Kunst für die Westentasche

Elena Sauer

Mit der Taschenkunst liefert die 28-jährige Renate Narr, PH-Studentin und freischaffende Künstlerin, Detailverliebtheiten in Reinkultur: Streichholzschachteln, die sie in Kunstwerken en miniature verarbeitet. Ein kleines Portrait.



Für Kunst interessierte sich Renate Narr schon länger. Angetrieben von Langeweile und Schaffensdrang begann sie schon in jungen Jahren mit Taschenkunst. Sie kreierte im Inneren mehrerer Schachteln puppenartige Wohnungen mit Fenstern, Stühlen, Tischen, Klavieren und Stehlampen.


Als sie sich später an einer Kunsthochschule bewarb, jedoch nicht angenommen wurde, begann sie sich ernsthaft zu fragen, worin ihre künstlerische Begabung bestand und wie sich Kunst überhaupt definieren ließe. Diese beiden Fragen stellte sie sich in Rückbesinnung auf die Streichholzschachteln.

Zu ihren ersten Werken gehörten die sogenannten Streikhölzer; Streichholzschachteln, die ein protestierendes Interieur enthielten. Diese Serie schickte die durchgefallene Bewerberin an den Leiter der Kunsthochschule, um ironisch gegen die Absage zu protestieren. Außerdem wollte sie auf diese Weise einen Platz auf der Warteliste erbitten. Ihre Bitte blieb jedoch unerhört.



Am 19. März 2005 verkaufte Renate Narr auf dem Emmendinger Künstlermarkt das erste Mal Streichholzschachteln. Aufgrund der Nachfrage erhöhte sie den anfänglichen Schachtelpreis von 99 Cent auf mittlerweile vier Euro.

Den ersten Großauftrag bekam Narr von dem Restaurant Omas Küche, welches um die Produktion von 350 Streichholzschachteln bat. Mittlerweile sind über hundert Titel erschienen und die Taschenkunst hat in der Produktion die Tausendermarke geknackt.



Neben den Streichholzchachteln versucht sich die Studentin auch in der sogenannten Feinstrumpfhosenmalerei. Hierbei handelt es sich um gerissene Feinstrumpfhosen, die sie auf Leinwände spannt, um sie danach zu formen und zu bemalen. „Scheinbar Wertloses zu veredeln und das Spiel mit dem Zufall machen aus meiner Sicht den Reiz der Feinstrumpfhosenmalerei aus.“
Demnach sei eine gerissene Strumpfhose keine lästige Laufmasche sondern eine willkommene Quelle der Inspiration.

Auf die Frage, ob man mit ihrer Tätigkeit hauptberuflich überleben könne, schüttelt die 28-Jährige lächelnd den Kopf: „Die Streichholzschachteln sind ja nicht sehr teuer. Die Kunst ist mein Nebenberuf. Als Hobby würde ich sie jedoch nicht bezeichnen, da bedeutet sie für mich dann doch mehr.“



Der Künstlerin ist es wichtig, dass man die Aussage der kleinen Schachteln versteht. Viele Kunstwerke wären heutzutage so riesig, weil sie anders nicht mehr beeindrucken könnten. Manchmal scheine es fast so, als versuche manches Kunstwerk mit seiner Größe über die Schwäche seiner Aussagekraft hinweg zu täuschen.



Die Absicht, die Renate Narr verfolgt, ist es, Menschen zu erheitern. Gerne steht sie mit ihrem Bauchladen auf dem Emmendinger Künstlermarkt und bringt die Leute zum Lachen, sobald sie näher kommen und sich die Kunstwerke ansehen. Immerhin ermöglicht es die Taschenkunst ihrem Besitzer, sie überall mitzunehmen und sie zu betrachten.

Mehr dazu:

Taschenkunst und Feinstrumpfhosenmalerei kann man in Freiburg in folgenden Geschäften erwerben: