18. Verhandlungstag

Landgericht ergründet Hussein K.s Straftat auf Korfu: Griechische Ermittler sagen im Mordprozess aus

Carolin Buchheim

Hussein K. wurde 2014 auf Korfu wegen versuchten Mordes und Raub verurteilt. Griechische Beamte haben nun im Mordprozess am Landgericht detailliert von der Tat und den Ermittlungen berichtet.

Fazit

Um drei zentrale Fragen ging es in den Aussagen der Ermittler aus Korfu:
  • Wie genau lief die Tat auf Korfu ab?
  • Welche Angaben machte K. damals zu seiner Person?
  • Wurde Hussein K. vor seinem Geständnis ausreichend über seine Rechte nach griechischem Strafrecht belehrt und stimmte er zu, dass er sich nicht von einem Anwalt beraten lassen wollte?
Wie die Tat ablief, schilderten die beiden Ermittler eindringlich, der Film von Staatsanwalt Berger und die Fotos der Ermittler vermittelten einen Eindruck vom Tatort - und welch großes Glück das Opfer Spiridoula C. hatte, als sie den Sturz überlebte.

Klar ist nun auch: Gegenüber den griechischen Behörden gab Hussein K. sich zunächst als 17-Jähriger aus und gab bereitwillig an, er habe sich jünger gemacht.
Ob die griechischen Ermittlungen rechtmäßig durchgeführt wurden, ist nach der Aussage der Ermittler nicht klar – das griechische Strafprozessrecht scheint sich vom deutschen zumindest in Details zu unterscheiden. Eine Gegenüberstellung in einem Krankenhaus mit nur einem Verdächtigen wäre in Deutschland sicherlich sehr ungewöhnlich. Die Frage der Rechtmäßigkeit wäre jedoch wohl primär in einer Revision in Griechenland zu klären – diese wurde im vergangenen September abgewiesen, denn Hussein K. war nicht zur Verhandlung erschienen. Er saß zu diesem Zeitpunkt schon in Südbaden in Haft.

Der Prozess wird am 8. Februar fortgesetzt.

Aussage des griechischen Ermittlers Giorgios K.

18.50 Uhr: Auch den zweiten Zeugen bittet die Vorsitzende Richterin Schenk zunächst mit eigenen Worten frei zu erzählen, wie die Ermittlungen auf Korfu abliefen. Der 28-Jährige - Lederjacke, gegelte Haare, moderner kurzer Vollbart - gibt an, dass er der Zuständige für den Fall gewesen und als Vernehmungsbeamter bei allen Vernehmungen anwesend gewesen sei. Er habe am Tattag alle Ermittlungen geleitet, bis der Staatsanwalt involviert worden sei.

"Er hat ihr mit dem Finger vor dem Mund ein Zeichen gegeben, dass sie schweigen solle. Dann warf er sie mit dem Kopf zuerst hinunter." Aussage des Ermittlers zur Tat in Korfu
Der Ermittler erzählt, wie er am Tattag das Opfer im Krankenhaus besucht habe, und sich von ihr die Tat und ihre Verletzungen beschrieben ließ. Um 2.20 Uhr am 26.Mai 2013 habe das Opfer eine Bar verlassen, in der sie mit Freunden gefeiert habe und sich auf den Heimweg gemacht. Der Angeklagte sei ihr auf der anderen Straßenseite entgegengekommen, er habe die Gehrichtung gewechselt und sei auf ihre Straßenseite gekommen.

"Sie hat mir gesagt, sie habe Angst bekommen und wollte auf die andere Seite der Straße wechseln", sagt der Ermittler, doch Hussein K. habe sie gepackt, geschlagen und an ihrer Handtasche gezogen. Dabei habe er sie auf den Boden geworfen. Dann sei ein Auto gekommen, sie habe um Hilfe geschrien, er habe sie umgedreht, hochgehoben und mit dem Kopf Richtung Boden über das Geländer gehoben. Er wollte sie herunterwerfen, doch das Opfer hielt sich am Geländer fest und bat ihn, sie nicht zu werfen, doch irgendwann konnte sie sich nicht mehr halten.

