Kunstwerke von Studierenden verschwinden auf mysteriöse Art und Weise

Carla Mangold

Eigentlich sollte die Ausstellung "Break/Flow" von Studierenden der HKDM eine Woche in der Unterführung der Schwarzwaldstraße zu sehen sein. Vergangene Woche haben Unbekannte die Objekte beseitigt. War es Diebstahl oder ein beuysscher Reinigungseinsatz im Auftrag der Stadt?



In der Nacht von Dienstag, 3 Februar, auf Mittwoch, 4. Februar,  wurden 17 von 20 Kunstwerken der Ausstellung „break Flow“ entwendet. Studierende der Freiburger Hochschule für Design, Kunst und populäre Musik hatten sie gemeinsam mit ihrem Dozenten Daniel Dilger in der Unterführung der Schwarzwaldstraße 2 aufgebaut und am Samstag, 31. Januar, die Eröffnung und Vernissage mit einer Party gefeiert.


Bei den ausgestellten Kunstwerken handelt es sich unter anderem um Plakate, Grafiken und Bauanleitungen zum Thema „Fluss“. „Jede Gesellschaft braucht den Flow. Sonst steht alles still“, erklärt Dilger das breit angelegte Thema. Die Studierenden haben es unterschiedlich interpretiert und in sehr persönlichen Werken umgesetzt. Zum Beispiel mit Small-Talk-Anleitungen und Handy-Störsendern, die den Redefluss der Menschen miteinander anregen sollen.

Dilger und die Studierenden wählten den öffentlichen Raum bewusst. Die Kunstwerke sollten so möglichst viele Bürger erreichen. Den Studierenden ging es bei der Ausstellung auch darum, wie der Raum der Stadt zu nutzen sei und wie sich die Umwelt gestalten lasse. Die leerstehende Unterführung war somit ein idealer Ort für die Ausstellung.

Mit diesem einher ging aber auch die Gefahr, dass Unbekannte die ungeschützten Kunstwerke abhängen könnten. Dass dieser Fall eintritt, hatte Dilger nicht erwartet, zumal die Kunstwerke mit Leim an die Betonwände der Unterführung tapeziert wurden. Merkwürdig ist allerdings, dass die Kunstwerke nicht mutwillig zerstört wurden. Auf dem Boden lagen keine Plakatfetzen. Alles wurde fein säuberlich entfernt.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Dilger kann sich keine möglichen Täter vorstellen. Weder gab es Beschwerden zu der Ausstellung noch Spuren von Vandalismus. So könnte es durchaus sein, dass die Kunstwerke dem Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Freiburg oder der Straßenreinigung zum Opfer gefallen sind – obschon die Ausstellung mit dem Amt für Verkehrswegebau der Stadt Freiburg abgesprochen war. Die Sorgfalt, mit der die Kunstwerke entwendet wurden, lässt diesen Schluss zunächst zu. Zudem wird Kunst nicht immer als Kunst erkannt, besonders im öffentlichen Raum.

Edith Lammersdorf, Pressesprecherin in der Stadt Freiburg, schließt jedoch aus, dass das Amt für öffentliche Ordnung den Auftrag zum Abhängen der Plakate gegeben hat. Auch die Straßenreinigung kommt nicht in Frage. Daniel Dilger erhielt nämlich am Mittwochmorgen um 11 Uhr die erste Nachricht über das Verschwinden der Kunstwerke. Laut Gabel, Einsatzleiter der Straßenreinigung, war das Team der Straßenreinigung frühestens ab Mittag vor Ort.

Die leidtragenden Studierenden haben auf Grund der Vergänglichkeit der Kunstwerke keine Anzeige bei der Polizei erstattet. Trotzdem sind sie wütend und enttäuscht. Ein Semester Arbeit steckt in dieser Ausstellung. „Ein großer emotionaler Wert für jeden Teilnehmer“, so Dilger.

Ein kleiner Trost: Alle Kunstwerke der Ausstellung sind noch online auf der Plattform  p-l-ace unter www.p-l-ace.de zu sehen.  Auf der Plattform gibt es auch einen Dokumentarfilm zu der Ausstellung, den die Studierenden schnell als Reaktion auf die Tat produziert haben. Der Film läuft außerdem im Großstadtbüro tm in der Schwarzwaldstraße 2. Dort läuft der zweite Teil der Ausstellung wie geplant noch im Internet. „Natürlich ist es schade, doch wir haben nicht alles verloren,“ sagt Dilger abschließend.

Break/Flow - Exhibition

Quelle: YouTube


Kamera & Schnitt: Aileen Krieg

Mehr dazu: