Kunst, die rumsteht (4): Konzerthauskreisel

Nadja Röll

Vier Kegel stehen vor dem Konzerthaus Kopf. Vielleicht wirbeln sie die Gedanken eines Passanten auf. Die tonnenschweren Kreisel der Künstlerin Andrea Zaumseil sollen den Konrad-Adenauer-Platz dynamisieren. Nadja Röll hat sich beschwingen lassen und über Wirbelstürme, tasmanische Teufel und torkelnde Tonnen nachgedacht (featuring Eugen Roth).



Seit Mai 2000 stehen vor dem Konzerthaus, vor dem Dorint-Hotel und am Aufgang der Tiefgarage an der Stadtbahnbrücke vier Riesenkreisel. Mit ihrem Entwurf hat die Stuttgarter Künstlerin Andrea Zaumseil 1996 den mit 20 000 Mark dotierten Wettbewerb zur Gestaltung des Konrad-Adenauer-Platzes gewonnen.


Die unterschiedlichen Neigungswinkel und Richtungen, die verschiedenen Größen der Kegel und ihre Entfernungen zueinander sollen vor dem Konzerthaus Musik und Rhythmus verkörpern. Der Spitzentanz der Kegel-Kolosse soll Bewegung auf den Platz bringen.



Einen schweren Stand hatten und haben die Kreisel hier. Das Konzerthaus des Architekten Dietrich Bangert, die prächtige Fassade mit Säulengang, ist der Stolz des modernen Freiburgers.

Ein Stolz, der nicht von gusseisernen Ungetümen verletzt werden mag. Als vor dem Konzerthaus die Wühlarbeiten für die tanzenden Kreisel begannen, fürchtete man eine ästhetische Bedrohung für Bangerts Bau. Denn die Kreisel sollten den Platz mitbestimmen.



Einige haben sich wohl eher etwas „Schönes, Kleines“ gewünscht, das ehrfürchtig vor dem Säulengang des Konzerthauses liegt und sich ohne Gegensatz in die Umgebung einfügt. Vielleicht ein paar neue Blumenkübel?

Doch in eben dem Zusammen- und Widerspiel von Architektur und Kunstwerk liegt der Reiz des Platzes. Gäbe es diesen nicht, so wäre das Kunstwerk sinnlos oder nur Ding und keine Kunst.



Ganz selbstbewusst und prächtig steht das Konzerthaus nun hinter den Kreiseln, die sich zum Haupteingang zu bewegen scheinen. Oder sollte man besser sagen torkeln? Denn so richtig schwungvoll wirken die vier Gusskreisel nicht. Sie sehen so aus, als hätten sie sich bald ausgedreht. Als wären sie vor langer Zeit zum letzten Mal von den Konzerthausklängen angepeitscht worden.

Für den angeschwipsten Passanten mögen sie gar als wankendes Spiegelbild dienen, das sich über die Standhaftigkeit der Dinge Gedanken macht. Man dreht sich um die eigene Achse, alles fließt vorbei und verschwimmt.

Die Schummrigkeit, der Schwindel setzt ein: „Was, wenn die jetzt einfach umkippen? Was, wenn irgendjemand einen geheimen Knopf bedient und sie sich aus der Fassung herausdrehen und die ganze Stadt platt wälzen?“



Der Gedanke an tasmanische Teufel liegt nicht fern. Die Kreisel erinnern an die Wirbelstürme in Comics, an eine drohende Katastrophe. Und diese schwirrt nicht nur in den Köpfen von angeheiterten Spaziergängern, sondern machte vor einigen Jahren auch den Städtebauern schon große Sorgen.

Wie sollten die über drei Meter hohen und circa sieben Tonnen schweren Spitzentänzer befestigt werden? Eine Lösung wurde gefunden und bis heute ist noch keiner der Kreisel gekippt.

Mit einer 2 300 Mark schweren Beton-Stahl-Halterung wurden die Kunstobjekte im Boden verankert. Die unteren 60 Zentimeter des Kreisels sind zudem aus statischen Gründen massiv, der Rest ist hohl und nur 25 Millimeter stark.



Die Kreisel sind also so ähnlich wie riesige, spitzige Schüsseln, die oben offen sind. Regentropfen fallen hinein, die das Fass eines Tages zum Überlaufen bringen könnten, gäbe es in den Kreiseln kein Ablaufsystem. Übersprudelnde Kreisel, Springbrunnen, eine schöne Vorstellung.

Eine andere Idee wäre, die Kreisel in bunten Farben erstrahlen zu sehen, so wie es für eins der ältesten Spielzeuge üblich ist. Kunststudenten der pädagogischen Hochschule haben sie im Auftrag der Künstlerin Grau-Schwarz angepinselt.

Warum, das weiß man nicht. Vielleicht, weil sie sich so besser in die Umgebung einpassen. Oder aber aus dem Grund, den Eugen Roth in folgendem Gedicht beschreibt:



Der Kreisel
Ein Mensch hat einen Kreisel, rund,
Bemalt in sieben Farben, bunt.
Er peitscht ihn an, der Kreisel schwirrt,
Bis schneller er- und grauer wird...
Soll unser Leben bunter bleiben,
Darf mans nicht allzu munter treiben.