Kostenlose Tanzkurse für Flüchtlinge: 5 Fragen an Matthias Blattman von der Tanzschule Gutmann

Lisa Waldvogel

Die Tanzschule Gutmann bietet ab Ende November kostenlos Tanzkurse für Flüchtlinge an. "Es geht uns um Integration", sagt der Leiter der Tanzschule, Matthias Blattmann. Außerdem erzählte er fudder-Autorin Lisa Waldvogel, warum Paten, Autos und Flexibilität wichtige Stützen des Projekts sind:



Die Tanzschule Gutmann will kostenlose Tanzkurse für Flüchtlingskinder anbieten. Kannst du konkret erklären, um was es geht?

Matthias Blattmann: Wir beginnen mit zwei Kindern, die Ende November mit einem HipHop-Kurs einsteigen. Das ist ein Pilotprojekt, um Erfahrung zu sammeln, um zu gucken, ob die Kinder sich bei uns wohl fühlen. Wenn sie dabei bleiben und Spaß haben, dann wollen wir weitere Tanzkurse zur Verfügung stellen.

Um was genau geht es euch?

Wir wollen den Flüchtlingen, die nach Freiburg kommen, helfen. Als Tanzschule haben wir die gute Möglichkeit, Kinder zu integrieren, indem wir Kurse zur Verfügung stellen. Allerdings brauchen die Kinder Paten, die sie zu den Kursen hinbringen und wieder abholen. Oft sind die Eltern dazu nicht in der Lage. Manche sind vom Krieg traumatisiert sind, andere sind es gar nicht gewöhnt, ihre Kinder regelmäßig irgendwo hinzubringen. Viele haben auch kein Auto. Die Logistik ist ein Thema, an dem schon viele solcher Vorhaben gescheitert sind. Durch die Paten wollen wir dieses Problem lösen.

Was haben die Kinder denn von so einem Tanzkurs?

Im besten Fall eine Normalisierung ihres Lebens. Da sind Kinder aus dem Kosovo dabei, die wurden diskriminiert, auf dem Schulweg mit Steinen beworfen. Denen wollen wir die Angst vor Begegnungen mit anderen Menschen nehmen. Zusätzlich lernen sie durchs Tanzen und den Kontakt zu deutschen Kindern spielerisch die Sprache. Am Ende geht es uns um Integration.

Wie ist die Resonanz bislang?

Sehr gut. Momentan haben wir 15 Personen, die sich ganz spontan gemeldet haben. Dabei sind Leute aus allen Schichten: Schüler, Erwachsene, Eltern. Nun sind wir dabei, aus Paten und Flüchtlingen ein Netzwerk zu stricken. Es kann ja auch mal was dazwischen kommen, dann wollen wir flexibel sein. Nach dem Motto: "Ich muss heute zum Zahnarzt, kannst du die Kinder abholen?"

Bleibt's beim Tanzkurs oder könnten andere Projekte folgen?

Wenn der Kurs gut angenommen wird, führen wir das gerne fort. Zusammen mit dem Freiburger Rotary Club wollen wir dann auch Schwimmkurse anbieten. Denn die wenigsten der Flüchtlingskinder können schwimmen.

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[Foto: fudder-Archiv]