"Er hat ihr mit dem Finger vor dem Mund ein Zeichen gegeben, dass sie schweigen solle", sagt der griechische Beamte durch seinen Übersetzer. "Dann warf er sie mit dem Kopf zuerst hinunter." Dem Opfer sei es gelungen, sich im Fall zu drehen und nicht mit dem Kopf zuerst aufzuschlagen. Das Opfer habe sich einen Arm und die Beine gebrochen. Bis zur Verhandlung sei sie außerdem in permanenter psychologischer Betreuung gewesen.

Unmittelbar nach dem schweren Sturz habe das Opfer sich verletzt zu ihrem Wohnort, einem Hotel, in dem Studenten wohnen, geschleppt. Etwa 200 Meter neben dem Tatort seien Treppen, die sie sich wohl hochgeschleppt habe. "An diesen Weg hat sie allerdings keine Erinnerung", sagt der Ermittler. "War der Tatablauf, den sie geschildert hat, plausibel?", will Richterin Schenk wissen. "Ja," sagt der Polizist.

Das Opfer habe den Täter als 1,75 Meter groß, schlank und asiatischer, afghanischer oder pakistanischer Abstammung; sie hätte ihn auf 20 Jahre geschätzt. Wieder geht Richterin Schenk ins Detail, fragt dezidiert nach der Tasche des Opfers, der Kleidung von Hussein K. bei der Festnahme; wieder will sie mehr über die rechtlichen Belehrungen eines Verdächtigen im griechischen Ermittlungsverfahren wissen, liest einen Auszug aus dem Protokoll der Befragung von Hussein K. vor, in dem es um die Belehrung nach der griechischen Strafprozessordnung geht.

Das Ziel der Richterin: genau zu klären, vor welcher Befragung Hussein K. belehrt wurde. Langsam scheint klar zu werden, dass K. erst in einer Befragung, die um 22 Uhr protokolliert wurde, belehrt wurde. Dabei sei ein Dolmetscher für Farsi anwesend gewesen. "Sie können sich sicher vorstellen, dass es auf einer Insel schwierig ist, einen Berufsdolmetscher zu finden", sagt der Polizist. "Das war ein Bürger." Ein Verteidiger sei nicht anwesend gewesen. "Er wollte nicht", sagt der Beamte über Hussein K. "Vielleicht war ihm nicht bewusst, was passiert war."

Hussein K.s Asylpapiere hätten als Geburtsdatum den 1.1.1996 und als Geburtsort Afghanistan geführt. "Er sagte uns aber, dass das nicht das richtige Datum sei", sagt der Polizist. Ein Landsmann habe Hussein K. gesagt, dass es besser sei, sich jünger zu machen und der Antrag begünstigt würde. "Er hat dann aber auch zugegeben, dass seine Eltern im Iran leben würden."

"Ich gestehe alles." Zitierte Aussage von Hussein K. zur Tat auf Korfu

Der Polizist führt weiter aus: Hussein K. habe ausgesagt, er sei zum Tatzeitpunkt besoffen gewesen; das Opfer habe zu Unrecht vor ihm Angst gehabt. Er habe sie nur weggeschubst, damit er weiter gehen könnte und weil er Angst hatte, weil sie geschrien habe. Die Richterin liest aus dem Protokoll vor. "Ich gestehe alles", sagt Hussein K. in dem Dokument. "Ich habe Wein getrunken und wusste nicht, was ich tat." Das Mädchen habe grundlos geschrien, als sich ihre Wege gekreuzt hätten.

"Ich habe Angst bekommen und wusste nicht, wie ich hätte reagieren sollen. Das Mädchen hielt sich an der Umzäunung fest und schubste mich. Auf einmal stürzte sie in die Tiefe." Diese Aussage findet Richterin Schenk widersprüchlich. "Ich weiß nicht, was da übersetzt wurde", sagt der Polizist. "Er hat gesagt, er habe sie geschubst." "Sind Sie sich sicher, dass er das gesagt hat?" fragt die Vorsitzende Richterin. "Ja, ich bin mir sicher", sagt der Zeuge.

Hussein K. sei bei der Vernehmung nüchtern gewesen, seinen Gesamtzustand beschreibt auch dieser Zeuge als "gleichgültig". Hinweise auf einen sexuellen Übergriff gab es nicht. "Das Opfer glaubte, dass er ihre Handtasche rauben wollte", sagt der Ermittler.

