Lachen erlaubt

Roger Graf

Behindertenkomödie, kein leichtes Thema. Regisseur Anno Saul und Produzent Philip Voges haben sich daran versucht und bringen das Produkt am 16. November in die deutschen Kinos. Es heißt "Wo ist Fred?" und ist ziemlich gelungen. Findet jedenfalls unser Filmkolumnist Roger.

Die Farrelly Brüder sind für ihre geschmacklosen Filme bekannt. Regelmäßig ziehen sie darin Minderheiten und Randgruppen durch den Kakao - Behinderte, Dicke, Schwule und so weiter.

Dabei sagen die Farrellys eindeutig, dass diese Menschen das Recht haben, genauso behandelt zu werden, wie alle anderen auch. Also dürfe man sich auch über sie lustig machen. In ihren Filmen versuchten die Geschwister aus Pennsylvania darüber hinaus, die Lächerlichkeit der „Normalen“ gegenüber den „Andersartigen“ zu entlarven. Ähnliches bewirken wollen auch die Macher des Films „Wo ist Fred?“. Er könnte wahrlich von den Farrelly Brüdern stammen und tatsächlich kam das Drehbuch aus Hollywood. Doch statt den Wunschkandidaten Jim Carry oder Adam Sandler verkörpert Fred nur Til Schweiger.

Er mimt einen Bauarbeiter, der sich als Behinderter ausgibt, um seiner Geliebten und ihrem verzogenen Sohn zu imponieren.Außerdem will Fred einen signierten Basketball ergattern. Diesen Ball übergibt der Starspieler Müller stets an einen Zuschauer auf der Behindertentribüne. Natürlich bekommt Fred den Ball, gerät aber auch in eine Imagekampagne des Basketballclubs und stolpert fortan von einem Fettnäpfchen ins nächste. Nach dem Schema einer Screwball-Komödie verursachen Chaos und Lügen immer ärgere Schwierigkeiten, bis zum unvermeidlichen Happy End, bei dem jeder bekommt, was er verdient.Das Ganze ist einigermaßen frech und politisch unkorrekt, aber doch stets liebenswert. Nicht nur der Behinderten Fanclub des Basketball Teams von Alba Berlin half bei den Dreharbeiten; auch weitere Behinderteneinrichtungen unterstützten die Crew und hatten offensichtlich viel Spaß, ohne das Thema so verkrampft zu sehen, wie die Menschen, die eine solche Komödie für politisch unkorrekt halten. Johnny Knoxville (Jackass) scheiterte übrigens mit einer ähnlichen Filmidee erst kürzlich in dem Streifen „Dabei sein ist alles“.Dies dürfte „Fred“ vermutlich nicht passieren.

Zum einen behandelt er das Thema weder bissig, noch böse. Zum anderen spielen die Darsteller so vergnügt, dass es eine Freude ist. Til Schweiger versucht sich an neuen Gesichtsausdrücken. Jürgen Vogel (Freds Freund) scheint sich selbst zu spielen. Anja Kling (Freds Geliebte) wirkt leider so überkandidelt wie in „Traumschiff Surprise“, macht aber dennoch eine gute Figur. Christoph Maria Herbst (Freds Widersacher Ronnie) beweist erneut, dass er zu den besseren deutschen Komikern unserer Zeit gehört. Und Alexandra Maria Lara (Freds Filmengel) ist so natürlich und bezaubernd, dass man sie am liebsten mit nach Hause nehmen möchte.Sicherlich hätte man an einigen Stellen das Skript noch etwas feilen sollen. Und manche Charaktere hätten nicht gar so schablonenhaft sein müssen. Doch der Film kommt an die Qualität der Farrelly-Streifen heran und wirft die Frage auf, ab wann nicht mehr mit, sondern über Behinderte gelacht wird. Und ob man das darf.Nach einer Reihe guter deutscher Filme noch ein Werk, das man sich getrost anschauen kann. Ich vergebe 4 von 5 unbehinderten Goldfischen.


Mehr dazu:

Was: Wo ist Fred? Wann: Montag, 13. November, 20 Uhr, zur Men's Night Wo: Cinemaxx Freiburg (ab 16. November regelmäßig)