Breitnau

Landwirt sichtet erstmals einen Wolf im Hochschwarzwald

Susanne Gilg & aktualisiert um 18.35 Uhr

Ein angehender Landwirt hat am Fahrenberg in Breitnau einen Wolf gesehen. Dieser ist wohl auf Wanderschaft. Das hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) bestätigt.

Moritz Schuler, angehender Landwirt aus Breitnau, hat beim Mähen am Fahrenberg am Dienstagabend einen Wolf gesehen. Damit hat der Landwirtschaftsmeisterschüler den ersten lebenden Wolf im Hochschwarzwald gesichtet. Inzwischen dürfte das Tier weitergezogen sein, denn Wölfe können pro Tag durchaus 40 Kilometer zurücklegen. Vermutlich kommt der Wolf vom Bodensee. Zuletzt sei er auch im Raum Bad Dürrheim gesehen worden, sagt Micha Herdtfelder, Wildökologe bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA).


Moritz Schuler traut seinen Augen nicht, als am Dienstagabend neben dem Schatten seines Schleppers ein Wolf auftaucht. Er macht mit seinem Handy einige Fotos, bis das Tier wieder im hohen Gras verschwindet, stellt es in die Whatsapp-Gruppe seiner Meisterklasse und dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

Gefragter Gesprächspartner

Am Mittwoch und Donnerstag ist er ein gefragter Gesprächspartner, sein Telefon steht nicht mehr still, alle wollen wissen, was es mit dem Wolf auf sich hat, berichtet der 21-Jährige. "Ich war gegen 20 Uhr mit dem Schlepper unterwegs und da ist der Wolf auf mich zugelaufen gekommen", sagt Schuler. Etwa fünf Minuten bleibt das Tier in seiner Nähe. "Ausgestiegen bin ich aber nicht, das war mir nicht so ganz geheuer", fügt er hinzu. Auch mit Experten der FVA geht Moritz Schuler am Donnerstag noch einmal zu der Stelle, an der er den Wolf gesehen hat.

"Wölfe legen am Tag bis zu 40 Kilometer zurück." Micha Herdtfelder, Wildökologe bei der FVA
"Dass es sich um einen Wolf handelt, ist sicher", sagt Wildökologe Micha Herdtfelder von der FVA. "Und wahrscheinlich handelt es sich um dasselbe Tier, das in jüngster Zeit bei Überlingen und Stockach am Bodensee und im Raum Bad Dürrheim gesehen worden ist." Dass der Wolf sich noch in Breitnau aufhält, ist unwahrscheinlich: "Wölfe legen am Tag bis zu 40 Kilometer zurück", sagt Herdtfelder. Zuvor soll das Tier auch im Jostal gesehen worden sein. Ist es der Wolf vom Bodensee, so ist er noch ein Jungtier. Und charakteristisch für junge Wölfe sei, dass sie – bis sie eine Partnerin gefunden haben – Hunderte Kilometer auf Wanderschaft gehen, so Micha Herdtfelder.

2015 zwei tote Wölfe an Autobahnen

Im Hochschwarzwald ist es der erste lebende Wolf, der seit langer Zeit gesichtet worden ist. Am 17. Mai 2016 hatte das Land mitgeteilt, dass im Raum Donaueschingen zum ersten Mal seit 150 Jahren wieder ein lebender Wolf in Baden-Württemberg gesehen worden war. Im Jahr 2015 waren bei Lahr und bei Merklingen zwei totgefahrene Wölfe an Autobahnen gefunden worden.

"Ich würde fast behaupten, dass das die erste gesicherte Sichtung in Breitnau seit dem Mittelalter ist", sagt Breitnaus Bürgermeister Josef Haberstroh, der von dem Wolf auf seinem Gemeindegebiet über den, wie er sagt, Buschfunk erfahren hat. In den sozialen Netzwerken, in denen das Foto vielfach geteilt worden ist, bewegen sich die Kommentare zwischen "Abschießen!" und "Toll, dass der Wolf da ist".

"Ich würde fast behaupten, dass das die erste gesicherte Sichtung in Breitnau seit dem Mittelalter ist." Josef Haberstroh, Bürgermeister Breitnau
Stefan Büchner, Leiter des Naturschutzzentrums Südschwarzwald am Feldberg, hat auch über die sozialen Netzwerke von der Wolfssichtung erfahren. "Die Lösung kann nicht sein, die Tiere abzuschießen", sagt er. "Bei uns ist man den Wolf einfach nicht mehr gewohnt, er war jahrzehntelang weg", fügt er hinzu.

Junge Wölfe sind neugierig

Er habe Verständnis für Landwirte, Schäfer oder Ziegenhalter wenn sie um ihre Tiere fürchten. Da müssten Lösungen gefunden werden. "Wölfe sind durchaus an uns interessiert, aber nicht als Beute." Gerade junge Wölfe seien neugierig. Büchner ist überzeugt: "Wir können mit Wölfen leben, wir müssen es nur wieder lernen."

Wichtig sei nun, so Micha Herdtfelder von der FVA, dass vor allem Landwirte in der Region aufmerksam sind. Seine Begegnung mit dem Wolf wird auch Moritz Schuler nicht so schnell vergessen. Er ist längst wieder auf dem Feld draußen – und hat von dem Trubel erst einmal genug.

Wer einen Wolf sieht, kann sich bei der FVA in Freiburg unter Tel. 0761/4018274 melden.


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