Nun soll ein Film gezeigt werden, den Staatsanwalt Berger im April 2017 am Tatort auf Korfu angefertigt hat. Verteidiger Glathe fragt kritisch nach, warum das notwendig sei, schließlich läge der Sachverhalt in Akten vor. "Ich weiß nicht, welchen Erkenntnisgewinn der Film bringen soll", sagt Glathe. "Das geht zu weit." Staatsanwalt Berger rechtfertigt den Film, währenddessen richtet ein Justizbeamter schon die großen Bildschirme für das Material.

"Der Film dient als Vernehmungshilfe", verteidigt die Vorsitzende Richterin resolut das Material. Bevor der Film gezeigt wird, stellt Staatsanwalt Berger dem Zeugen noch eine Frage zur Aussage von Hussein K.: Schaute er von der Klippe herunter, um zu gucken, ob das Opfer tot sei, oder tat er dies vom Meer aus? "Wir glauben, dass er sie unten suchen wollte", sagt der Polizist. "Er hatte keine Erklärung für seine nasse Kleidung."

Dann wird der Film gezeigt - er zeigt die Bar, die das Opfer in der Tatnacht besuchte, ihren kurzen Weg zum Tatort, in schönem Abendlicht. Die Straße dort ist einspurig, auf der linken Straßenseite sind Häuser und geparkte Autos, auf der Meeresseite ein schmaler Bürgersteig. Die Kamera schwenkt in die Tiefe, herunter auf einen Strand mit Kieselsteinen. Es ist ganz still im Gerichtssaal. "Das ist nicht der Punkt", sagt der Polizist durch seinen Übersetzer. "Das ist zu niedrig." Staatsanwalt Berger fragt nach: "Ist das nicht die Stelle, die sie mir vor Ort gezeigt haben, wir diskutierten doch, ob der Angeklagte K. sich an der Ausbuchtung dort versteckt gehalten hatte." "Ja, das ist möglich", sagt der Zeuge. Es wird versucht herauszufinden, wo genau der Tatort war. Der Film läuft weiter, zeigt die Treppe, über die sich das Opfer wahrscheinlich hochgeschleppt hat.



Dann werden über die großen Bildschirme noch Bilder in Augenschein genommen, die zur griechischen Akte gehören. "An dem Schild ist die Tat passiert", sagt der Zeuge, bei einem der Fotos. Das Schild zeigt zum Solomos Museum. "Das ist der Ort des Falls", sagt der Beamte. Die genaue Höhe kann er nicht angeben "Man hat es gemessen, aber ich weiß es nicht auswendig", sagt er.

"Was soll das denn alles, es war doch nur eine Frau!" Zitierte Aussage von Hussein K. zur Tat auf Korfu
Staatsanwalt Berger hat noch einige Fragen an den Zeugen: "Welche Angaben zu seiner Person hat Herr K. im Verfahren gemacht?" "Er sagte am 12. Februar 2014, er sei vor 10 Tagen 18 geworden." Berger hat noch weitere Fragen zum Drogen- und Alkoholkonsum und Krankheiten von Hussein K. Auch ob er den Angeklagten ebenfalls zynisch fand, will Berger wissen. Der Beamte bejaht. Dann hat er eine sehr konkrete Frage an den Zeugen: "Sie haben mir bei meinem Besuch auf Korfu gesagt, Herr K. habe einmal gesagt "Was soll das denn alles, es war doch nur eine Frau!" "Ja," sagt der Zeuge. Außerdem habe das Opfer nach der Gegenüberstellung gesagt, Hussein K. habe sie bedrohlich angeschaut.

Verteidiger Glathe fragt nach dem verwendeten Dolmetscher, versucht zu ergründen, ob der Bürger wohl ein Flüchtling gewesen sei, der mit K. in der Ölmühle gelebt hätte. Er liest aus dem Bericht eines Zeugen vor, der darauf hindeutet, dass der Geflüchtete der Polizei nicht nur Hussein K.s Schlaflager in der alten Ölmühle gezeigt habe, sondern auch auf der Polizeidienststelle, im Krankenhaus und am Meer dabei war. "Da gehe ich davon aus, dass er die ganze Zeit gedolmetscht hat, sonst hätte er ja keine Funktion gehabt", sagt der Verteidiger. "Als ich mit Herrn K. geredet habe, war keiner seiner Mitbewohner dabei", sagt der Zeuge.

