Kultiger Regio-Hiphop: Qult im Harmonie-Keller

Dennis Wiesch

Im Harmonie-Keller fanden in letzter Zeit erstaunlich viele gute Hiphop-Acts statt. So auch am Samstag, als die Kopfnick-Kombo Qult ihr neues Album "Status" vorstellte. Das lief eigentlich ganz super - wenn nicht eine Krankheit namens Rückkopplung ausgebrochen wäre.



Gegen halb zwei betritt endlich die Vorband die kleine Bühne des gut gefüllten Gewölbekellers. MC Baya und Tom Kingue plus zwei weiteren MCs legen direkt los wie die Feuerwehr, springen auf und ab und fordern auch gleich alle Anwesenden auf, ihre Hände in die Luft zu werfen. In ihrer 20-minütigen Performance bleibt kaum Zeit zum Luft holen, denn die vier MCs verlangen den Zuschauern mit ihrem französischen und sehr dominanten Sprechgesang alles ab und ziehen ihre energiegeladene Show ohne Pause durch.


Einzig enttäuschend ist schon hier, dass der Sound nicht gut abgemischt ist. Die Raps der vier Franzosen sind viel zu laut, die Beats und Sounds des DJs hingegen nur schwer zu hören. Der guten Stimmung tut dies glücklicherweise keinen Abbruch.



Dann: YuQan,  FoQus, RoQit und JoQer alias Qult. Der Club ist nun richtig voll, die Vorfreude bei Band und Publikum groß. Alle sind hier: Street Kids, Freizeit-Hiphopper, Homies, Fans und natürlich die üblichen Heads.

Den Anfang machen zwei Songs des neuen Albums, „Qarpe Diem“ und „Weg durch die Hölle“. Die Band, bestehend aus Musikern der Jazz- und Rockschule, bildet ein druckvolles Rhythmuskorsett, schlägt auch mal rockige Klänge an und lässt die Reime der vier Jungs voll zur Geltung kommen. Die Menge bounct und feiert die neuen Albumtracks euphorisch. Wirken die vier Qs zu Beginn noch leicht verunsichert, bringt das positive Feedback der Crowd auf die neuen Tracks die nötige Selbstsicherheit. Mit viel Energie und Spaß an der Freude sorgen die vier Rapper für beste Stimmung - der Funke springt voll über.

Dann, urplötzlich, ein Gitarrenakkord, der wie der Beginn von „(You Gotta) Fight For Your Right (To Party)“ von den Beastie Boys klingt; scheint aber nur ein kleiner Gag zu sein. Was nun folgt, ist „La Familia“, die Hitsingle aus dem neuen Album. Die Menge ist voll am Start, tanzt, hüpft, springt und singt mit. Spätestens hier macht sich der Einsatz von Musikern voll bezahlt. Die Band zeigt das große musikalische Spektrum von Qult auf, was durch den Einsatz von Turntables und Beats vom Band ganz anders rüber gekommen wäre.



Der Gig begeistert durch eine gelungene Dramaturgie. Auf spannungsgeladene Rapsongs folgen im Mittelteil zwei ruhigere Stücke, die fast schon als Ballade durchgehen. Ein entspanntes Blues-Lick des Gitarristen sorgt für die nötige Atmosphäre, die im Song „Würde der Liebe“ voll zur Geltung kommt. Dieses sehr lyrische Lied wird bestimmt durch die einprägsame Textzeile „Nichts kann die Liebe ersetzen“.

In der Menge wird zustimmend genickt und geschwoft und ich werde Zeuge, wie genau jetzt und hier ein Zustand allgemeiner Glückseligkeit einsetzt. Qult nutzt diesen Moment, um ihre Begleitband vorzustellen und den Musikern ein wenig Raum für kleine Soli zu geben. Nach knapp einer Stunde und zehn Songs verlässt die Band unter großem Applaus und Jubel die Bühne und übergibt das Zepter an DJ Anditablez, der mit ähnlicher Energie der Crowd weiter einheizt.



Einziger Dämpfer eines sonst sehr gelungenen Konzerts sind konstant schrille Rückkopplungen. Die Soundprobleme scheint der ungünstig positionierte Tontechniker nie in den Griff zu bekommen, was allerdings auch den schlechten akustischen Bedingungen in dem Gewölbekeller geschuldet ist. Gerade die Stimme von FoQus kommt kaum zur Geltung, sobald die Lautstärke seines Mikros aufgedreht wird, kreischt es erneut ohrenbetäubend aus den Boxen. Diese Location ist höchstens für Unplugged-Konzerte geeignet.

Alles in allem aber eine gelungene Releaseparty, die hoffentlich für prächtige Absatzzahlen des neuen Albums sorgt. Der Einsatz einer Band war eine hervorragende Idee und zeigt eindrucksvoll, dass Qult unbedingt zu Freiburgs Hiphop-Elite gezählt werden muss.