Labor auf Rädern: Das Biotechnikum macht in Freiburg halt

Regina Kleissler

Wie kann man tauchen, ohne nass zu werden? Wie den Täter unter einer Reihe von Verdächtigen ausmachen? Oder: Wie kommen die Löcher in den Käse? Auf all diese Fragen gibt das Biotechnikum - ein Minilabor mit Einbaukino - Antwort. Der Truck, der im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch ganz Deutschland tourt, macht derzeit am Platz der Synagoge Station.



„Bis zum ersten Druckpunkt. Eintauchen. Entspannen. Dann bis zum zweiten Druckpunkt durchdrücken.“ – Dr. Martin Brenndörfer gibt keine Anleitung zur Reflexzonenmassage, sondern führt in die Kunst des Pipettierens ein. Es ist 9.15 Uhr. Der Unterricht im Biotechnikum-Truck hat für die 9. Klasse der Freiburger Lessing-Realschule begonnen.


Ein genetischer Fingerabdruck soll erstellt werden. Eigentlich ist das Thema DNA erst für das nächste Jahr im Lehrplan vorgesehen. Der Platz im Biotechnikum wurde kurzfristig frei, weil eine andere Klasse abgesprungen ist. „Das ist jetzt ein bisschen kompliziert, aber wir wollten uns diese Chance nicht entgehen lassen“, sagt Lehrer Markus Maier.

Das Biotechnikum ist bei den Schulen beliebt. Seit 2008 tourt das Team, das außer Dr. Martin Brenndörfer noch zwei weitere promovierte Wissenschaftler umfasst, durch etwa hundert deutsche Städte pro Jahr. Vor allem für Schulen auf dem Land ist das Biotechnikum eine gute Möglichkeit, Zugang zu einem Labor zu bekommen, da dieser durch fehlende Infrastruktur oder lange Anfahrtswege sonst oft nicht gegeben ist. In Praktika mit verschiedenen Themen aus der Molekularbiologie dürfen die Schüler selbst Hand anlegen, und sollen so den theoretischen Stoff aus dem Unterricht in die Praxis umsetzen.

Die Schüler machen sich ans Werk. “Das stinkt nach Kotze“, sagt Nadia und meint damit das Isopropanol, das sie zu ihrer DNA-Probe dazugeben soll. Im Großen und Ganzen lassen sich die Schüler aber von solchen Details nicht beirren, arbeiten konzentriert und kommen immer wieder auf neue Fragen: Wie viel kostet eine Zentrifuge? Ab wann hat ein Mensch eine DNA? Und was steckt hinter der Präimplantationsdiagnostik?

Um 11.30 Uhr ist das Praktikum fertig. „Es war schon interessant. Aber er hat so viel erzählt und dabei so viele Fachbegriffe verwendet. Da ist es mit der Zeit anstrengend geworden, mitzukommen. Irgendwann schaltet man dann ab,“ sagt Annalena, 14. „Ich kann mir nicht vorstellen, das mal als Beruf zu machen. Aber ich fand es interessant, es heute einmal auszuprobieren.“

„Ich fand's gut. Wir konnten ja auch immer nachfragen“, sagt David, 14. Biotechnologie als Beruf? „Nee, eher nicht. Lieber was Handwerkliches“, sagt Florian, 16. Dann eilt die Klasse weiter. Die Deutschvergleichsarbeit steht als Nächstes an.

Vor dem Truck bleiben währenddessen immer wieder neugierige Passanten stehen. Sie werden freundlich, aber bestimmt von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin auf den Nachmittag verwiesen. Von 16 bis 18 Uhr öffnet das Biotechnikum seine Türen, um jedem Neugierigen Einblick in das Labor zu gewähren. Am hergerichteten Laborbeispielplatz dürfen Besucher zwar nicht selbst Hand anlegen.

Dafür kann man zum Beispiel mit dem Body Mover durch eine menschliche Zelle reisen, im truckeigenen Kinosaal einen Film über neueste Projekte und Erfindungen von Wissenschaftlern sehen und an verschiedenen Modellen herausfinden, wo uns Biotechnologie im Alltag begegnet und wie sie genutzt wird, um Krankheiten zu diagnostizieren. Wer beim Biotechnikum-Gewinnspiel mitmacht, hat die Chance, ein eigenes Mikroskop zu gewinnen – oder als dritten Preis die Plüschmikrobe Erkältung.



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Was
: Biotechnikum auf Tour
Wann: Offene Tür am Donnerstag, 29. September, 16 bis 18 Uhr; für Schulklassen am Freitag, 30. September 2011
Wo: Platz an der alten Synagoge