Glathe will genauer wissen, wie es zum Fehlen eines Verteidigers kam, fragt nach, was der Zeuge gemeint habe, als er gesagt hat: Hussein K. "wusste vielleicht nicht, was geschehen war." "Vielleicht meinte er, es sei nur eine Frau gewesen", sagt der Polizist. Glathe hat noch eine Frage, ob Hussein K. wissen konnte, wie tief sein Opfer fallen würde, liest dazu einen Ausschnitt aus K.s Aussage vor. "Er hat sich drei oder vier Monate auf der Insel aufgehalten, er ist sicher einmal an dieser Stelle vorbei gekommen." Außerdem sei die Stelle beleuchtet. "Man kann die Tiefe sehen und auf dem Meer fahren Boote vorbei. Und wenn er gedacht hätte, es sei nur einen Meter tief, hätte er ja nicht noch mal gucken kommen müssen, ob sie noch lebt."

Dann will der Verteidiger wissen, wie die Gegenüberstellung im Krankenhaus ablief. "Es waren sieben bis zehn Polizisten da und sein Mitbewohner." "Und keine anderen Menschen, die ihm vielleicht ähnlich sehen." "Nein." "Ich habe keine weiteren Fragen", sagt Glathe.

Aussage des griechischen Ermittlers Vasilius K.

16.00 Uhr: Erster Zeuge am 18. Verhandlungstag im Mordprozess gegen Hussein K. ist der griechische Polizeibeamte Vasilius K., an seiner Seite sitzt ein Dolmetscher. Die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk bittet ihn, zunächst frei über seine Ermittlungen gegen Hussein K. auf Korfu zu berichten. Der Polizist, ein sportlicher 34-Jähriger mit kurzen Haaren, Dreitagebart und in Jeansoutfit, beginnt seine Aussage: Er habe am Tag der Tat Frühdienst gehabt; als er zum Arbeitsantritt zur Polizeistation kam, sei K. schon vor Ort in Haft und des versuchten Mordes verdächtig gewesen.

Hussein K. sei in der Tatnacht um 0.30 Uhr von Beamten kontrolliert worden, etwas später sei die Tat passiert. Gegen 3 Uhr hätten Polizeibeamte ihn in der Nähe des Tatorts festgestellt; seine Hose und seine Schuhe seien nass gewesen. Nach einer intensiven Befragung habe K. die Tat gestanden und die Beamten zur Tasche geführt, die er dem Opfer Spiridoula C. gestohlen hatte. Bei einer Gegenüberstellung kurz darauf im Krankenhaus hätte ihn die Studentin zudem erkannt.

"Er hob sie mit den Händen in die Luft und ließ sie an einem angrenzenden Abhang kopfüber in die Tiefe fallen." Ermittler Vasilius K. zum Tatablauf
K. sei zu diesem Zeitpunkt des versuchten Mordes verdächtigt, mit Hilfe eines Dolmetschers befragt und über seine Rechte informiert worden. Hussein K. habe die Hinzuziehung eines Anwalts abgelehnt. Richterin Schenk stellt mehrere Nachfragen zum rechtlichen Status K.s : Sei er schon Verdächtiger gewesen? Hätte er auch eine Aussage ablehnen können? Ja, er sei schon ein Verdächtiger gewesen und er hätte ablehnen können, sagt der Zeuge, der seine Arme während der gesamten Befragung verschränkt hält.

Dann schildert der Polizeibeamte die Tat: Hussein K. habe die Tasche des Opfers klauen wollen. Als ein Auto vorbei kam, habe er das Mädchen von der Klippe geschubst. Richterin Schenk will es genauer wissen, liest aus der griechischen Akte vor: "Als er ein vorbeifahrendes Fahrzeug bemerkte, hob er sie mit den Händen in die Luft und ließ sie an einem angrenzenden Abhang kopfüber in die Tiefe fallen." Sie fragt genau nach: "Ist diese Information eine Aussage der Zeugin oder ist das eine Aussage des hier angeklagten Herrn K.?"

Der Ermittler ist sich nicht mehr sicher. "Aber ich glaube, die Aussagen der beiden haben zueinander gepasst", sagt er und fügt hinzu: "Es war leicht, das Mädchen hochzuheben, und sie herunterzuwerfen." Richterin Schenk liest den gleichen Satz im Zusammenhang aus der Akte vor. "Das klingt, wie eine Aussage von Herrn K.?" "Ja", sagt der Zeuge. "Kommt die Erinnerung also jetzt heute wieder?" Sie will wissen, wie hoch die Klippe war. "Zehn Meter", sagt der Beamte, eine Sondereinheit der Polizei habe die Stelle ausgemessen.

