Kriminalstatistik 2010: Freiburg immer noch kriminellste Stadt im Land

Manuel Lorenz

Heute hat die Polizeidirektion Freiburg im Rahmen einer Pressekonferenz die Kriminalstatistik für das Jahr 2010 veröffentlicht. Während in Baden-Württemberg die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten insgesamt leicht sank, stieg sie in Freiburg deutlich an. Damit bleibt Freiburg auch weiterhin die kriminellste Stadt im Land.



Wie in den Vorjahren führte Freiburg 2010 die Kriminalstatistik in Baden-Württemberg an. "Es gab im vergangenen Jahr keine herausragenden Ereignisse", so Heiner Amann, Leiter der Polizeidirektion Freiburg. "Deswegen hatten wir uns im Vorfeld gefragt, ob wir überhaupt eine Pressekonferenz veranstalten sollten", sagte Amann heute Mittag halb scherzhaft.


Bei der hohen Kriminalitätsrate würde es sich übrigens zu 40 Prozent um sogenannte importierte Kriminalität handeln, was mit der Sogwirkung Freiburgs auf die umliegende Region und das angrenzende Ausland zu tun habe. "Damit wollen wir nicht relativieren," sagt Amann, "sondern einfach nur klarstellen, dass der Freiburger Bürger nicht krimineller ist als jeder andere auch."

In der Stadt Freiburg wurden letztes Jahr 888 Straftaten mehr registriert als 2009 (+3,6 Prozent). Dafür war die Aufklärungsquote so hoch wie nie zuvor: 59,4 Prozent. Und das trotz gleichbleibender Personalzahl und größerer Belastung durch Großereignisse wie dem deutsch-französischen Gipfel.

Es wurde weniger gestohlen (-4,4 Prozent) und eingebrochen (-37,8 Prozent), und auch die Anzahl der Körperverletzunen ging zurück (-3,3 Prozent). Dafür nahmen Vermögens- und Fälschungsdelikte um 140 Fälle (+2,9 Prozent) und die Rauschgiftkriminalität um 113 Fälle (+10,1 Prozent) zu.

Die registrierte Zunahme der Rauschgiftkriminalität ist dabei auch damit zu erklären, dass ein neuerlicher Schwerpunkt auf die Aufklärung derartiger Delikte gesetzt wurde. "Uns ist die Arbeit in diesem Bereich vor allem deswegen so wichtig, weil wir von der Sozialschädlichkeit der Rauschgiftkriminalität überzeugt sind," sagt Amann.



Was die Gewaltdelikte angeht, überrascht nicht, dass diese in der Altstadt überproportional häufig auftraten (31,3 Prozent). Innerhalb dieses Bezirks kam es aber seltener zu jenen Vergehen (-2,4 Prozent). Hier anhand der Statistiken Rückschlüsse auf die Situation im besagten Stadtteil zu ziehen, sei allerdings schwierig, so Amann. Die lange Bearbeitungszeit vieler Fälle von bis zu sieben Monaten würde das Bild verfälschen. Schuld daran sei, dass die Ermittlungen durch verschiedene Faktoren erschwert würde: So zum Beispiel wechselseitige Körperverletzung, Gruppengewalt und die Alkoholisierung von Tätern sowie Zeugen.

Es sei aber zu beobachten, sagt Amann, dass sich die Gewalt vom Bermuda-Dreieck weg bewege. Zu Gewalttaten komme es jetzt vermehrt auf dem Weg zum Wohnort, der Wohnung und zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, das heißt: vor allem Richtung Johanneskirche und untere Bertoldstraße.

Opfer von Straftaten wurden in Freiburg 2010 (bezogen auf den Bevölkerungsanteil) am häufigsten Menschen unter 21 Jahren, am seltensten jene über 60.



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  [Grafiken: Polizeidirektion Freiburg; Bild: Fotolia]