Lange Nacht der Freiburger Literatur: Mehr als 20 Autorinnen und Autoren lesen heute Abend im Alten Wiehrebahnhof

Sarah Wenzel

Freitagnacht wird durchgemacht im Alten Wiehrebahnhof. Naja, beinahe, zumindest: Bei der "Langen Nacht der Freiburger Literatur" lesen von 18 Uhr an mehr als 20 Autorinnen und Autoren aus Freiburg. Organisiert hat das Lese-Event das Literaturbüro Freiburg. Was bei der langen Nacht passiert und warum sich Freiburger Literatur lohnt, erklärt Büroleiter Martin Bruch im Interview:



Herr Bruch, ist Freiburg eine literarische Stadt?

Martin Bruch: Freiburg besitzt eine sehr breite und facettenreiche regionale Literaturszene, die es wert ist, einmal gebündelt vorgestellt zu werden. Die Lange Nacht der Freiburger Literatur will ein attraktives Angebot machen, um auf einen Schlag geballt die Freiburger Literaturszene zu hören und zu Gesicht zu bekommen.


Besonders ist, dass es hier relativ viele Schreibende gibt, die in vielen verschiedenen Genres unterwegs sind. Außerdem gibt es hier hier eine große Szene von literarischen Übersetzern gibt. Diese ganz vitale Übersetzerszene ist sicher ein Alleinstellungsmerkmal Freiburgs und auch ein Grund dafür, dass einige Übersetzer an der literarischen Nacht lesen werden - keine selbst geschriebenen Texte, sondern übersetzte.

Glauben Sie, dass die Nachfrage für Literaturveranstaltungen auch bei der Freiburger Jugend vorhanden ist? Die Erfahrung hier im Literaturbüro ist, dass die jüngsten Formate, also zum Beispiel Formate für Studierende am meisten frequentiert werden. Bei der Lesung Zwischen/miete, die vergangene  Woche Freitag stattfand, waren rund 70 Studierende dabei. Und zur  Lesewanderung „Sätzlinge“, die in dieser Wochestattfand, werden zwischen 80 und 100 Leute erwartet.

Deswegen haben wir für die Lange Nacht auch ein besonderes Format mit Blick auf diese etwas jüngere Zielgruppe entwickelt: Nach den Kurzlesungen, die überall im Haus stattfinden, gibt es oben im Literaturbüro um 23 Uhr eine Late-Night-Show, die man bei Bier und guter Laune unterm Dach genießen kann. Was sind denn Ihre persönlichen Erwartungen für Freitagabend? Ich hoffe, dass viele, viele Leute kommen und ein reges Treiben, ein reger Austausch über Literatur entsteht. Und dass das alles bitte nicht in einem steifen Rahmen stattfindet, sondern dass es wirklich lebendig wird. Da das Wetter gut wird, kann man sich im und um den Bahnhof zwanglos bewegen. Kommt zahlreich und bringt Neugierde und gute Laune mit!  

Die Lange Nacht der Freiburger Literatur: Das Programm

Die Lange Nacht ist eine Benefizveranstaltung für das Freiburger Literaturhaus, das in 1 1/2 Jahren eröffnet werden soll. "Das Besonders ist, dass wir von Jung bis Alt alle Generationen vertreten haben", sagt Martin Bruch über die Lange Nacht der Literatur. "Das fängt an bei einer Schülerin, die die ersten Schreibversuche macht - im Rahmen unserer Schreibcouch 14+."

Die Schreibcouch eröffnet die Lange Nacht. Die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer präsentieren einen Text, den sie innerhalb eines Jahres in kollektiver Zusammenarbeit geschrieben haben. "Außerdem werden Einzeltexte vorgestellt, die in dieser Werkstatt entstanden sind", sagt Bruch. Die älteste Teilnehmerin am Freitag ist die 93-jährige Dichterin Rosemarie Bronikowski. Die Freiburgerin hat gerade einen neuen Lyrikband veröffentlicht.

Auf der Veranstaltung sind sowohl prominente als auch ungehörte Autorinnen und Autoren vertreten - diese Vielseitigkeit war Bruch wichtig. "So sind wir auch mit dem Genre vorgegangen: Wir setzen nicht auf das, was alle kennen, wie Lyrik, Prosa und Theatertexte, sondern wir versuchen, eine möglichst bunte Mischung zu präsentieren." So werden bei der langen Nacht auch Science-Fiction, eine literarische Übersetzung, ein Jugendbuch und Krimitexte präsentiert - neben Prosatexten und hochliterarischen Lyriktexten.

Ab 23 Uhr gibt's auch noch die Late-Night Show "Ist das Literatur oder kann das weg". "Vier Autoren bringen Texte mit aus ihrer Jugend, vielleicht auch Texte, bei denen sie sich selbst nicht ganz sicher sind", erklärt Bruch. "Das Publikum und eine Literaturfee werden hinterher abstimmen, ob man es hier mit Literatur zu tun hat oder ob man das auf dem Dachboden vermodern lassen kann."  
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Mehr dazu:

   
Was:
Lange Nacht der Freiburger Literatur
Es lesen: Thommie Bayer, Frank Borsch, Rosemarie Bronikowski und Sia Bronikowski, Thomas Erle, Erika Glassen, Ingeborg Gleichauf, Ulrike Halbe-Bauer, Birgit Hofmann, Jess Jochimsen, Monika Knack, Mónika Koncz, Ulrich Land, Tobias Scheffel, Felix Schiller, Nika Schneider, Jürgen-Peter Stössel, Maja Ueberle-Pfaff, Iris Wolff, Adelheid Zöfel, die Schreibcouch 14+ und einige Überraschungsgäste
Wann: Freitag 18. Juli 2014, 18 Uhr
Wo: Alter Wiehrebahnhof
Eintritt: 8 Euro, 6 Euro ermäßigt

[Bild 1: © Mikael Damkier - Fotolia.com; Bild 2: Thomas Kunz]