Lassen Sie mich durch, ich bin Stipendiat: Die wichtigsten Antworten zum Uni-Stipendium

Maria-Xenia Hardt

Wer ein Stipendium hat, kann sich glücklich schätzen: Neben finanzieller Unterstützung bieten die meisten Förderwerke ein studienbegleitendes Programm und große Alumni-Netzwerke. Immer noch haftet den Stipendien ein elitärer Ruf an, viele geeignete Studierende bewerben sich erst gar nicht – dabei sind die Chancen viel besser als man denkt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das "große Los" Stipendium.



Das richtige Stipendium finden

Bevor es an die eigentliche Bewerbung geht, muss man erst einmal ein geeignetes Stipendium finden. Gute Recherche lohnt sind: Je besser das Programm zu einem passt, desto einfacher macht man sich den gesamten Prozess, und desto höher sind auch die Erfolgschancen.

Gibt es für jeden ein Stipendium?

Sagen wir, wie es ist: Nein, es gibt nicht für jeden ein Stipendium. Eine durchschnittlicher Student ohne wirkliches Interesse an seinem Fach, der auch neben der Uni keine Leidenschaften oder Ambitionen pflegt, der wird es schwer haben, irgendein Stipendium zu bekommen. Auf wen das nicht zutrifft, der sollte sich auf jeden Fall einmal nach einem geeigneten Programm umschauen. 

Welche Förderwerke gibt es überhaupt?

Erste Anlaufstelle sind die 13 großen Förderwerke, die sich im Netzwerk „Stipendium Plus“ zusammen geschlossen haben. Dort sind alle politischen und konfessionellen Stiftungen vertreten, solche also, die einer bestimmten Partei oder Kirche nahe stehen, die Hanns-Böckler-Stiftung (das Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes) sowie die Stiftung der deutschen Wirtschaft und die Studienstiftung des deutschen Volkes, die politisch und konfessionell ungebunden ist.

Interessant für all jene, die nach einer bereits abgschlossenen Berufsausbildung ein Erststudium beginnen, istdas Aufstiegsstipendium.

Alle diese Förderwerke vergeben Stipendien für das gesamte Studium oder Promotionsstudium, die sich auch finanzieller und ideeller Unterstützung zusammen setzen (siehe weiter unten). 
Neben diesen großen Förderwerken gibt es aber auch zahlreiche kleinere Programme, die zum Beispiel speziell für Auslandsaufenthalte gedacht sind (z.B. die Programme des DAAD oder, spezielle für Aufenthalte in den USA, der Fulbright-Kommission) oder eine spezifischere Zielgruppe haben, die etwa geographisch eingeschränkt ist.

Direkt über die Uni vergeben wird das Deutschland-Stipendium, alle Infos für Studenten der Uni Freiburg dazu gibt es hier

Eine gute Übersicht über Stipendien bieten die beiden Datenbanken „Stipendienlotse“ und „My Stipendium“. Über die DAAD-Datenbank kann man speziell nach Programmen suchen, die Auslandsaufenthalte unterstützen (über die eigenen Programme des DAAD hinaus).

Nach welchen Kriterien sollte ich mir ein Stipendium aussuchen?

Auf ihren Webseiten schreiben die Stiftungen, was sie sich von ihren Stipendiaten wünschen, danach sollte man sich richten. Wer sich für die Studienstiftung des Deutschen Volkes bewerben möchte, der sollte wissen, dass der Stiftung überdurchschnittliche akademische Leistungen wichtig sind – das heißt, man sollte mindestens zu den besten 20 Prozent seines Jahrgangs gehören.Bei anderen Stiftungen, wie etwa den politischen oder den kirchlichen, wird gesellschaftliches Engagement (z.B. in einer Partei, der Hochschule, einer Kirche oder einem Ehrenamt) stärker mit in Betracht gezogen, sodass Studenten, die vielleicht „nur“ zu den besten 30 oder 40 Prozent ihres Jahrgangs gehören, sich aber neben dem Studium sehr engagieren, gute Chancen haben.

Bei politischen und kirchlichen Stiftungen sollte man darauf achten, dass die eigenen Überzeugungen zu denen der Stiftung passen. Das heißt nicht, dass man ein SPD-Parteibuch braucht, um in die (SPD-nahe) Friedrich-Ebert-Stiftung aufgenommen zu werden. Jemand mit einer sehr liberalen politischen Einstellung wird sich aber auf Veranstaltungen der FES kaum wohlfühlen.

Viele Stiftungen sind im Übrigen auch sehr interessiert daran, gezielt Studenten zu fördern, deren Eltern keinen akademischen Abschluss haben. Eine gute Anlaufstelle ist die Initative Arbeitderkind.de, die auch in Freiburg einen Stammtisch bietet.

Kann ich mich für mehrere Stipendien gleichzeitig bewerben?

Ja, das ist möglich. Allerdings sollten sich die Stiftungen nicht „beißen“. Wer sich bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung und der linken Rosa-Luxemburg-Stiftung gleichzeitig bewirbt, hat wird bei beiden in Erklärungsnot geraten.

