Last-Minute-Verlosung: Jan Josef Liefers & Oblivion

Thomas Steiner

Einer der Höhepunkte des ZMF steht gleich heute, am zweiten Tag an: Jan Josef Liefers und seine Band Oblivion kommen mit dem Programm "Soundtrack meiner Kindheit". Ein Abend mit DDR-Rock, Super-8-Filmen und Texten. fudder verlost zwei Mal je zwei Tickets.



Man kennt ihn als Professor Boerne aus dem Münsteraner ARD-"Tatort": Der so kompetente wie eitle Gerichtsmediziner ist eine Paraderolle für Jan Josef Liefers. Das herrlich arrogante Gehabe hat er selbst für die Figur erfunden. Mit seinem Partner Axel Prahl als Kommissar Thiel lockt Liefers regelmäßig Millionen vor die Bildschirme.


Wie so mancher Schauspieler (mit Rolf Zacher kommt noch so einer zum ZMF) ist der Schauspieler aber auch Sänger. Mit seiner Band Oblivion machte er anfangs Britpop, ehe er sich auf etwas besann, das ihm näher liegt: den Ostrock seiner Kindheit und Jugend. 1964 in Dresden geboren, war der Sohn eines Theaterregisseurs und einer Schauspielerin mit Gruppen wie Lift und Silly aufgewachsen.

Jürgen Flimm, der frühere Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, hatte Liefers 1989 in den Westen geholt. Als künstlerischer Chef der Ruhrtriennale lud er Liefers 2006 ein, seine Ostrock-Interpretationen zu präsentieren. Die CD "Soundtrack meiner Kindheit" entstand. Und dann ein gleichnamiges Buch: Aus dem Musikprojekt war eine Autobiographie geworden.

Es ist ein Buch für Liefers-Fans. Der Schauspieler erzählt von seinem Vater, der sich von der Mutter scheiden ließ, als der Sohn vier war, der, wenn er zu Besuch kam, technisches Spielzeug dabei hatte, der Super-8-Filme drehte, auf denen Liefers’ Kindheit festgehalten ist. Und er erzählt von den drei Frauen, die seine Kindheit bestimmten: die eine Oma, die ihn auf dem Lande in den Schulferien mit Obst und Gemüse aufpäppelte, die andere Oma, die für eine Betriebszeitung arbeitete und dem Enkel mehr Mutter war als die Mutter Brigitte, über die Liefers schreibt: "Sie war die Miss Holiday Golightliy meiner Kindheit." Sie ließ dem Sohn so viel Freiheit, dass sie oft in die Schule vorgeladen wurde, in der Jan Josef Schwierigkeiten mit den sozialistischen Autoritäten hatte.

Weil er Künstlerkind war und den Wehrdienst verweigerte, durfte Liefers nicht studieren. An die Schauspielschule kam er aber. "Ich war nie in Lebensgefahr und bin auch kein Opfer des Regimes geworden", schreibt er. Aber er macht drei Kreuze, dass es die DDR nicht mehr gibt.

Liefers Buch liefert Anekdoten, von den ersten Zigaretten, in die er ein Streichholz steckte, um sie wie Brecht aus dem Mund hängen lassen zu können, bis zu dem Spaziergang, auf dem er in Berlin aus Versehen auf den Todesstreifen geriet. Die DDR-Geschichte kommt erst durch, als Liefers tiefer hineingerät: Bei der großen Demonstration am 26. Oktober 1989 vor Hunderttausenden von Demonstranten auf dem Alexanderplatz war der demokratisch engagierte Schauspielschüler einer der Redner.

Daneben ist die Autobiographie auch ein Buch über die Musik. Liefers erzählt von Bands und den Liedern, die ihn beeindruckt haben: "Türen öffnen sich zur Stadt" von den Puhdys, das ihm als Acht- oder Neunjährigem eine dunkle Ahnung vom Marsch ins Leben mitgab, "Als ich wie ein Vogel war" von der Klaus Renft Combo, in dem er sich als unangepasster junger Mensch wiedererkannte, "Schlohweißer Tag" von Silly, das für Liefers das Lebensgefühl in der DDR der 80er Jahre auf den Punkt brachte, die "Leidenschaft der Tristesse". Diese und sechs weitere Lieder sind auf der ersten "Soundtrack"-CD zu hören.

Liefers singt sie mit einer Singstimme, der man den Schauspieler anhört. Jedes Lied bekommt einen anderen Charakter, auch durch die abwechslungsreichen Arrangements seiner Band Oblivion. Liefers’ musikalische Direktoren sind die Gitarristen Johann Weiß und Jens Nickel.

Parallel zum Erscheinen der Autobiographie erschien eine weitere CD, deren Songauswahl mit einer Parodie von Manfred Krug auf das Telefonwesen der DDR ("Verdammt") oder einem Engtanzhit der DDR-Discos ("Anna Maria" von der polnischen Band Rote Gitarren) nicht ganz so zwingend ist wie bei der ersten.

Die Lieder, die Jan Josef Liefers nun zum ZMF-Konzert mitbringt, sind keine Greatest Hits des Ostrock, sie sind eine Auswahl des Sängers. So wird es auch ein persönlicher Abend werden, zumal Liefers einige der Filme seines Vaters mitbringt und aus seiner Autobiographie vorlesen wird.

Jan Josef Liefers & Oblivion - Soundtrack meiner Kindheit

Quelle: YouTube

[youtube 0YklvngCs9c nolink]  

Last-Minute-Verlosung

fudder verlost zwei mal zwei Tickets für Jan Josef Liefers heute Abend auf dem ZMF. Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff "Jan Josef Liefers", Eurem Namen und Eurer Telefonnummer an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist heute, Freitag, 09. Juli 2010, 13 Uhr. Die Gewinner werden sofort nach dem Ende der Verlosung per Anruf informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mehr dazu:


Was:
Jan Josef Liefers & Oblivion
Wann: Freitag, 9. Juli 2010, 20 Uhr
Wo: ZMF Spiegelzelt
Tickets: 30/25/20 Euro