Kultige Beach-Party in Freiamt: Der Organisator zieht sich zurück

Patrik Müller

Die Beachparty in Freiamt ist ein legendäres Dorffest - ein Kinder- oder gar ein Sauffest sei sie aber nicht, sagt Veranstalter Andreas Eckermann, der jetzt aus dem Team ausscheidet. Wie es mit der Kult-gewordenen Veranstaltung nun weitergeht:



Die Beach-Party in Freiamt verliert ihren Organisator: Andreas Eckermann zieht sich zurück, in Zukunft soll sich ein vierköpfiges Team aus Vorstandsmitgliedern des SC Freiamt um das Fest kümmern. Patrik Müller sprach mit Eckermann – und erfuhr, warum die Beach-Party in Emmendingen nicht funktionieren würde.


fudder: Herr Eckermann, ich konfrontiere Sie mal mit drei Vorurteilen, die ich irgendwann irgendwo gehört habe. Erstens: Die Beach-Party ist ein Sauffest.

Eckermann: Nein. Als ich das erste Mal auf der Beach-Party war, hatte ich mit der Organisation noch nichts zu tun. Ich war nicht betrunken, als ich nach Hause kam – es war die Party des Jahres. Ein Sauffest ist ein Fest, wo nichts geboten wird und den Leuten außer Trinken nichts bleibt. Auf der Beach-Party gibt es tolle Künstler, eine Gogoshow, wir hatten auch schon mal Bungee-Jumping – alles Sachen, die dazu beitragen, dass auch die Fahrer immer Spaß hatten.

Zweitens: Die Beach-Party ist ein Kinderfest.

Ich starte auf der Webseite immer eine kleine Umfrage, wir nehmen dieses Feedback sehr ernst. Deshalb weiß ich, dass der Altersschnitt im letzten Jahr bei 22,6 lag. Der Anteil der Besucher unter 18 lag bei 12 Prozent. Das wissen wir so genau, weil sie um Mitternacht raus müssen und andere Eintrittsbändchen bekommen. Leute unter 16 durften eh nie auf das Gelände. In Sachen Jugendschutz waren wir immer streng – auch wenn es nicht einfach war, den Nachbarn zu erklären, dass ihr Sohn nicht auf die Beach-Party darf, weil er erst 15 ist.

Drittes Klischee: Die Beach-Party ist ein Dorffest.

Ja. Das ist sie. Aber sie ist ein großes Dorffest. Und das finde ich ziemlich cool. Ich finde, man kann die Beach-Party ein bisschen mit dem Bombacher Weinfest vergleichen: Das findet auch in einem kleinen Dorf statt, es ist ländlich – aber trotzdem wissen die Leute in Freiburg, wo Bombach liegt. Für Freiamt ist die Beach-Party ein Juwel – die Party hat den Ort auch unter Jugendlichen bekannt gemacht. Und ganz viele Teenies in der Gegend sagen: Ich freue mich darauf, 16 zu werden, weil ich dann endlich auf die Beach-Party darf.

Beach-Partys gibt es viele. Warum ist eigentlich gerade die in Freiamt so groß geworden?

Die Freiämter – ich muss ja mittlerweile die Freiämter sagen, ich wohne ja in Endingen – haben ein Händchen, so etwas zu organisieren. Die können feiern. Das heißt nicht, dass andere das nicht auch können. Aber wie will ich eine Beach-Party in dieser Größe in Emmendingen veranstalten, wo sich jeder zweite Anwohner über Lärm beklagt? Man sieht das ja am Schlossplatz. Diese Gefahr habe ich in Freiamt nicht. Zum einen, weil es weniger Anwohner gibt. Zum anderen, weil die das unterstützen. Die sagen ganz offen: Die Beach-Party findet nur einmal im Jahr statt, den jungen Leuten macht das Spaß, es bringt Freiamt Bekanntheit. Und, das darf man nicht vergessen: Ausrichter ist ein einheimischer Verein.

Hätte eine kommerzielle Event-Agentur die Beach-Party organisieren können?

Nein. Die Helfer sind das wichtigste, das kann so nur ein Verein stemmen. Wir hatten auf der Beach-Party am Ende 200 Helfer – wenn man denen auch nur den Mindestlohn zahlt, schreibt man rote Zahlen.

Sie waren elf Jahre als Organisator mit dabei. Welche Beach-Party war die beste?

