Kunst mit Schweinen? Das sagt ein Metzger!

Adrian Hoffmann

Ein Entwurf für den Wettbewerb "Kunstprojekt.Rieselfeld" sieht vor, dass zwei Schweine in einem kleinen Stall nahe dem Maria-von-Rudloff-Platz ein halbes Jahr lang großgezogen werden. Die zwei Basler Künstler, die diesen Vorschlag namens Quartiersau eingereicht haben, wollen damit eine Auseinandersetzung mit dem Thema "Mensch und Tier" erreichen.



Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder die zwei Säue werden nach dem halben Jahr geschlachtet oder die Rieselfeld-Bewohner nehmen sie als Patenkinder an. Wir haben Metzger Ulrich Lehmann aus Merzhausen (im Rieselfeld gibt es keinen) gefragt, wie seiner Meinung nach die Rieselfelder entscheiden würden.




Was halten Sie als Metzger von dem Projekt?

Ulrich Lehmann: Dass Schweine im Rieselfeld aufgezogen werden, in freier Natur und in direkter Nachbarschaft zu Menschen, das finde ich vollkommen in Ordnung, Es ist sicherlich für Kinder und auch Erwachsene sehr interessant, wie aus einem kleinen Ferkel, rosa und mit Ringelschwanz, ein großes Schwein wird, wie lange so eine Wachstumsphase dauert und von was sich ein Tier täglich ernährt.

Und was finden Sie an dem Projekt nicht so gut?

Ulrich Lehmann: Es ist sicherlich ein guter Gedanke, der Bevölkerung zu veranschaulichen, wie Tiere leben und wie sie aufgezogen werden. Eine Schlachtung und Verarbeitung unter freiem Himmel, zum sofortigen Verzehr, könnte natürlich den Anschein erwecken, dass dies den Alltag der Fleischverarbeitung widerspiegelt. Es wäre fahrlässig, wenn die strengen hygienischen Richtlinien, denen das Fleischerhandwerk unterliegt, und die letztendlich auch die Garantie für Qualität und Frische sind, nicht eingehalten würden und der Bevölkerung suggeriert wird, als sei dies der Stand der Dinge im Fleischerhandwerk.

Finden Sie es gut, dass das Verhältnis Mensch und Tier auf diese Weise thematisiert wird?

Ulrich Lehmann: Jeder Künstler wird dies auf seine Weise versuchen, das Verhältnis Mensch und Tier darzustellen.

Was glauben Sie, werden die Rieselfelder es zulassen, dass die Schweine später geschlachtet werden?

Ulrich Lehmann: Ich kann mir schon vorstellen, dass man die neu gewonnen “Freunde” nicht so einfach als Schnitzel wieder sehen möchte. Aber das ist ja okay. Ich finde es gut, wenn man in der Stadt Tiere beobachten kann, sieht, wie sie leben, und ihnen Äpfel oder Karotten zum füttern geben kann.

Wäre es aber nicht verlogen, nicht zu schlachten ? und abends dann das nächste Schnitzel zu essen?

Ulrich Lehmann: Man muss als Fleischesser nicht dazu in der Lage sein, ein Tier selbst schlachten zu können. Ich finde, dass darf man trennen.

Was haben Sie eigentlich für ein Verhältnis zu Tieren?

Ulrich Lehmann: Ein sehr angenehmes, respektvolles. Ich hatte lange Zeit auch Haustiere.

Könnten Sie sich vorstellen, dass das Projekt Quartiersau so manchen Rieselfelder zum Vegetarier umerzieht?

Ulrich Lehmann: Das hängt von vielen Faktoren ab, natürlich auch von der Darstellung des Künstlers. Letztendlich ist es die freie Entscheidung jedes Einzelnen, Essgewohnheiten zu verändern. Ob er nun Vegetarier ist oder nicht, Hauptsache er fühlt sich wohl und kann das Essen genießen.

Und Sie, könnten Sie sich vorstellen, sich zum Vegetarier umerziehen zu lassen?

Ulrich Lehmann: Essen ist für mich keine Religion, es sollte in erster Linie frisch, gesund und lecker sein, unabhängig, ob vegetarisch oder Fleischgericht. Ich stehe auf Süßes, auf Pfannkuchen und Kaiserschmarrn.