Richterin Schenk will wissen, wo K. gelebt habe. "In einer verlassenen Olivenmühle gegenüber vom Hafen", sagt der Zeuge. Dort seien Schuhe gefunden worden, die das Opfer zuvor beschrieben hätte. "Nike Schuhe in grau", sagt der Polizist. "Sie waren nass." Zum Zeitpunkt der Festnahme habe K. nur Latschen getragen.

"Warum hast Du das gemacht?" Das Opfer Spiridoula C. zu Hussein K. nach der Tat
Dann fragt die Vorsitzende Richterin nach, wie die Gegenüberstellung im Krankenhaus abgelaufen sei. Das Opfer habe K. selbst und die gefundenen Schuhe von K. wiedererkannt. "Haben der Angeklagte und das Opfer miteinander gesprochen", will die Richterin wissen? "Ja", sagt der Zeuge. Hussein K. habe sich entschuldigt. Das Opfer habe wissen wollen: "Warum hast Du das gemacht?" Darauf habe K. jedoch nicht geantwortet.

"Dann sei er zurückgegangen, um zu sehen, ob das Mädchen noch immer dort läge" Der griechische Ermittler
Dann geht es um Hussein K.s Personalien. Er habe erzählt, dass er in Afghanistan und im Iran großgeworden sei. Er sei 17 Jahre alt. Sein Geburtsdatum sei der 1.1.1996. Dieses Datum habe er bei seinem Antrag auf Asyl angegeben. Er habe gewusst, dass es Vorteile bringe, jünger zu sein. Anzeichen auf Alkohol- oder Drogenkonsum und Verständigungsprobleme habe es nicht gegeben. "Wie war Ihr Eindruck von ihm?" will Richterin Schenk wissen. "Er war ernüchtert", sagt der Zeuge.

Ob die Entschuldigung von K. im Krankenhaus ernst gemeint war, will sie dann wissen. "Auf keinen Fall!", antwortet der Zeuge so schnell und resolut, dass im Zuschauerraum laut gemurmelt wird. "Das kam so leicht raus."

"Bei der Festnahme hat er ein schwarzes T-Shirt mit einem Wolfskopf getragen?" Staatsanwalt Berger
Als Ausweispapier habe er seinen Asylantragspass gehabt. "Uns ist aufgefallen, dass er kein Handy dabei hatte", sagt der Ermittler. Die beisitzende Richterin will wissen, ob Hussein K. gesagt hätte, was er nach der Tat getan hat. "Er hat uns berichtet, dass er ins Meer gegangen sei, um sich zu waschen", sagt der Zeuge. "Dann sei er zurückgegangen, um zu sehen, ob das Mädchen noch immer dort läge." Deswegen sei seine Kleidung nass gewesen. Das Opfer habe nicht mehr dort gelegen.

Staatsanwalt Berger fragt noch mal zu K.s Kleidung: "Bei der Festnahme hat er ein schwarzes T-Shirt mit einem Wolfskopf getragen?" "Ja." Dann will er wissen, wie die Gegenüberstellung im Krankenhaus abgelaufen sei, ob mehrere Männer dem Opfer gezeigt worden seien. "Ja, noch ein Mann aus Afghanistan und noch weitere Personen. Als sie ihn gesehen hat, hat sie ihn sofort wieder erkannt."

"Das Dokument fehlt in unserer Akte, vielleicht haben wir es einfach nicht bekommen." Vorsitzende Richterin Schenk
Berger hat einige detaillierte Nachfragen zum Vorgehen der Polizei und fragt nach einem bestimmten Dokument. Der griechische Ermittler scheint sich durch diese Fragen angegriffen zu fühlen. Berger versucht zu mildern: "Ich misstraue Ihnen nicht, ich würde auch einen Deutschen Beamten all das fragen." Richterin Schenk pflichtet ihm bei: "Das Dokument fehlt in unserer Akte, vielleicht haben wir es einfach nicht bekommen. Wir misstrauen Ihnen nicht."

