LaBrassBanda im Zäpfleclub: Lederhosen, Tuba, Posaune & Trompete

Janos Ruf & Manuela Müller

Lederhosen, Tuba, Posaune, Trompete, Bass und Schlagzeug, eine große Halle. Am Donnerstagabend war Familie. Großfamilie. Im Zäpfleklub. Man erzählte sich Geschichten. Naja, man ist nicht ganz richtig: Stefan Dettl erzählte Geschichten. Man sang zusammen, man sprang zusammen, man tanzte zusammen, man lachte zusammen. Wie's bei LaBrassBanda in der Rothausarena war:



Wenn 1600 Südbadener und ein paar zuagroaste Bayern gemeinsam jodeln, stehen La Brass Banda auf der Bühne. Stefan Dettl ist ihr Frontmann und eine Rampensau. „Kruzefix, is de Halle groß“, meint er. Bayerische Bierzelte sind ähnlich groß. Der Einstiegssong handelt dann auch gleich von einer Bierzeltkeilerei. Dazu wird es an der Freiburger Messe nicht kommen. Alle sind friedlich und beglückt.

Der Zäpfleklub soll heute richtig gerockt werden – und zwar mit Blasmusik. Klare Ansage! Ähnliche Temperaturen wie im vergangenen Jahr beim ZMF – gefühlte 50 Grad mit 90 Prozent Luftfeuchtigkeit – hat es an diesem kalten Novemberabend nicht. Schweißtreibend ist das Animationsprogramm von Stefan und Co. dennoch. Geht es gerade noch um das Musikfestival „Woodstock der Blasmusik“ in Österreich, geben La Brass Banda  plötzlich Gas. Sie verwandeln die schunkelnde, rhythmisch klatschende Menge in einen rasenden Technomob. Mit hand-, beziehungsweise mundgemachten Staccato-Beats. Was Andreas Hofmeir aus seiner Tuba alles rausholen kann? Da erblasst die Uff-da-da-Kapelle vor Neid.

Sein Können beweist Andreas auch in Figur von „Andrea“. Der Bär von einem Mann macht auf ganz zart. Mit zusammengezwickten Beinen, klimpernden Augen und wallendem Haar entlockt er der Tuba Töne, die weich sind wie die eines Flügelhorns. Nur eben präsenter. „Andrea“ alias Tuba schmiegt sich an Stefan ran, umschmeichelt seine Trompete mit plätschernder Melodie. Jetzt hat dieser endlich angebissen. Ohne Worte: Man sieht es, man hört es. Die Trompete schmeißt sich ins Zeug, die Tuba ziert sich. Ach, wie ist das Flirten doch kompliziert. Das Publikum rast: Wann legt er sie denn jetzt endlich flach? Und da: Boooop. Ein einziger Ton. Das war’s, der finale Akt, der Orgasmus. Mehr ist nicht zu holen. Liebe für eine Nacht.

Die Mitglieder von La Brass Banda sind studierte Musiker. Sie lassen ihre Instrumente die Geschichten erzählen. Und manchmal erzählt auch der Wahnsinnstrompeter Stefan Geschichten. Ein virtuoser Unterhalter. Um auf dem Festival Chiemsee-Reggae-Summer auftreten zu können, machten sie sich fix zur „Oly Papoly and the holy moly fist fucking band“. Die erste schwule Reggaeband Jamaikas mit einem Liebeslied für Schwule – „I like da buttyman“. Bayerische Blasmusik war auf dem Reggae-Festival nicht erwünscht. Im gemütlichen Roots-Rhythmus tönt es in der Halle im vielstimmigen Chor: „Better do we nice and slowly“. Aber slowly ist doch nicht so ganz die Sache der fünf Musiker. Verschnaufpausen für das wild tanzende Publikum gibt es nur kurz. Aus slowly wird plötzlich ziemlich schnell und schneller und zungenbrecherisch schnell.

Es brodelt im Zäpfleklub, als noch Besuch vorbeischaut. Ein Marienkäfer hat sich verirrt. Er schwirrt nun in der Nase von Busta Rhymes rum. „Woo Hah Marienkäfer“ heißt ganz bezeichnend der Remix des Marienkäfer-Lieds mit Busta Rhymes. Dieser ist zwar auf Tour nicht dabei, dafür aber die Mundwerkcrew, die für den Mix verantwortlich zeichnen. Die Vorgruppe kommt wie der Hauptact aus dem Chiemgau und beweist jetzt mit einer treffsicheren Wortgewalt, dass die Bayern ein schnelleres Mundwerk haben als der berühmte Amerikaner.

Das könnte ewig so weitergehen – von hart bis zart, von dam-daram-dam über ja-ba-ba, ja-ba-ba, jarararararararara bis daga-daga-daga. So muss Blasmusik klingen, damit sie Spaß macht. La Brass Banda blasen mit ihrem einzigartigen Musikmix alles über den Haufen. Genregrenzen gibt es nicht. Deshalb werden in den Zugaben Reel 2 Real ("I like to move it"), Salt’n’Pepper ("Push it") und TLC ("Waterfalls") zitiert. Kollektiv bayerisch wird es aber nach knapp zwei Stunden Multikulti-in-der-Halle-Toben trotzdem noch: “Wanna mia zwoa zamma stehn, san ma zwoa Hälftn oa Problem. Am Anfang war’s echt hammaschee, doch dann host du ogfangt zum Redn.“ Und schneller und schneller und schneller. Aus!

Seliges Lächeln bis in die letzte Reihe.

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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