spaß, den jungen Leuten dabei zuzuhören und zuzusehen, wie textsicher und bühnenpräsent, wie reflektiert und begeistert sie sich den Worten anderer widmen – und diese gleichsam prozesshaft zu ihren eigenen Worten machen.

Das Programm ist düsterer

Das Programm "Um jede Stunde fest zu packen" ist melancholischer, ja düsterer als in den vergangenen Jahren – vor allem im zweiten Teil. Hier wird Else Lasker-Schülers "Klein Sterbelied" rezitiert und Johann Nepomuk Vogls grausige Geschichte von "Der Braut des Bergmanns" erzählt, in der der Bergmann unmittelbar vor der Hochzeit verschüttet und viele Jahrzehnte später erst aufgefunden wird.

Auch in Ludwig Jacobowskys Gedicht "Das letzte Weib" geht es um die endliche Zeit auf Erden – "als krächzender Rabe der lachende Tod". Ganz am Ende jedoch steht die Hoffnung: " … hinter Wüsten aus Nacht und Nichts / wachsend schimmernd Neue Welten – Trillionen Krokusblüten!" schrieb Arno Holz in "In rote Fixsternwälder".

Ganz in Schwarz und barfuß

Ganz in Schwarz gekleidet und barfuß – so treten die zwölf Performerinnen und Performer traditionell auf. Die Bühne teilen sie auch diesmal mit einigen Instrumenten: Flügel, Kontrabass, Gitarre und Geige – darüber hinaus brauchen sie keine Requisiten. Die Texte werden einzeln, zu zweit und auch in Gruppen gesprochen – mal geflüstert oder gerappt. Die Worte werden stets auf sehr eindrückliche Weise betont und interpretiert – gedehnt, in ihre Buchstaben zerlegt oder wiederholt.

Das hat – je nach Text – eine witzige Konnotation oder auch eine nachdenkliche, im buchstäblichen Sinn nachhallende, wie etwa bei Kurt Schwitters "Welt voller Irrsinn", in der das Leben allenfalls ein Spiel ist.

Mit Thilo Dierkes gehört ein Germanistikstudent zur Laut & Lyrik-Truppe, der auch einen eigenen Text zum Abend beitrug. "Ein Erschaudern (schlechte Träume)" gehört, sicher nicht zufällig umrahmt von Texten von Kurt Tucholsky ("Gruß nach vorn") oder Bert Brecht ("An die Nachgeborenen"), zu den dezidiert politischen Texten des Abends, die die Performerinnen und Performer mit aufrechter Haltung vortragen. Die sich anschließenden Zitate aus dem AfD-Parteiprogramm oder eines Pegida-Demonstranten allerdings klingen in diesem Umfeld ein wenig schräg.

Sehr berührend dagegen ist das von zwölf feinen, klaren Stimmen vorgetragene Taizélied "Im Dunkel unser Nacht, entzünde das Feuer, das nie mehr erlischt" – ein weiterer Beweis für die Könnerschaft der jungen Laut & Lyrik-Truppe unter Wilfried Vogel.

Weitere Termine: 1., 2., 6., 7., 8., 9. April, jeweils 20 Uhr. E-Werk Freiburg. Karten gibt es auf allen BZ-Geschäftsstellen und bei bz-ticket.de: Vorverkauf "Laut und Lyrik"