La Vela Puerca bleiben nicht lange zu Hause

Christoph Müller-Stoffels

Im Film "Blues Brothers" heißt es an einer Stelle: "Wir hatten eine Band die so stark war, dass sie Ziegenpisse in Benzin verwandeln konnte!" Diese Band gibt es wieder. Sie nennt sich La Vela Puerca, kommt aus Uruguay und war am Freitag abend im Jazzhaus. fudder war dabei.



Die Globalisierung ist eine Krankheit! Sie hat dafür gesorgt, dass sich Südamerika mit deutscher Pünktlichkeit infiziert hat. Noch steht eine lange Schlange vor dem Jazzhaus. Es ist fünf vor zehn Uhr. Die Vorfreude ist groß, die Vorfreude auf eine Band, die mehr Druck entwickelt, als ein V8 Motor. Aber das sind Urus, die werden sich schon noch etwas Zeit lassen. Denkste! Kaum kippt der Minutenzeiger von der 59 auf die Null, gibt Schlagzeuger Pepe Canedo den Einsatz für den Opener "Llenos de magia" und sofort bebt der Saal. Selten sieht man, dass bei einem Konzert ohne Vorband der Funke derart schnell von der Bühne auf das Publikum überspringt.




Was folgt ist Freude pur! Angetrieben von Sänger und Mastermind Sebastián Teysera folgt ein Energiebonbon nach dem anderen. Drei Alben hat die Band bisher veröffentlicht, eines besser als das andere. Zwar liegt der Schwerpunkt heute abend auf der "aktuellen" CD, "A contraluz" von 2004. Aber auch "De bichos y flores" kommt nicht zu kurz. Ska-Rock-Pop-Geniales-Zeug könnte man die Musikrichtung nennen.

Die Geschichte der Band ist eine Geschichte von der Freude an der Musik. Die inzwischen acht Musiker haben Spaß auf der Bühne und Spaß daran, dass das Publikum Spaß hat. Auch wenn sie davon singen, dass "a este mundo jodido ya le sale pus" (dt.: aus dieser kaputten Welt der Eiter fließt) , klingt das irgendwie fröhlich. Im deutschen Publikum versteht sowieso nicht jeder die Texte, das macht manches einfacher. Und die Musik ist geradezu infektiös. Wem dabei nicht die Beine zucken, der ist tot oder zumindest kurz davor.Nach 75 Minuten passiert etwas unerwartetes - die Band verlässt die Bühne. Haben die noch einen anderen Termin? Natürlich folgen sie den "Zugabe"-Rufen, Teysera sagt artig "Vielen Dank! Wir fühlen uns wie zu Hause!" und es geht weiter. Eine Viertelstunde später ist aber entgültig Schluss. Das Publikum bleibt etwas irritiert zurück. Der Abend hatte das Potenzial, zum Konzert des Jahres zu werden. Aber eineinhalb Stunden Arbeit, keine Vorband, überpünktlicher Beginn - das hat den faden Beigeschmack von 'Dienst nach Vorschrift'. Und wo man sich zu Hause fühlt, könnte man doch auch länger bleiben. Ob daran auch die Globalisierung schuld ist?