Lass Dich überraschen!

Dirk Philippi

5:1 gewannen die Wölfe Freiburg gestern Abend vor nur knapp 1000 Zuschauern gegen Passau, Petr Mares erzielte einen Hattrick und Neuzugang Tomas Kucharchik hatte einen ordentlichen Einstand. Alles gut also an der Ensisheimerstraße? Mitnichten! Coach Peter Salmik sprach nach der Partie in Rätseln und stellte indirekt weitere personelle Änderungen in Aussicht. 'Der Eissportenthusiast' tippt: Für Antti Karhula und Tom Herman (Foto: ice-wolf.de) wird die Luft dünn. Mit Audio-Mitschnitt der Pressekonferenz).



Ganze drei Minuten dauerte das Wölfe-Vorhaben "Wiedergutmachung, Laufbereitschaft und Spielwitz" ehe der Breisgauer Hockey-Tross in den alten nachlässigen Trott verfiel. Nicht auszudenken, mit welchem Päckchen die Niederbayern die Heimreise hätten antreten müssen, wenn alle drei Blöcke des Salmik-Teams endlich einmal über 60 Minuten Vollgas gegeben hätten.


So aber fing sich der aktuelle Tabellensiebte erst im zweiten Drittel wieder. Dann allerdings war von vielen Akteuren eine deutliche Leistungssteigerung zu erkennen. Angetrieben von der gut agierenden ersten Sturmreihe um den spielintelligenten Kucharchik sowie die starken Kottmair und Mares, und einer engagierten dritten, Youngster-Linie sicherten sich die Wölfe schließlich einen zu jeder Zeit ungefährdeten Heimsieg. Und auch die zunächst verhaltenen Fans fanden gegen Ende wieder Lust an guter Stimmung auf den spärlich besuchten Rängen.

So wollte Cheftrainer Salmik auf der anschließenden Pressekonferenz auch vor allen Dingen die postiven Aspekte herausheben, wohl auch im Wissen, dass das Team für die geplante Aufholjagd Selbstvertrauen benötigt. Dass der Slowake in Diensten der Wölfe-GmbH allerdings längst nicht zufrieden mit der Leistung aller Spieler war, thematisierte er unter anderem indirekt in einem Nachsatz: "Die nächsten Wochen werden noch ein paar Überraschungen mit sich bringen!"

Nun kann mit dieser nebulösen Aussage vieles gemeint sein, dass Salmik auf die Nachfrage "Überraschungen in spielerischer oder personeller Art?" aber lediglich ein "Lass Dich überraschen!" konterte, spricht offensichtlich für seine Unzufriedenheit mit einzelnen Spielern. Schon am Montag klang durch, dass es unter der Woche Probleme an einem Trainingstag gegeben haben soll, und nach dem gestrigen Spiel benötigt man nicht viel Fantasie, um besonders den Finnen Antti Karhula sowie den Kanadier Tom Herman in der Schusslinie zu sehen. Karhula und Herman spielen seit Wochen mit angezogener Handbremse und die Tatsache, dass der Mittelstürmer zwischen ihnen, Kapitän Patrick Vozar (Null Saisontore), sich noch meilenweit hinter seiner Normalform bewegt, lässt deren Defizite erst recht deutlich zu Tage treten.

Nach einem souveränen Heimspielsieg gegen Passau bleibt die Erkenntnis, dass das Team Fortschritte gemacht hat und eine der besten Oberliga-Sturmreihen ihr Eigen nennen darf, dass es aber insbesondere an einem Aspekt noch gewaltig harzt: Man wartet sehnsüchtig auf das Spiel, in dem alle Wölfe ihre Fans und ihren Gegner durch 100% Laufbereitschaft und Willen überzeugen, und endlich erfolgreiche Ruhe einkehrt an der Ensisheimerstraße.