Krummer Penis - was nun?

Adrian Hoffmann

Diese Vortrags-Ankündigung fällt wirklich fast jedem auf, selbst wenn sie noch so versteckt wäre unter den Plakaten an Freiburgs Straßenbahnhaltestellen: Krummer Penis - was nun? Dr. Christian Leiber, Oberarzt der Uniklinik-Abteilung Urologie, referiert am Mittwoch, 29. März, 19.30 Uhr, im Großen Hörsaal der Chirurgie über dieses ungewöhnliche Thema.





Krummer Penis - was nun?

Dr. Christian Leiber: Dieser Titel ist schon ausgefallen und wahrscheinlich werbewirksam, ich weiß selbst nicht so recht, was ich davon halten soll. Die Presseabteilung fand das ganz toll. Ich bin auch schon von sehr vielen Leuten darauf angesprochen worden.

Um was geht es denn genau in Ihrem Vortrag?

Dr. Christian Leiber: Es geht um die Penisverkrümmungen, die für den betroffenen Mann einen Krankheitswert haben. In der Regel stellen Verkrümmungen von weniger als 30 Grad kein mechanisches, sondern allenfalls ein kosmetisches Problem dar. So wie viele Menschen mit der Größe und Form ihrer Nase ein Problem haben, gibt es auch Männer, die mit dem Aussehen ihres Penis unzufrieden sind. Der Vortrag behandelt vor allem Verkrümmungen von mehr als 30 Grad, die in aller Regel zu Problemen beim Patienten und, oder seiner Partnerin führen. Die heute üblichen konservativen und operativen Behandlungsmöglichkeiten werden vorgestellt.

Wie bekommt man denn einen krummen Penis?

Dr. Christian Leiber: Es gibt zwei Arten der Verkrümmung. Zum einen die angeborene Verkrümmung, was vor allem junge Menschen betrifft. Durch ein unterschiedliches Längenwachstum der Schwellkörper liegt hier meistens eine seitliche Verkrümmung vor. Und zum zweiten gibt es die Penisverkrümmung als Bindegewebserkrankung, was dann ältere Menschen betrifft.

Wie viele Männer leiden unter einer Penisverkrümmung?

Dr. Christian Leiber: Dazu kursieren verschiedene Zahlen. Die einen sagen, es seien ein Prozent aller Männer, andere reden von zehn bis fünfzehn Prozent. Aus meiner klinischen Erfahrung entspricht die erste Angabe wohl der Realität, denn ich sehe pro Woche ungefähr ein bis zwei neue Patienten mit einer Penisverkrümmung.

Was kann man dagegen tun?

Dr. Christian Leiber: Am meisten Erfolg verspricht eine operative Korrektur. Manchen der Patienten rate ich davon ab, denn bei einigen ist die Verkrümmung gar nicht so stark, dass man etwas tun müsste.

Dieser Vortrag gehört ja zur Reihe “Urologie informiert!” Was steckt da dahinter?

Dr. Christian Leiber: Es ist ein Thema, das woanders nicht so ausführlich behandelt wird. Wir wollen Informationen für die Öffentlichkeit bieten - und zwar aus erster Hand. Es geht um Aufklärung. Außerdem sind viele Informationsquellen, zum Beispiel aus dem Internet, nicht seriös. Wir sind auch gerade dabei, uns weitere Themen für die Reihe zu überlegen. Nierensteine werden sicherlich dazu gehören, die Reizblase, Hodenhochstand, Prostata.

Haben die Leute keine Hemmschwelle, zu einem Ihrer Vorträge zu kommen?

Dr. Christian Leiber: Es gibt sie wahrscheinlich schon, aber es ist ja nicht so, dass jeder, der im Hörsaal sitzt, einen krummen Penis hat. Außerdem sind immer auch viele Frauen unter den Zuhörern. Und der Hörsaal, der ist die letzten Male immer richtig voll gewesen. Wer wirklich ein Problem hat, der muss sich ja nicht vor allen offen outen, da würde wohl schon ein gewisses Selbstbewusststein dazugehören, aber der kann ja danach im persönlichen Gespräch nähere Informationen bekommen oder auch gleich einen Termin für unsere Urologische Hochschulambulanz mit mir ausmachen.