Kurzer Blick ins Archiv

Christian Beller

Dann gehen, wenn es am schönsten ist - nach diesem Motto hat sich Christian den Gig von Archive in Basel angehört. Bitte an die Direktion des Badischen Bahnhofs: Eröffnet ein Schlaflager für die fuddercrew!

In Basel in den Genuss eines Konzertabends zu kommen, ist kompliziert. Zumindest dann, wenn man in Freiburg wohnt und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Viel zu spät bemerkten wir, dass der letzte Zug von Basel nach Freiburg um 23.33 Uhr abfährt. So blieb nur die Hoffnung, dass der Gig des britischen Musikerkollektivs Archive früh genug beginnt, um zumindest den Großteil des Sets in der Reithalle der Kaserne mitzuerleben.

Noch vor 21 Uhr startet die Support-Band Red Jetson. Passend zum Hauptact präsentieren die sechs Londoner ihre sich langsam aufbauenden Songs, die vor Bombast nicht zurückschrecken. Einflüsse und Vorbilder: Sigur Rós, Godspeed You Black Emperor, Radiohead, Interpol, Kashmir, Dredg. Die Liste ließe sich endlos weiterführen und genau darin liegt das Problem. Es fehlt das Einzigartige, das etwa Mogwai hat. Dennoch ein gelungener Auftakt einer viel versprechenden Band. In der Zwischenzeit füllt sich der Saal, leider lassen Archive auf sich warten. Nach 45 Minuten Umbau eröffnen sie wie beim Southside Festival mit dem knapp 20minütigen Titelsong des aktuellen Albums „Lights“.

Es folgt „Numb“ vom großartigen „You All Look The Same To Me“-Album und bereits da zeigt sich, dass die beiden neuen Sänger Polland Barrier und Dave Penney den ehemaligen Frontmann Craig Walker nicht zu vollständiger Zufriedenheit ersetzen können. Die beiden überlassen zunächst Sängerin Maria Q die Bühne und dann muss ich, Mist, zum Bahnhof. Aber ich bin relativ sicher, dass fantastische Songs wie „Goodbye“, „Fuck U“ und, vermutlich als Zugabe, „Again“ begeistert aufgenommen wurden. Nächstes Mal ist ein Auto Pflicht.