Last-Minute-Tipp: Casu und Otto Normal im Jazzhaus – Album-Check

Stefan Mertlik

Casu machen eingängigen Electro-Pop, der zu 50 Prozent aus Freiburg stammt. Am Freitag, 16. Dezember, treten sie gemeinsam mit Otto Normal im Jazzhaus auf. Wir haben uns vorher ihr Debütalbum "Unlove.Unbreak" angehört.

Casu steht für "Cracked Actors Stole Unicorn" und ist eine zweiköpfige Electro-Pop-Band bestehend aus der 27-jährigen Philla und dem 26-jährigen Silas. Silas zog von Freiburg nach Mannheim, um an der Popakademie Baden-Württemberg zu studieren. Doch statt trockene Vorlesungen über Musiktheorie und die Kreativwirtschaft zu besuchen, lernte er Philla kennen, mit der er Casu gründete. Am Freitagabend treten sie als Vorgruppe von Otto Normal im Jazzhaus auf, wir haben uns ihr Album angehört.


Popmusik ohne klassische Popmusik-Strukturen

Musikalisch lassen sich Casu nur schwer definieren. Ihre Werkzeuge sind Drumcomputer, Synthesizer, Sampler, Piano und die Stimme von Philla. All das kombiniert ergibt einen Sound, der so komplex und abwechslungsreich ist, dass man kaum glauben kann, es hier nur mit einem Duo zu tun zu haben.

Das Klangbild ist zwar auf elektronische Instrumente beschränkt, doch gerade dadurch überrascht jeder der zwölf Tracks mit individuellen Elementen, die einen jeden Hördurchgang neue Spielereien entdecken lassen. "Unlove.Unbreak" sollte daher mit guten Lautsprechern gehört werden, denn die Gefahr, kleine aber feine Bausteine im Sound von Casu zu verpassen, ist groß.

In "King.Stone.Cold" flackern die Hi-Hats erst wie Stroboskoplicht, werden dann von stampfenden Kicks und klatschenden Snares ergänzt. Der fast schon klassische Hip-Hop-Beat der Singleauskopplung "You Don"t Know" wird von einem grollenden Bass und einem eingängigen Piano-Loop unterstützt, bevor im Kehrvers ein instrumentales Gewitter losbricht.



Innerhalb der 48 Minuten Gesamtspielzeit wird häufig mit Laut-Leise-Dynamiken und ungewöhnlichen Klängen gespielt, die den Verzicht auf klassische Popsong-Strukturen unterstreichen. So lassen sich die beiden Musiker beispielsweise in "Intoxicated" Zeit für Intro und Outro, statt nur auf ein simples Verse-Bridge-Chorus-Muster zu setzen.

Musikalisches Martial-Arts-Training

Neben der Instrumentation fällt Phillas stimmliche Leistung in keiner Weise ab. Auch hier überzeugen Casu durch Vielfalt und Experimentierfreude. Luisa Röbbelen, wie Philla mit bürgerlichem Namen heißt, zeigt bereits auf dem vermeintlich sperrig wirkenden Opener "Drip", was ihr Gesang kann. Das ist einiges, erinnert in Verbindung mit der verhältnismäßig minimalistischen Unterlage des ersten Liedes mitunter an Björk.

Doch Philla beschränkt sich nicht nur auf gesungene Beiträge, sie nimmt das Mic zuweilen auch aus dem Mikrofonständer und rappt in einem nach Kate Tempest klingenden Stil über die musikalischen Unterlagen, deren Geschwindigkeiten dies trotz ihrer elektronischen Ausrichtung zulassen.

"Left kick, right kick, backflip yeah", rappt sie sich straight durch das musikalische Martial-Arts-Training "Inner Pigdog Daze". Auf der restlichen Platte wechseln sich Gesang und Rap je nach Stimmung ab, was stets in die übergeordneten Songkonzepte passt. Auf "She Kissed Mermaids" verfällt sie fast schon in einen Spoken-Word-Modus, der das Thema rund um Rassismus und die erstarkte Rechte in unserer Gesellschaft noch dringlicher wirken lässt, bevor sie zum Ende des Songs gesanglich komplett ausbricht, um damit eindrucksvoll die wichtige Message hervorzuheben: "Please don’t run, wrong direction, please don’t run into the dark!"

Mal mit gereckter Faust, mal mit Feuerzeug in der Hand

Doch auch wenn Casu nicht auf die immer gleichen Loops in Dauerschleife, sondern auf vielschichtige Arrangements setzen, ist ihre Musik absolut poppig. Die eingängigen Refrains machen aus noch so vertrackten Stücken Ohrwurmanwärter, die ihre Hörer zum Popobewegen animieren. Mal mit gereckter Faust, mal mit Feuerzeug in der Hand, denn "Unlove.Unbreak" deckt sowohl musikalisch als auch inhaltlich eine riesige Spanne an Emotionen ab.
Was: Konzert von Otto Normal und Casu
Wann: Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus, Schnewlinstr. 1