Der Sonntag

Kunst-Installation

Künstler hängt 13 Gitarren in Freiburger Baum – und könnte Ärger bekommen

Jens Kitzler

Ökkes Yildirim hat 13 Gitarren an einen Baum im Freiburger Stadtwald gehängt. Zum Stadtjubiläum sollen es gar 900 werden. Doch jetzt hat er vielleicht schon sein erstes Problem mit einem Amt.

Dreizehn Gitarren in einem Baum? Ein surreales Bild. Kunst, natürlich. Oder doch Gedenken für einen Verstorbenen Musiker? Oder war hier derjenige tätig, der vor einer Weile nicht weit weg einen Rettungsring auf einen Baum drapiert hatte? Die Freiburger spekulierten eifrig in den Tagen, als Anfang März auf einem Waldweg zwischen den Stadtteilen Wiehre und Günterstal plötzlich die Installation auftauchte. Wer Google anwarf, fand weitere Inspiration. Ja, in Düsseldorf hatte das vor acht Jahren auch mal jemand gemacht und mit Schuhen im Baum gab’s das ebenfalls irgendwo. In Freiburg waren die Gitarren einige Tage später wieder verschwunden. Alle Fragen blieben offen.


In Düsseldorf hängte Ökkes 208 Gitarren auf

Bis beim Sonntag das Telefon klingelt. "Es sollte ein Geschenk sein", sagt Ökkes Yildirim kurze Zeit später, als er mitsamt Hund Pamuk zum Gespräch in einem Café lädt. "Ein Geschenk für die Freiburger". Deren offene Art gefiel ihm, sagt Yildirim, der seit einigen Monaten selbst ein zeitweiser Freiburger ist. Eigentlich kommt er aus Düsseldorf und ja, tatsächlich ist der Gitarrenbaumkünstler von Freiburg auch derjenige, der 2011 im Rheinland Gitarren aufhängte, damals allerdings gleich 208 Stück. "Bäume sind meine Leinwand", sagt der 41-jährige.

Trotzdem ist es nicht so, dass er seitdem mit seiner Idee von Stadt zu Stadt zieht, und jetzt eben Freiburg dran war. Nein, die Geschichte, die er erzählt, geht anders. Bis 2017 betrieb Yildirim, der als Kind mit seinen Eltern als Asylbewerber nach Deutschland kam, in Düsseldorfs Stadtteil Oberbilk einen Kiosk, "aufgebaut auf Kunst und Kultur, mit Konzerten und Vorträgen". Dann ereigneten sich Schicksalsschläge und er beschloss, nach 15 Jahren einen Schnitt und das Büdchen dicht zu machen. Es folgte eine Reise zu Fuß den Rhein entlang gen Süden, "auf der Suche nach mir selbst", wie er sagt. "Die einen machen den Jakobsweg, ich bin den Rhein entlang gelaufen". Dabei kam er schließlich auch in Freiburg vorbei und lernte dort eine Frau kennen, die nun seine Freundin ist.

Eine Gitarre hat im Schnitt 20 Euro gekostet

So kam es, dass Freiburg in den Genuss des ersten Gitarrenbaums seit Düsseldorf kam. Wie hat er das angestellt? Die Gitarren habe er bei Ebay gekauft, "im Schnitt für 20 Euro". Dann sei er auf den Baum geklettert, dreizehn mal, mit jeder Gitarre einzeln, erklärt er. Haarsträubend, das erste Instrument hing auf acht Meter Höhe, die weiteren weit jenseits der 20-Meter-Marke. Wie traut man sich sowas? "Ich bin Kurde", sagt Ökkes Yildirim, als sei das eine anerkannt logische Erklärung, und lacht.

Wieder runtergekommen sind die Gitarren weniger abenteuerlich, erfährt der Sonntag nach einem Anruf bei der Stadt – und so muss man Ökkes Yildirim erklären, dass seine Aktion nicht nur Freunde fand. Das Forstamt hat die Instrumente entfernt, mit einem Hubsteiger. Nicht genehmigt und zu gefährlich, so die Begründung, die Gitarren könnten jemandem auf den Kopf fallen. Nicht auszuschließen, dass das Amt jetzt versuchen wird, dem Künstler die Rechnung zuzustellen. Ganz glauben will Yildirim das noch nicht. "Man verfolgt mich, weil ich Gitarren in einen Baum gehängt habe"? Nicht sein Verständnis von künstlerischer Freiheit.

Das Freiburger Forstamt hat die Gitarren abgehängt – zu gefährlich

Er möchte eigentlich zusammen mit der Stadt, mit Künstlern, mit Bürgern noch ganz andere, schöne Dinge erreichen. Seine Fähigkeiten als Bildhauer anbieten und Aufträge annehmen beispielsweise. Sein wohl einfachstes Anliegen, das nächste nämlich wird schon anspruchsvoller: Per Brief will er Oberbürgermeister Martin Horn ansprechen: "Ich möchte 21 Hektar Land, das niemand braucht, irgendwo in der Natur, für einen Kunstpark."

Etwas wie das Freiland-Kunstmuseum "Insel Hombroich" bei Neuss schwebt ihm vor. Und dann nahe ja das Stadtjubiläum im Jahr 2020. Dann wird Freiburg 900 Jahre alt und was fällt dem Düsseldorfer Künstler da natürlich ein? "Ich möchte da 900 Gitarren in den Bäumen der Stadt aufhängen. Und dann mit 900 Gitarre spielenden Bürgern auf dem Platz der Alten Synagoge einen Song spielen." Die Anmeldefrist für Jubiläumsveranstaltungen ist eigentlich schon verstrichen, aber solche formalen Barrieren schrecken Yildirim natürlich nicht. "Kunst kann niemand bändigen", sagt er.