Krimi-Dinner im Dunkeln: Wo ist das Fleisch?

Anselm Müller

Beim "Dinner im Dunkeln à la crime" in der Zille-Stube wird im Dunkeln gegessen und zugleich ein Theaterstück gespielt: Ein Erlebnis für Geschmacksnerven und Hörsinn und eine Herausforderung für Kleidung und Geduld des Essenden. Anselm erklärt, wie so ein Dinner abläuft.



Vorspeise: Fingerfood

Bevor man als Gast den vollkommen abgedunkelten Gastraum des Zille betritt, wird man über den Ablauf des "Dinner im Dunkeln à la Crime" informiert. Bedient, hereingeführt und auf die Toiletten gebracht (!), wird man als Gast von zwei sehbehinderten Bedienungen, Marcia und Eva.

Im Gastraum versteht man dann zum ersten Mal, was es heißt schwarz zu sehen. Es ist wirklich dunkel. Man kann weder die eigene Hand, noch den Teller, geschweige denn das eigene Glas sehen. Den Auftakt des Menues macht eine Vorspeise. Zur Eingewöhnung besteht diese aus Fingerfood und ist also nicht allzu schwer zu essen. Was genau als erster Gang serviert wird, soll natürlich nicht verraten werden.



Hauptspeise: Ist das eine Tomate?

War die Vorspeise noch kein Problem, so wird das Hauptgericht zu einer echten Herausforderung: Im Dunkeln mit Messer und Gabel zu essen, ist sehr viel schwieriger, als man annehmen sollte. Man weiß nicht, was es zu essen gibt ("Ist das eine Tomate?") und wo es ist ("Verdammt schon wieder finde ich mein Fleisch nicht!"), und das Schneiden des Essens sowie das erfolgreiche Verfrachten des Geschnittenen auf die Gabel und in den Mund sind wirklich schwierig. Doch die Anstrengung lohnt sich: Das Essen schmeckt sehr gut und ist seinen Preis auf jeden Fall wert.

Zuerst ganz schön im Dunkeln rum, umso mehr man gegessen hat umso schwieriger wird die Essensuche. Doch ist der Essengenuss  dabei ein vollkommen anderer. Oberflächen von Obst oder Gemüse nimmt man vollkommen anders wahr. Sobald ich eine Sache in den Mund gesteckt hatte, war ich überrascht, daß es sich um eine Tomate handelte, obwohl ich etwas vollkommen anderes vermutet hatte. Dieses Spiel macht auf jeden Fall Lust auf mehr.

Nachtisch: Verdammt wie kann man Eis im Dunkeln essen


Der Nachtisch ist dann wieder ein bisschen einfacher: Eis im Dunkeln zu essen und sich dabei nicht, wie ich, insgesamt 15 bis 20 Mal einen leeren Löffel in den Mund zu schieben, ist allerdings sehr schweißtreibend.



Als Beilage: Theater

Zwei verschiedene Stücke bieten die Mordsdamen beim Krimi-Dinner. Ich habe die Krimikomödie "Wo ist Knut?" miterlebt. Ein Theaterstück im Dunkeln lebt vor allem von der Interaktion zwischen Publikum und Schauspieler: Man wird berührt und bekommt Gegenstände in die Hand gedrückt, was wirklich sehr lustig sein kann. Am besten einfach mitmachen.

Auf jeden Fall ist ein Dinner im Dunkeln eine wunderbare Abwechslung zu 0815-Restaurantbesuchen. Wer keine Angst hat seine Kleider mit etwas Sauce oder Eis zu beglücken, sollte es auf jeden Fall ausprobieren.

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Tipps:

  • Das Glas beim Essen immer auf die Position 12 Uhr stellen, dann findet man es am besten wieder und wirfst es nicht aus versehen um;
  • Versucht in normaler Lautstärke miteinader zu reden. Es ist erstaunlich, aber Sehende fangen im Dunkeln an, sehr laut zu reden, was sehr anstrengend sein kann.

Die Krimi-Dinner im Dunkeln finden jeden Sonntagabend um 19 Uhr in der Zille-Stube in der Kartäuserstraße statt.  Das Theaterprogramm machen dabei die Mordsdamen. Der Spaß kostet 41 € pro Person, man sollte mindestens drei Wochen vorher Plätze reservieren. Auf Essensvorlieben (Fleisch, Fisch, Vegetarisch) und Lebensmittelallergien wird beim Menu Rücksicht genommen.