Lassen die Studenten den Boykott hängen?

Markus Hofmann & Nadja Röll

Die Gegner der Studiengebühren haben heute wieder mit Aktionen auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht - so zum Beispiel einige Forstwissenschaftler vor dem Herderbau (Foto). Doch der Boykott der Studiengebühren kommt noch nicht richtig in Schwung: Am heutigen Montag hatten lediglich 281 Studenten die Studiengebühr auf das Treuhandkonto überwiesen - 5.500 hat sich der u-Asta als Ziel gesetzt. Lässt die Mehrzahl der Freiburger Studenten die Boykott-Befürworter hängen?



Es ist wohl nach wie vor zu früh, den Boykott als gescheitert zu bezeichnen, da die Rückmeldefrist noch drei Wochen läuft. In einem Streitgespräch mit Hartmut Hanke (Junge Liberale), das am Samstag in der Badischen Zeitung veröffentlicht wurde, sagte u-Asta-Chef Benjamin Greschbach:

"Ich denke, dass es noch zu früh ist, an Zahlen zu viel fest zu machen. Spannend wird es sicherlich Anfang Februar. Aber auch dann sollte niemand seine Teilnahme davon abhängig machen, wie viele sich gerade daran beteiligen."



Der Hauptgrund, warum die Leute unentschlossen sind oder sich nicht beteiligen möchten, ist nach Auffassung von Greschbach die Angst vor der Exmatrikulation. Bestätigt wird diese Einschätzung von einer Umfrage, die die Fachschaft Soziologie im Dezember gemacht hat. Dabei wurden 480 Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen zum Boykott befragt. Ein Ergebnis: Neben Informationsmangel ist die Angst vor der Exmatrikulation der Hauptgrund, nicht zu boykottieren. Ein weiteres: 26 Prozent sind sich noch nicht sicher, ob sie mitmachen sollen.

Auffällig, aber nicht unbedingt überraschend ist, dass Studierende der philosophischen Fakultät den Boykott eher befürworten (59,7%), wohingegen er im Fachbereich Rechtswissenschaft eher abgelehnt wird (50,9%). Unabhängig vom Studienfach lehnen 80 Prozent der Freiburger Studenten Studiengebühren ab. Ob die Umfrage tatsächlich als repräsentativ anzusehen ist, ist allerdings fraglich, da viele befragte Studenten überhaupt keine Angaben gemacht haben.



An der PH, wo die Rückmeldefrist bereits am 26.1. endet, wurde heute den ganzen Tag über mit Infoständen und Aktionen für den Boykott geworben. Studenten der Forstwissenschaften machten vor dem Herderbau ebenfalls auf ihr Anliegen aufmerksam und protestierten mit einer spektakulären Gebäude-Kletteraktion gegen Studiengebühren. Die Studentin Simone Heit (oben und unten) zerstörte außerdem mit einer Motorsäge einen symbolischen Bildungsbaum, auf dem Kommilitonen Wünsche an ein gutes Bildungssystem auf Zetteln notiert hatten. Als der Bildungsbaum gefällt war, gab's von den knapp zwei Dutzend umstehenden Studenten ein Pfeifkonzert.