Last-Minute-Konzerttipp: Carnival Youth im Swamp

Bernhard Amelung

Musik, die den Fernblick auf eine unbestimmte, weite Landschaft öffnet: So klingen die Songs von Carnival Youth. An diesem Freitag gibt das Quartett aus Lettland ein Konzert im Swamp.

Wer in Sachen Indie, ob Indiepop oder Indiefolk, auf der Suche nach Perlen ist, sollte regelmäßig das Programm des Great Escape-Festivals studieren, das seit elf Jahren in der südenglischen Stadt Brighton stattfindet. Die Musikredaktionen des Guardian oder der Spex sind stets des Lobes voll. "Showcase-Festival von Geschmack" lautet nur ein Attribut, mit dem die Autoren das Festival versehen.


Die lettische Band Carnival Youth, die an diesem Freitag im Swamp in Freiburg ein Konzert gibt, hatte 2014 einen Auftritt beim Great Escape, kurz nachdem sie ihre Debüt-Single "Never Have Enough" veröffentlicht hatte. Auch wenn dieser schwebend-treibende Song inhaltlich eine andere Richtung nimmt: Niemals genug haben kann auch als Leitsatz für die vier Musiker Emils Kaupers (Schlagzeug, Gesang), Roberts Vanags (Keyboard, Gesang), Edgars Kaupers (Gitarre, Gesang) und Aleksis Lurins (Gitarre, Bass) stehen, die sich seit der Schulzeit in Riga kennen und seit 2012 als Band firmieren. Stetig entwickeln sie ihre Band, in ausgedehnten Jam- und Studiosessions, aber auch auf ihren Konzerttouren, die sie bereits durch ganz Europa, unter anderem auch auf das Reeperbahn-Festival in Hamburg, auf das Eurosonic-Festival in Groningen, auf das Sziget-Festival nach Budapest und eben nach Brighton geführt haben. Auch in Südbaden waren sie bereits zu Gast, einmal beim Swamp-Festival im White Rabbit, einmal beim Between The Beats-Festival in Lörrach. Ergebnis ihres Schaffens: Das Debütalbum "No Clouds Allowed", 2014 als bestes Newcomer-Album in Lettland ausgezeichnet, sowie der Nachfolger "Propeller", der im April dieses Jahres erschienen ist.



Aufgewachsen sind die Brüder Edgars und Emils Kaupers sowie Roberts Vanags und Aleksis Lurins mit der Musik ihrer Eltern. Dieser spannte einen Bogen von Pink Floyd und The Doors zu lettischer Volks- und Chormusik, die eine Jahrhunderte alte Tradition hat.

Choralisch, mithin liturgisch, geht’s in der Musik und den Songs des Quartetts, das die Konzerttouren gerne roadtripartig bestreitet, eher weniger zu. Es sei denn, man hebt auf ein musikalisches Charakteristikum ab: Auch die Songs auf "No Clouds Allowed" und "Propeller" kennzeichnen eine schlichte Melodieführung, die keine großen Sprünge macht und deren Harmonien sich regelmäßig wiederholen. Doch statt andächtig still stehen, möchte man sich dazu lieber bewegen. So zum Beispiel bei den Songs "Seagulls On Bicycles" oder "Hunting For The Sun", der perfekte Soundtrack für eine gediegene Feier an einem der baltischen Quarzsandstrände. Musik, die den Fernblick auf eine unbestimmte, weite Landschaft öffnet. Musik, die bei aller Traumverlorenheit immer auch etwas Tanzbares beinhaltet. Indie von Geschmack eben.


  • Was: Carnival Youth
  • Wann: Freitag, 7. Oktober 2016, 21 Uhr