Das war die im Jahr 2009. Es war die letzte Miss-Beach-Party-Wahl, es war eine Best-Of-Wahl, wir hatten mehrere frühere Siegerinnen da. Die Hütte war voll, 6000 Besucher waren da – wir haben erst danach beschlossen, aus Sicherheitsgründen nur noch 4000 Karten zu verkaufen. Wir hatten Dominik Büchele aus Kappel da, der damals gerade bei DSDS dabei war, bei Deutschland Sucht den Superstar – und Daniel Schumacher. Den kennen heute nicht mehr so viele, der hat DSDS damals gewonnen. Das muss man sich mal vorstellen: Wir hatten die damalige Nummer eins der Single Charts in Freiamt – das war unglaublich.

Die schlechteste?

Gibt es nicht. Der SC Freiamt hat es geschafft, mit der Beach Party von 150 Besuchern im ersten Jahr auf 6000 zu kommen – das ist einfach eine wahnsinnige Leistung...

Sie sind mit 21 in die Beach-Party-Organisation eingestiegen, quasi damit erwachsen geworden. Was haben Sie dabei fürs Leben gelernt?

Dass man sich nicht täuschen lassen darf: Von Künstlern, die sagen, ich bin gut und will kostenlos auftreten. Von Pseudo-Pressevertretern, die zwei Tage vorher anrufen, kostenlos rein wollen und sagen, dass sie für die Mallorca-Zeitung schreiben. Und von Typen, die erzählen, dass sie mit einem aufstrebenden Model aus Denzlingen unterwegs sind und Karten für den Backstagebereich wollen – ohne zu zahlen natürlich.

Mickie Krause, Loona, Jürgen Milski: Sie hatten jede Menge Künstler da. Mal ehrlich: Wie stressig waren die?

Die waren nett und sehr professionell. Anders war es manchmal mit den Teilnehmerinnen bei der Miss-Beach-Party-Wahl. Da waren echte Spezialistinnen dabei. Eine hat sich mal beworben und gesagt, sie nimmt gerne an der Wahl teil – aber nur, wenn sie gewinnt und eine Gage von 2000 Euro bekommt. Wir haben sie nicht eingeladen. Es gab aber auch schöne Erlebnisse: Einmal war Micaela Schäfer dabei, die durch Germany’s Next Topmodel und später durch das Dschungelcamp bekannt wurde. Die hat mir hinterher erzählt, dass sie fast aus dem Auto gesprungen wäre, als sie von Riegel nach Freiamt hochgefahren ist und die erste Kuh auf der Weide gesehen hat. Später hat sie dann gesagt, dass die Beach-Party besser organisiert war als Germany’s Next Top Model. So etwas haben wir ziemlich oft gehört.

Gibt es einen Künstler, den sie immer holen wollten, aber nie bekommen haben?

Ja. Ich wollte seit 2005, warum auch immer, Oliver Pocher holen. Ich hatte die Idee, dass er die Misswahl moderiert. Zuerst haben wir ihn nicht angefragt, weil wir dachten, er wäre zu teuer. Ein paar Jahre später haben wir gemerkt, dass er preislich nicht uninteressant wäre. Wir haben es trotzdem verworfen: Ich habe auf unserer Webseite eine Umfrage gemacht – der Anteil der Leute, die Pocher haben wollten, war nicht groß genug. Und dann muss ich einsehen, dass ich mit 32 vielleicht doch zu alt bin.

A propos – wie lange gehen Sie eigentlich noch?

Die Beach-Party ist wie ein Kind, das man aufgezogen hat. Es interessiert mich, wie es weitergeht. In diesem Jahr stehe ich für meine Nachfolger noch als Ansprechpartner zur Verfügung. Wie es danach wird, weiß ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass ich vielleicht an einem Stand stehe und helfe – oder an der Kasse sitze. Vielleicht genieße ich es auch, nichts zu tun und mir alles bei einem Bierchen anzuschauen, ohne Verantwortung.

Was wäre der größte Fehler, den Ihre Nachfolger machen können?

Sie dürfen auf keinen Fall sagen: Die Beach-Party läuft, die Leute kommen sowieso. Das wäre der Anfang vom Ende. Wir hatten am Ende zwar immer um die 4000 Besucher, das war aber viel Arbeit. Wenn man es laufen lässt, kommen nur noch 3000, dann 2000 und irgendwann gar keine Leute mehr. Man muss offen sein für neue Ideen – sonst wird es den Besuchern irgendwann langweilig.  

Zu Andreas Eckermann

Andreas Eckermann ist 32 und lebt seit fünf Jahren in Endingen. Er arbeitet als Verkaufsleiter in Bad Krozingen und will sich verstärkt um seine Familie und sein Bachelor- und Masterstudium in Betriebswirtschaft kümmern.

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