Wer hilft mir, das richtige Stipendium zu finden?

Neben den bereits erwähnten Datenbanken gibt es auch die Möglichkeit, sich persönlich beraten zu lassen. Diesen Samstag (15. November) findet wie jeden Herbst der Stipendien Info-Tag in der Mensa im Institutsviertel statt – dort stellen sich alle großen und einige kleinere Förderwerke vor, außerdem gibt es ein Rahmenprogramm.

Das ganze Jahr über kann man bei der Stipendienberatung der Uni Freiburg einen Termin für ein Gespräch vereinbaren. 

Gibt es Freiburg-spezifische Stipendien?

Ja. Die Stiftungsverwaltung Freiburg hat zwei Stiendienprogramme: Die Dr.-Leo-Ricker-Stiftung und Adelhausenstiftung. Erstere steht alle Studierenden der Universität Freiburg offen, letztere fördert nur katholische junge Frauen. Mehr Infos zu beiden Programmen gibt es hier.

Für Promovierende des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Uni Freiburg gibt es außerdem die Hermann Dietrich Stipendienstiftung.

Die schriftliche Bewerbung

Wenn das richtige Stipendium gefunden ist, geht es an die Bewerbung. Die besteht meist aus zwei Teilen: einer schriftlichen Bewerbung und einer Auswahltagung, zu der sie Stiftung geeignete Kandidaten einlädt, um sie besser kennen zu lernen. Die schriftliche Bewerbung kann sich von Stiftung zu Stiftung leicht unterscheiden, besteht aber meist aus einer Form der Selbstprsäentation – etwa einem Lebenslauf oder einem Motivationsschreiben – und Gutachten, etwa von Professoren, die der Stiftung ein Bild von der Eignung des Bewerbers vermitteln sollen.

Wie schreibe ich den Lebenslauf / das Motivationsschreiben?

Die Vorgaben der einzelnen Stiftungen geben die Marschroute meist vor: Mal will die andere Seite etwas über dein bisheriges Leben allgemein erfahren, mal soll es mehr um deine Motivation für ein bestimmtes Vorhaben gehen, das ist zum Beispiel bei Bewerbungen um Auslandsstipendien oft gewünscht.In beiden Fällen gilt: Das ist deine Chance, eine Geschichte über dich zu erzählen, und was du erzählst und wie du es erzählst, ist dir überlassen. Wichtig ist (wie bei jeder Geschichte), dass sie einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat: Wo komme ich her, was habe ich gemacht (und warum), und wo will ich hin? Umwege oder Brüche im Lebenslauf sind nicht schlimm, solange man sie zu einem Teil der Geschichte macht. Ein Jahr Pause zwischen Bachelor und Master? Erzähl, was du daraus mitgenommen hat. Nach vier Semestern den Studiengang gewechselt? Beschreibe, warum du diese (nicht ganz leichte) Entscheidung getroffen hast und wie sie dich weiter gebracht hat. Denk an einen Roman: Es gibt einen Protagonisten, der einer Herausforderung gegenüber steht und sie aufgrund irgendwelcher besonderer Fähigkeiten meistert. Hier bist du der Protagonist – los geht’s.

Wie komme ich an Gutachten?

An Gutachten zu kommen ist vor allem im ersten Studienjahr schwierig, da man kaum Kontakt zu Professoren hat. Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten. Entweder: Einen Dozenten aus dem akademischen Mittelbau, bei dem man eine Übung oder ein Proseminar belegt hat, um ein Gutachten bitten, das der Lehrstuhlinhaber dann unterstützt. Oder: Den Professor direkt ansprechen – in diesem Fall sollte man in der Klausur auf jeden Fall gut abgeschnitten haben – und fragen, ob er nach einem persönlichen Gespräch ein Gutachten erstellen würde. Generell gilt: Wer darauf wartet, dass ein Professor auf einen zukommt und fragt, bei welcher Stiftung er einen denn vorschlagen dürfte, der kann lange warten. Gut sein, Initiative ergreifen, auf Wunsch auch den Lebenslauf zukommen lassen. 

Gibt es Fristen für die Stipendien?

Das kommt auf die Stiftung an, in den meisten Fällen gibt es irgendeine Frist. Eine gute Übersicht hat die Uni Freiburg hier zusammen gestellt.

Die Auswahltagung / das Auswahlgespräch

Wird man zum Auswahlgespräch oder einen ganzen Auswahltagung eingeladen, hat man die erste Hürde schon genommen. Der Stiftung hat die Bewerbung gefallen, und sie möchte einen persönlich kennen lernen. Grundsätzlich sollte man die Sache gelassen angehen, selbst wenn es nicht klappt, hat man eine wertvolle Erfahrung mitgenommen, denn solche (Auswahl-)Situationen werden einem immer wieder begegnen, sei es bei einer mündlichen Prüfung an der Uni oder bei einem Bewerbungsgespräch um einen Job. 

Wie kann ich mich vorbereiten?

Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Stiftungen – manche fragen explizit Allgemeinbildung ab, bei anderen gibt es nur ein oder zwei Gespräche, in denen fachliche Fragen vorkommen können, aber nicht müssen.In jedem Fall sollte man sehr genau wissen, was man in seinem Lebenslauf / Motivationsschreiben geschrieben hat, viele Gesprächspartner werden sich daran orientieren, Nachfragen stellen.In der Woche vor dem Auswahlgespräch das Weltgeschehen besonders aufmerksam zu erfolgen, kann auch nicht schaden. Ansonsten ist die gezielte Vorbereitung schwierig – wer von seinem Fach keine Ahnung hat, wird das in einer Woche nicht alles aufholen können.

An dieser Stelle ein persönlicher Tipp: Ich überlege vor solchen Gesprächen immer, bei welchen Fragen es mir extrem peinlich wäre, keine Antwort zu wissen, und diese Antworten eigne ich mir nochmal an.  Bundeskanzler oder Bundespräsidenten, den Bürgermeister seiner Stadt, den Ministerpräsidenten seines Bundeslandes, die Mitgliedsstaaten der EU – dazu nichts zu wissen, wäre mir zum Beispiel sehr, sehr peinlich, also stelle ich sicher, dass ich es weiß. Wenn ich als Literaturstudent nicht weiß, wer dieses Jahr den Chemie-Nobelpreis gewonnen hat, finde ich das in Ordnung – ein Chemiker sollte dazu aber vielleicht etwas sagen können.

Was sind typische Fragen?

Fragen, die oft (aber nicht zwingend) gestellt werden, sind: Warum studieren Sie [Studienfach]? Was ist Ihre Meinung zu [kontroverses Thema aus den Nachrichten]? Warum haben Sie sich bei uns beworben? Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen? Nichts Überraschendes also, darauf sollte man etwas halbwegs Intelligentes antworten können. Der Rest hängt von der Situation ab. Wer sich bei der Heinrich-Böll-Stiftung bewirbt, sollte vielleicht etwas zu Heinrich Böll sagen können. Wer ein Auslandsstipendium haben möchte, um für ein Jahr an die University of California zu gehen, sollte die Wahl der Uni mit mehr als „ich surfe gerne, und in Kaifornien gibt es geile Wellen“ zu begründen wissen, vielleicht den Gouverneur kennen und Kalifornien auf einer Karte finden. 

Nach der Zusage

Mit der Zusage kommen meist einige Formulare zum Ausfüllen, studienbegleitende Programme am Hochschulort und anderswo, Zugang zu großen Netzwerken – aber auch ein paar Verpflichtungen.

Wie viel Geld bekomme ich?

Bei den 13 großen Förderwerken bekommt jeder, unabhängig vom eigenen Einkommen oder dem der Eltern, 300 Euro Büchergeld im Monat. Der Rest orientiert sich am Bafög-Satz, Zuschläge gibt es für Ehepartner und / oder Kinder. Bei Auslandsstipendien hängt die Summe meist vom Zielland und den Lebenshaltungskosten dort ab. Kleinere Stipendien haben indivduelle Förderungssätze.

Was bietet ein Stipendium außer finanzieller Förderung?

Neben der finanziellen Fördeurng gibt es die sogenannten ideelle Förderung. Das können zum einen Veranstaltungen am Hochschulort sein, etwa Vorträge, Ausflüge mit anderen Stipendiaten oder Stammtische. Zum anderen bieten die Stiftungen über Wochenenden oder auch längere Zeiträume in den Semesterferien ein vielfältiges Programm, beispielsweise Seminare zu bestimmten Themen, Sprachkurse, Sommerakademien oder auch von Stipendiaten gestaltete Treffen in anderen Städten.

Außerdem hat jede Stiftung natürlich auch Alumni, die über interne Plattformen auch Praktika in ihren Unternehmen hinweisen oder Mentoring-Veranstaltungen organisieren.

Was „will“ mein Stipendiengeber eigentlich von mir?

Zunächst wird erwartet, dass man die Stiftung über sein Tun auf dem Laufenden hält, meist in Form von Semester- oder Jahresberichten. Wird man in einem unteren Semester aufgenommen, „überprüfen“ einige Stiftungen nach einer Probezeit noch einmal, ob der Stipendiat immer noch geeignet ist. Die Leistungen an der Uni sollten also nicht wesentlich schlechter werden als zum Zeitpunkt der Aufnahme. Bei manchen Stiftungen ist die Teilnehme an der ideellen Förderung Pflicht, bei anderen eine rein freiwillige Angelegenheit.

Mehr dazu:

Alle Anlaufstellen noch einmal im Überblick

Die größten 13 Stipendienwerke
Aufstiegsstipendium Datenbank „Stipendienlotse“

Datenbank „My Stipendium“

Stipendiendatenbank des DAAD

Deutschlandstipendium an der Uni Freiburg Freiburger Stipendien

Stipendienberatung der Uni Freiburg Stipendien Info-Tag am 15. November