Nebenklagevertreter Bernhard Kramer fragt zum Tatort auf der Klippe nach. Die Absperrung sei aus Metall, ungefähr ein Meter hoch, sagt der Zeuge, "je nach Wind und Wasserstand geht das Wasser bis an die Mauer".

Rechtsanwalt Kramer hat auch eine Nachfrage zur Altersangabe. Er will wissen, ob Hussein K. tatsächlich selbst angegeben habe, dass er sich ein falsches Geburtsdatum gegeben hat, um sich jünger zu machen. "Das hat er gesagt", sagt der Zeuge.

"Hat er Ihnen gesagt, ob ihm die Höhe der Mauer bekannt war?" Verteidiger Sebastian Glathe
Verteidiger Glathe hat noch weitere Fragen zur Belehrung von Hussein K. vor seiner Aussage in Griechenland. Er will wissen, ob die Belehrung ausführlich war oder ob sie zusammengefasst wurde. "Es werden nicht nur Zahlen aufgezählt, sondern die Rechte beschrieben", sagt der Ermittler. Dann will Glathe wissen, ob der Zeuge weitere Details zur Tat weiß, konkret, ob es ein "Schubser" gewesen sei. Hussein K. habe ausgesagt, dass das Mädchen sich gewehrt habe und er sie die Straße herunter geworfen habe, erklärt der griechische Beamte.

"Hat er Ihnen gesagt, ob ihm die Höhe der Mauer bekannt war?", fragt Glathe. "Sicherlich wusste er, dass ein Abgrund dort war", sagt der Polizist. "Auch wie groß der Höhenunterschied zwischen Straße und Meer ist?" "Das kann ich nicht sagen. Aber er wird gewusst haben, dass bei dieser Höhe die Gefahr tödlicher Verletzungen bestand." Sehr auffällig stellt Hussein K. seinem Verteidiger über seinen Übersetzer eine Frage. Weitere Fragen an den Zeugen hat Glathe danach jedoch nicht.

Der forensische Psychiater Hartmut Pleines, als psychiatrischer Gutachter bestellt, fragt noch einmal zu Alkohol oder Drogen nach und will dann wissen, welchen Eindruck Hussein K. bei seiner Festnahme gemacht habe. "Er wusste, was er gemacht hat", sagt der Zeuge. "Er hat uns seine Tat mit absoluter Gefasstheit beschrieben." K. habe zynisch gewirkt. Auch zur Durchsuchung von K.s Wohnung und dem T-Shirt hat er eine Nachfrage: "Haben Sie die Wolfsabbildung auf anderen Dingen gesehen, die Herrn K. gehören?" K. habe eigenartige Symbole tätowiert gehabt, sagt der Zeuge.

Richterin Schenk hat eine letzte Frage: "Gab es Zwang, Folter, irgendetwas gegenüber Herrn K.?" "Auf keinen Fall."
Vorschau auf den Prozesstag

Der Prozess gegen den des Mordes an der Studentin Maria L. angeklagten Hussein K. wird am Donnerstag, 25. Januar, ab 14 Uhr in Saal IV des Landgerichts in der Salzstraße 17 fortgesetzt. Als Zeugen geladen sind zwei griechische Polizisten, die auf der Insel Korfu an den Ermittlungen gegen K. beteiligt waren.

K. wurde in der Stadt Korfu 2014 wegen versuchten Mordes zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, aber im Zuge einer Amnestie nach eineinhalb Jahren aus der Haft entlassen. Er hatte eine griechische Studentin kopfüber eine zehn Meter hohe Klippe hinuntergeworfen; die Frau überlebte schwerverletzt.

Weitere Termine im Prozess gegen Hussein K.

  • Weiter geht der Prozess am Donnerstag, 8. Februar, 9 Uhr mit der Befragung von zwei Sachverständigen sowie einem Polizisten und einer weiteren Zeugin aus der Tatnacht.
  • Am Dienstag, 20. Februar, 9 Uhr wird der Freiburger Gerichtsmediziner und Leiter des Instituts für Rechtsmedizin, Professor Stephan Pollak, aussagen.
  • Eine Woche später, am 27. Februar, werden zwei Kriminalpolizisten über die Ermittlungen in Griechenland und die Auswertung des Smartphones des Angeklagten sprechen.
  • Für den 2. März ist die Aussage des forensischen Psychiaters Hartmut Pleines terminiert.
  • Am 9. März sollen nichtöffentlich die Plädoyers stattfinden.




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