Kreissäge: Neue Musik aus dem Rockrainer-Universum

Alexander Ochs

Die Säge kreist und kreißt: Kreissäge heißt ein neues Elektroprojekt des frisch gegründeten hiesigen Labels Rummelplatzmusik: Heute gibt's die erste Veröffentlichung. fudder-Alex hat sich mit K. von Kreissäge alias Sandro De Lorenzo unterhalten.



Sandro, habt ihr einen 3D-Kopierer?

Sandro De Lorenzo: (lacht) Wieso?

Naja, wenn man sich dich und deine Mitstreiter so anschaut, hat man den Eindruck, ihr vervielfältigt euch gerade: Ihr habt die Projekte Rockrainer, Kuschelrockrainer, Supergaul – und jetzt noch Kreissäge.

(lacht) Wir haben ja sehr viele unterschiedliche Stile und Sachen gemacht, sodass keiner mehr richtig wusste, was wir genau machen. Man kann uns nicht klar einordnen. Man braucht eine klare Zuordnung, um Erfolg haben zu können. Deshalb haben wir uns schizomäßig aufgesplittet: Rockrainer machen leicht hiphoppigen Elektropop, Kuschelrockrainer machen analogen Akustikpop, das ist die ehemalige Liveband quasi unplugged, und Supergaul machen einfach grenzwertigen Trash.

Wie würdest du die Musik von Kreissäge einem tauben Menschen beschreiben?

Es ist ein Bekenntnis zur Abstraktion. Elektronisches existenzielles Geschrei könnte man sagen. Genauer: Man kann die Musik fühlen, sie geht derb in den Magen. Es drückt und schiebt, weil der Bass immer sehr präsent ist. 'Schreiend grau' haben wir das mal genannt.

Wer oder was steckt hinter Kreissäge?

Dahinter stecken ziemlich viele Leute: Jedes Lied hat einen anderen Produzenten bezeihungsweise Komponisten, zum Beispiel Breakpete aus Denzlingen/Freiburg, einer kommt aus Berlin, einer aus Ludwigsburg, einer aus Dresden. Sarah Danzeisen und ich als unsere Alter Egos K. und S. machen dazu einen Text und sind die Frontleute. So klingt trotzdem alles nach Kreissäge.

Oft versteht man ja beim Musikhören den Text gar nicht, das wollten wir mit Kreissäge auf die Spitze treiben. Wir versuchen, mit extremen Metaphern etwas zu transportieren, das man nicht direkt verstehen kann, dass man aber trotzdem erfühlen kann. So kann jeder für sich einen ganz eigenen Zugang zu den Kreissäge-Songs kriegen.

Ihr habt seit kurzem euer eigenes Label Rummelplatzmusik am Start. Was hat es damit auf sich?

Das haben wir gegründet, um einfach Sachen selber veröffentlichen zu können. Das war ein unglaublich langer bürokratischer Weg. Die Kreissäge-EP „473 Tage ohne Schlaf“ ist die erste Veröffentlichung unseres Labels. In zwei Wochen bringen wir auf dem Label dann etwas ganz Anderes heraus: Trash-Pop-Kinderlieder. So können wir uns auf Künstler konzentrieren, die genau wie wir nicht so leicht einzuordnen sind.



Ihr habt sowohl in Berlin als auch in Friesenheim bei Lahr beziehungsweise in der Freiburger Gegend ein Standbein. Wie muss man sich das vorstellen?

Wir pendeln ja schon länger zwischen Berlin und Freiburg. Wir haben in Berlin den glücklichen Umstand, dass wir dort ein dichtes Netzwerk haben, eine große Bürogemeinschaft, unsere zweite Homebase. Einfacher ausgedrückt: In Freiburg haben wir unser Studio, die Akustik, in Berlin die Videotechnik.

Eins noch: Wie lange ist für euch der perfekte Song? Von den fünf Tracks auf eurer 20-minütigen Kreissäge-EP, die heute erscheint, liegen drei bei 3 Minuten 45 Sekunden...

Das hängt vom Kontext ab. Ich persönlich mag kurze Songs, zum Beispiel die typischen Drei-Minuten-Stücke im Radio beim Autofahren. Im Club dürfen es gerne etwas längere Tracks sein. Mit unserem Bassdruck und Existenzgeschrei haben wir eh keine Chance auf Radio-Airplay, da sind wir also frei von irgendwelchen Vorgaben. So ein Song darf nur nicht langweilig werden, und ab einer gewissen Zeit wird es das sonst. Ich bin auch ein Stück weit Fan von Adam Green, und der macht oft ganz kurze Songs, nur gut zwei Minuten lang.

Und was steht als nächstes an, wo kann man euch live erleben?

Premiere mit unserer Kreissäge-EP haben wir auf dem Invasion-Kulturfestival in Freiburg, am 27. Juli. Da spielen wir mit Rockrainer übrigens als unsere eigene Vorband. Im Herbst gehen wir dann mit Kreissäge auf Tour, wahrscheinlich im September, Oktober, November. Ein paar Termine sind schon fest.



Kreissäge - Kreissäge



Quelle: YouTube


Kreissäge - 473 Tage ohne Schlaf - EP Snippet

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[Fotos: Promo/Timmy Hargesheimer]