"Krass, wie viele Leute das ernst nehmen", Damian alias Mr. Q im Interview über seinen Freiburg-Berlin-Song

Felix Klingel

Mit seiner Song-Parodie eines Ur-Berliners in Freiburg hat Damian viele Leute zum Lachen gebracht – und einige verärgert. Im Interview mit fudder spricht er über Schwabenhass, die Kritik an seinem Song und wie er beim Bäcker ein Weckle bestellt.

Damian, wie bestellt du eigentlich ein Weckle beim Bäcker hier in Freiburg?

Damian: Ich sage Brötchen, das ist ein guter Kompromiss. Aber statt ’Guten Morgen’ sage ich immer noch ’Moin’ – eigentlich ein Hamburger Wort – aber in Berlin sagt man das ja auch.

Hast du inzwischen andere Worte oder Eigenheiten aus Freiburg übernommen?

Neulich habe ich zu einem Freund gesagt, ob wir uns hinhocken wollen. Das habe ich aber schnell zu hinsetzen korrigiert. Irgendwie bin ich damit sozialisiert, dass Süddeutschland spießig ist, was wie bei eigentlich allen vermeintlich repräsentativen Klischees so nicht stimmt, gerade bei Freiburg nicht. Aber ich versuche trotzdem als Kontrapunkt zu agieren und gehe auch mal in Jogginghose in die Uni.



Wirst du als Berliner in Freiburg erkannt?

Die Leute merken schon, dass ich nicht von hier bin. Aber ich spreche ja selbst kein Berlinerisch. Ich bin erst mit drei Jahren nach Berlin gezogen, deshalb bin ich nach Ur-Berliner-Beurteilung wahrscheinlich auch kein Bio-Berliner.

Dein Berlin-Freiburg-Video hat inzwischen ziemlich viele Klicks, hast du damit gerechnet?

Ne, irgendwie nicht. Ich dachte eigentlich, dass das Thema inzwischen ausgelutscht ist.

Der Song wird ja zwiespältig aufgenommen. Es gibt Leute, die es feiern, es gibt aber auch einige, die nicht darüber lachen können.

Ja, diese Reaktion hab ich schon erwartet. Aber nicht, dass es so heftig ist. Es ist aber spannend, wie emotional das Thema für viele Leute ist. Gerade, dass es auch Berliner zu beschäftigen scheint.

Kannst du über böse Kommentare lachen?

Über manche schon! Aber ich finde es krass, dass es so viele Leute so ernst nehmen. Ich trete im Song als rotziger Berliner auf, der sich über Schwaben und die Gentrifizierung aufregt. Aber die lächerliche Überspitzung dieser Kritik sollte doch eigentlich klar machen, dass ich die Weise, wie dieser Diskurs geführt wird, selber problematisch finde. Ich sag nur "Selleri-Stasi".

Trotzdem regen sich viele Leute darüber auf.

Es kommt in dem Song vielleicht auch nicht richtig raus, das muss ich mir ein bisschen ankreiden. Die Gentrifizierung ist voll das Problem in Berlin. Aber im Endeffekt wird mit den Schwaben ein Sündenbock dafür verantwortlich gemacht. Ich meine, dass so viele gut betuchtere Leute in die innenstadtnahen Bezirke kommen, hat unter anderem damit zu tun, dass die Stadt Berlin nicht genug dafür tut, um die Alt-Eingesessenen davor zu schützen. Mit effektiven Mietpreisbremsen etwa.

Kannst du diesen Schwabenhass, den du ja imitierst, dann ein bisschen nachvollziehen?

Ich kann sehr gut verstehen, dass das eine Wut in den Leuten auslöst. Das ist schon etwas, das gar nicht geht. Es gibt keine Durchmischung mehr. Aber es ist krass, wie dieser Schwabenmythos umhergeht. Es ist ja eigentlich ganz klar, dass das nicht alles Schwaben sind, sondern dass Leute aus allen Teilen Deutschlands nach Berlin kommen. 2009 gab es eine Plakataktion gegen Schwaben: "Wir sind ein Volk, ihr seid ein anderes". Das ist schon krass.

Hört sich an wie eine rechte Parole.

Ja, eigentlich ist das genau das gleiche Narrativ wie bei Flüchtlingen. Leute werden da für einen Missstand verantwortlich gemacht, für den sie nicht unbedingt etwas können. Bei Flüchtlingen ist es soziale Ungerechtigkeit, bei den Zugezogenen verfehlte Stadtentwicklungspolitik. Ich erlebe das in meinem eigenen Berliner Freundeskreis, der sich eher als links versteht. Da will man gegen Fremde keine Vorurteile haben, aber wenn’s dann um Schwaben geht, wird richtig auf die Kacke gehauen.

Warum glaubst du, dass es gerade die Schwaben in Berlin so erwischt?

Aus Berliner Sicht sind Schwaben gut am Akzent zu erkennen. Wobei ich Schwäbisch und Badisch selbst gar nicht auseinanderhalten kann. Aber man hört einfach, dass die Leute aus Baden-Württemberg kommen. Außerdem könnte es an der Mentalität liegen, die in Berlin ja eher locker und alternativ ist, während das Schwabenklischee ja eher das der Schaffer und Häuslebauer ist.

Für den klassischen Berliner sind alle aus Baden-Württemberg Schwaben?

Ja, da gibt es keinen Unterschied. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mich manchmal selber erwische, wie ich in Stereotypen denke. Wenn jemand dann richtig Badisch spricht, denke ich: Warum redet der nicht Hochdeutsch? Das muss ich selber bekämpfen. Das ist eine sozialisierte Abneigung gegen Dialekte – ziemlich bescheuert.

Kennst du einen guten Schwaben-Witz?

Nein, tatsächlich nicht!

Wann kommt der nächste Song von dir?

Ich habe noch zwei andere Lieder über das Thema gemacht. Bei den ganzen Kommentaren weiß ich nicht, ob ich das noch veröffentlichen will. Als Künstler soll man ja seine Kunst von der Person trennen – aber das ist gar nicht so einfach. Außerdem bin ich eigentlich kein Rapper. Das hört man ja. Ich schreibe lieber Texte.
Zur Person

Damian ist 22 Jahre alt und studiert in Freiburg. Vor gut eineinhalb Jahren ist er zum Studium von Berlin nach Freiburg gezogen. Mit dem Song "Ein Ur-Berliner in Freiburg" ist er zum Stadtgespräch geworden.

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