Kurt Krömer im Paulussaal, wa?

Daniel Weber

Samstagabend gastierte der Berliner Komiker Kurt Krömer mit seinem aktuellen Programm "Der nackte Wahnsinn" im ausverkauften Paulussaal und zeigte sich von seiner besten schlechten Seite. fudder-Autor Daniel war dabei.



Technische Schwierigkeiten. Der Auftritt wird sich noch um ein paar Minuten verschieben. Das Mikrofon sei kaputt, brüllt Kurt Krömer in selbiges und dotzt immer wieder seine Mappe mit voller Wucht darauf. Test, Test. Dotz, Dotz. Dann geht er noch mal hinter den schwarzen Vorhang und bespricht sich mit seinem Assistenten Herrn Weißgerber. Kann ja wohl alles nicht wahr sein, „wa?“ Zuvor war er schon in eine laufende Veranstaltung reingeplatzt, regt sich Krömer auf.


Überhaupt regt er sich viel auf, vor allem über Herrn Weißgerber, den wohl hässlichsten Menschen der Welt. Wenn der mit ihm spreche, soll er doch bitte auf den Boden gucken, mit dem Rücken zu ihm. Später am Abend wird er noch ein Empfehlungsschreiben für eine Stelle bei Körperwelten für Herrn Weißgerber aufsetzen. Und ihm eine „inne Fresse hauen“ will er auch. Sein Techniker Damian bekommt im Laufe des Abends auch noch eine Brandrede gewidmet, bei der sich Krömers Stimme ein ums andere Mal überschlägt. Er arbeite ja nur mit Arschlöchern zusammen.

Aber ansonsten ist er gut drauf, der Kurt Krömer. Seines Zeichens Grimme-Preisträger und GQ Man of The Year in der Kategorie Unterhaltung. Und wie er diese Kunst beherrscht. Er benötigt dafür nichts, nur seine „Berliner Schnauze“. Da kommt er her, aus diesem Vorort von Polen und hockt am Samstagabend an einem kleinen Holztisch in Freiburg im ausverkauften Paulussaal – „im Hause Gottes“.

Relativ normal sieht er aus, Haare etwa verstrubbelt, beiges Jacket, weißes Hemd, keene Krawatte, schwarze Hose. Also nicht das Modell Hipster-Idol mit Scheitel und Anzug in Wellensittichoptik der Siebziger Jahre, das man aus dem Fernsehen kommt, in dem er jahrelang seine eigene Show hatte. Auch auf der ARD, bis die ihn dann ins Abendprogramm gepackt haben. Das sei ja wohl nix für ihn, er sieht sich eher so um 4:30 Uhr nach den schönsten Bahnstrecken Europas. Da kann er richtig Witze reißen und uff de Kacke hauen. Dafür gibt es jetzt wieder die Bühne.

Von Kacke und Scheiße erzählt er da auch, zieht es dann aber doch lieber vor, mit ordentlich sichtbarer Beweislage in den Vorhang zu rotzen. Aber er sei ja ruhiger geworden als Künstler. „Vor zwanzig Jahren hätt ick euch hier noch den Vorhang volljespritzt, hör ma uff.“ Kurt Krömer, der bürgerlich Alexander Bojcan heißt, erzählt viele Geschichten. Unter anderem die vom Versuch, sich seinen Künstlernamen aufm Amt in den Pass eintragen zu lassen, bei der Sachbearbeiterin Frau Haß (geschrieben: H.A.S.S.). Oder die vom asketischen Warten auf den Telekom-Mitarbeiter nach dem Umzug in die neue Wohnung. Oder er spricht über dumme Journalisten, die nach einem Konzept in seiner Show fragen. „Konzept? Hab ick nüsch. Wenn ick eens finde, fax ick dett ihnen aber zu.“

Der einzige rote Faden, der sich durch das Programm zieht, ist eine Liste von Themen, die er abarbeitet. „Hammwa“, sagt Krömer nach jedem Haken hinter einem Punkt und beömmelt sich irgendwann selber ob des bescheuerten Programms. Und das will was heißen, schließlich habe er noch nie in seinem Leben gelacht, erzählt er. Überhaupt ist sein Leben die Katastrophe, am Mittag ist er in der Altstadt ins Bächle gestürzt, hat sich den dazugehörigen Spruch anhören müssen, hat danach als erstes Manfred zu Gesicht bekommen und ist deshalb jetzt mit einem 65-jährigen Metzger verheiratet. Aber der hat ein schönes Lächeln. Und Aufschnitt gibt’s jetzt auch immer.

An einem Punkt holt er einen Gast aus der ersten Reihe auf die Bühne, der solle doch mal bestätigen, dass man von da oben nur ein schwarzes Loch sehe. Wegen der Scheinwerfer ist nur die erste Reihe zu erkennen. Und mit der hätte man an diesem Abend wohl Pech gehabt. Obwohl, seit der Gast mit ihm da oben stehe, sei die Situation da unten schon besser. Später macht er sich erst im Publikum, dann auf der Bühne an einen weiblichen Fan ran. Sie darf mit ihm ein Foto auf der Bühne machen und sitzt auf seinem Schoß. Zwischen „Was wünschst Du dir vom Weihnachtsmann?“ und „Ick lade dich ein, darfst bei mir im Hotel übernachten“, zieht Krömer jegliche Anmachversuche durch.

Er erzählt Altherrenwitze, die schlimmste Gattung also. Aber bei Kurt Krömer klingt das lustig. Und es ist lustig. Das sind die Unterschiede zwischen ihm und dem Rest. Zwar kommt er am Ende der rund 90-minütigen Show an einem Punkt an, „an dem es mir persönlich jetzt keinen Spaß mehr macht“, erzählt den geforderten 2000 Jahre alten Schneckenwitz dann aber doch, bevor er sich in der in die Länge gezogenen Verabschiedung erst verbeugt, sich dann ohne Hemd verbeugt, sich dann ohne Hose verbeugt und am Ende mit einem Bademantel im Leopardenmuster auf der Bühne steht. Als er sich für den finalen Abgang umdreht, lässt er ihn fallen.

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[Foto: Promo]