Kultur-WG "Global Generation": was ist das?

Nina Braun

Seit vier Wochen wirbt ein Plakat über dem Juwelier am Bertoldsbrunnen (Kajo 215) für eine Ausstellung in diesem Gebäude. "Global Generation" heißt das schwer gesponserte Projekt der beiden Freiburger Kulturmanagement-Studenten Robin Resch (24, auf dem Foto mit einigen Künstlern, Zweiter von rechts) und Oliver Kremershof (23, Erster von links). Uns haben sie auch erzählt, was dabei hätte besser laufen können.



Auffällige Pfeile in Orange weisen vor der Kaiser-Joseph-Straße 215 den Weg ins erste Obergeschoss, in einen großen, lichtdurchfluteten Raum. Er ist durch Spanplatten unterteilt, so werden Zimmer angedeutet: WG-Zimmer. Denn eigentlich soll die hier befindliche Ausstellung das Zusammenleben und die Lebensentwürfe von jungen Leuten aus vier verschiedenen Kulturen symbolisieren, für die jeweils stellvertretend die Partnerstädte Freiburg, Isfahan, Madison und Matsuyama stehen.


"Der Gedanke kam uns, weil auch wir bald mit dem Studium fertig sind und uns dann überlegen müssen, wie unsere eigenen Pläne aussehen", erklärt Oliver die Idee hinter dem Konzept. "Und weil wir selbst viel reisen, wollten wir diese Frage mit interkulturellem Ansatz verknüpfen." Jeder Raum steht daher für ein Land und einen fiktiven WG-Mitbewohner, in dem sich die jeweilige Kultur widerspiegeln soll. Im Fall Freiburg ist der Charakter auch in einer Skulptur verbildlicht worden. "Rosa" heißt sie: jung, Studentin, Musik hörend.



Ausgestattet wurden die Räume von fast 30 Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum, Japan, USA und Iran. Einige wurden extra eingeflogen, japanische und iranische Künstlerinnen waren bis zu vier Wochen lang zu Besuch. Andere haben ihre Werke auch einfach eingeschickt. Nur eine Woche war vor Ausstellungsbeginn Zeit, die Räume zu dekorieren, herausgekommen sind eher spärlich bestückte Zimmer mit Fotografien, Wandmalereien, Skulpturen.



Einzelstücke sind es zumeist; ein roter Faden, an dem das Thema der Ausstellung abzulesen wäre, ist nur spärlich zu finden. "Die Zusammenarbeit der Künstler hätte ich mir intensiver gewünscht", sagt Oliver, "auch die Idee der fiktiven Charaktere wurde nicht so umgesetzt, wie wir das geplant hatten. Allgemein hätten wir wohl mehr Zeit und Leute gebraucht für so ein großes Projekt."

Obwohl einiges durch Zeitdruck und auch Kommunikationsprobleme Stückwerk geblieben ist, zeigen sich Oliver und Robin mit dem Verlauf der Ausstellung zufrieden, die am 6. Juni begonnen hat. Zwischen 30 und 60 Besucher seien täglich gekommen, im Vorfeld konnten viele Sponsoren - unter anderem Planetopia und das Freiburger Kulturamt - gewonnen werden. "So ein kulturelles Projekt ist immer gut fürs Image", erklärt sich Oliver den Erfolg bei der Suche nach Unterstützung. Bereits vor Jahren haben er und Robin den kleinen gemeinnützigen Verein "Artoholics" gegründet, der sich neben kulturellen auch sozialen Themen widmet - etwa der Organisation von Workshops für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien in Vauban.



Die Planungen für die Ausstellung haben viel Zeit in Anspruch genommen: Seit November vergangenen Jahres haben die beiden Freunde an dem Konzept gefeilt, Künstler kontaktiert, Sponsoren gesucht, Flyer und Plakate gedruckt, und sind nun im Mai sogar selbst nach Isfahan geflogen. Aus der Stadt haben sie starke Eindrücke mitgenommen: "Es ist wunderschön da", sagt Oliver, "aber die Leute wollen raus aus dem Iran. Sie fühlen sich gefangen in ihrem Land."

Eine Soziologie-Studentin hat 400 junge Iraner dort zu ihrem Verhältnis zum eigenen Staat und ihren Vorstellungen von anderen Ländern befragt. Die Ergebnisse hängen nun als Statistiken im Isfahan-Zimmer der Kultur-WG, die mit Finissage und Abriss-Party am Samstag, 5. Juli zu Ende gehen wird.



Zuvor soll das Leitthema der Ausstellung aber bei einer weiteren Veranstaltung noch einmal aufgegriffen werden: Heute Abend finden im Jazzhaus ab 18 Uhr die "Wohnzimmergespräche" statt, eine Podiumsdiskussion rund um die Frage "Wie lebt die junge Generation unterschiedlicher Kulturkreise?" Der Journalist Benno Stieber wird sie gemeinsam mit den Initiatoren von "global generation", Mitwirkenden des Films "Football under cover" - ein mehrfach ausgezeichneter Streifen über die iranische Damen-Fußballnationalmannschaft -, und dem Soziologen Christian Ofenheusle erörtern. Der Eintritt ist frei.

Mehr dazu:

Web: global generation

Was: Wohnzimmergespräche - global generation
Wann: Heute, 2. Juli, 18 Uhr
Wo: Jazzhaus
Eintritt: frei