Lapinot: "Ich zeichne nur, was mir gefällt."

Christopher Bünte

Lapinot bedeutet Häschen. Wer Bastian Baier zum ersten Mal begegnet, kommt nicht unbedingt darauf. Der Comiczeichner hat seinen Künstlernamen aus dem Oeuvre des französischen Künstlers Lewis Trondheim entliehen. Häschen? Niedlich, flauschig, freundlich? Eher nicht. In Bastians neuem Cartoon-Band "Schwarz, Weiß, Tot" geht der Zeichner schwarzhumorig zur Sache. Christopher hat sich mit ihm für fudders Comicblog über Nachtarbeit und Kettensägen unterhalten.



Zum Comic-Salon 2010 ist Dein Cartoon-Band "Schwarz, Weiß, Tot" erschienen. Darin geht es unter anderem um Monster, Selbstmörder und Kettensägen. Wie schaffst Du es, dass man über solche Sachen lacht? Gibt es ein Rezept für guten Humor?

Grundsätzlich zeichne ich nur, was mir selbst gefällt. Wenn andere auch daran Gefallen finden, um so besser. :) Das würde ich dann eher als Zufall und nicht als Rezept bezeichnen. Ich glaube, was relativ gut funktioniert und den Leuten gefällt, ist nicht so sehr der Witz an sich, sondern eher die Situationen, in denen sich meine Figuren befinden. Ein Elefant mit Kettensäge im Fahrstuhl ist einfach nur absurd, völliger Blödsinn. Wer lacht schon über sowas?

Obwohl Deine Zeichnungen recht niedlich daherkommen, sind Deine Cartoons manchmal ziemlich bösartig und fies. Sie unterscheiden sich von vielen gängigen Zeitungs- und Magazincartoons. Zu was greifst Du, wenn Du mal richtig lachen willst?


Über absurden, intelligenten, trockenen, schwarzen Humor lache ich gerne und oft. Im Comic-Bereich zum Beispiel Sachen von Nicolas Mahler oder Joscha Sauer. Und im Film-Bereich Streifen wie "Napoleon Dynamite" oder "Die Tiefseetaucher".

Nicolas Mahler und Joscha Sauer sind in der deutschsprachigen Comiclandschaft ja inzwischen zwei Fixpunkte, was Komik betrifft. Ist es nicht ein Problem, sich davon nicht beeinflussen zu lassen und beim Zeichnen unabhängig zu bleiben?

Nun, zeichnerisch gehe ich ja in eine ganz andere Richtung. Und ich denke, dass auch mein Humor eigen ist. Aber letztendlich vergleichen dich die Leute immer mit dem, was sie kennen. Ob das nun zutrifft oder nicht. Da kann ich eh nichts dran ändern. Wobei ich noch nie mit den beiden verglichen wurde.

Erst "Der Schicksalsgnom", jetzt "Schwarz, Weiß, Tot"... Bist Du ein professioneller Comic-Zeichner, der damit sein Geld verdient?


Ich arbeite hauptberuflich als Spieleprogrammierer. Und wenn man so will, entstehen die Comics in meiner Freizeit. Allerdings würde ich mich schon als professionellen Comiczeichner sehen. Ich arbeite an Büchern, die bei Verlagen erscheinen, und bekomme Aufträge im Comic-Bereich und verdiene damit auch Geld. Nur weil ich die Sicherheit einer Festanstellung der Selbstständigkeit vorziehe, heißt dass nicht, dass ich weniger professionell arbeite als Vollzeitzeichner. :)

Ein paar der Cartoons habe ich früher schon einmal irgendwo gesehen, allerdings in anderer Form. Erzähl' doch mal, wie "Schwarz, Weiß, Tot" entstanden ist…

Comicgate hatte mich gefragt, ob ich nicht ein Buch bei ihnen veröffentlichen möchte. Es sollte eine besondere Publikation anlässlich ihres 10jährigen Jubiläums sein. Ich sagte natürlich zu, da es mich natürlich sehr gefreut und mir geschmeichelt hat und wir uns schon lange kannten. Auf der Comicgate-Website und in den Magazinen hatte ich schon Comics und Cartoons veröffentlicht. Uns war auch relativ schnell klar, dass es ein Cartoonbuch sein sollte. Material hatte ich die letzten Jahre genug gesammelt. Auch die Farbwahl Schwarz/Weiß mit Schmuckfarbe stand früh fest. Dies unterstreicht die Grundstimmung des Buches optimal. Für die Umsetzung hatte ich dann drei Monate Zeit. Ich habe jeden Cartoon neu gezeichnet und mir noch einige Neue ausgedacht.

Das klingt in meinen Ohren sehr zeitintensiv. Wie sahen denn Dein Tage aus, als Du an "Schwarz, Weiß, Tot" gearbeitet hast? Hast Du täglich nach dem Programmieren bis tief in die Nacht hinein gezeichnet?

Das war sehr zeitintensiv. Und ja, nach der "normalen" Arbeit habe ich wirklich sehr oft bis spät nachts gezeichnet. Aber natürlich nicht jeden Tag. Die eine oder andere faule Phase habe ich mir gegönnt.



Wie lange brauchst Du überhaupt für eine Seite?

Du meinst einen Cartoon? Nur für die Umsetzung: ca. zwei bis drei Stunden, manchmal länger. Und da ist die Ideenfindung noch gar nicht berücksichtigt. Und manchmal habe ich die Cartoons mehrere Male gezeichnet, da sie mir nicht gefielen. Für eine komplette Comicseite, wie zum Beispiel beim Schicksalsgnom, brauche ich vier bis acht Stunden. Je nach dem, was darauf zu sehen sein soll. Ich bin ein relativ langsamer Zeichner.

Angenommen, man hat als Zeichner Talent - wie schwierig ist es dann, in Deutschland mit Comics sein Geld zu verdienen?

Keine Ahnung. Sehr schwierig? Zumindest mit eigenen Sachen, würde ich sagen. Auftragsarbeiten lassen sich bestimmt viele finden, aber dazu wird meist auch ein bestimmter Stil gesucht. Wie erfüllend das ist, muss jeder selbst entscheiden. Ich zeichne lieber meine eigenen Geschichten und Bücher. :)

Wie geht es jetzt weiter? Arbeitest Du schon an etwas Neuem?

Ja, ich arbeite, wieder zusammen mit Robert Mühlich, an einem neuen Comicbuch mit dem Arbeitstitel "Die Handkante des Schicksals". Darin geht es um einen im Rentenalter befindlichen Kampfsportmeister, dessen ereignisreiche Vergangenheit erzählt wird. Zudem führe ich mein Online-Comic-Tagebuch weiter.

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