Kostenexplosion: Der Umzug des Artik ins ADAC-Gebäude ist geplatzt

Joachim Röderer

Rund 900.000 Euro würde der Umbau des ADAC-Gebäude am Karlsplatz kosten, bis das Jugendzentrum Artik einziehen könnte. Deswegen stoppt Bürgermeisterin Gerda Stuchlik jetzt die Pläne.



In einem Fenster des ADAC-Gebäudes klebt schon ein Artik-Schild. Doch wohl nicht mehr lange. Denn der geplante Umzug des Jugendkulturzentrums in die markante Immobilie am Karlsplatz ist geplatzt. Laut einer Kostenschätzung würde der Umbau mindestens 900.000 Euro kosten: "Das ist eine riesige Summe, die nicht vertretbar ist", erklärte am Mittwoch Bürgermeisterin Gerda Stuchlik auf BZ-Nachfrage. Die Suche beginnt laut Bürgermeisterin nun wieder ganz von Neuem. Die Artik-Macher sind tief enttäuscht, hoffen aber weiter auf eine Lösung am geplanten Ort.


Das Artik ist seit dem 1. April heimatlos

Zum 1. April hat das Jugendkulturzentrum sein bisheriges Domizil in der Unterführung am Siegesdenkmal verlassen. Eine neue Heimat sollte die Einrichtung nur wenige Meter weiter in Richtung Osten bekommen. Die jungen Leute hatten auch die ersten Räume in dem ADAC-Gebäude schon bezogen. Das Haus, das im Eigentum der Freiburger Stadtbau steht, sollte umgebaut und dann im Herbst komplett von Artik übernommen und genutzt werden. Daraus wird nun nichts. Denn die Kosten liegen um mehr als die doppelte Summe über jenen 400.000 Euro, welche die Stadtverwaltung als Obergrenze ausgegeben hatte. Architekten der Stadtbau hatten den Umbau kalkuliert. Wegen der Nutzung als Jugendzentrum gab es besondere Anforderungen, die aus dem Brandschutz und aus der Verordnung für Versammlungsstätten resultieren. Das verteuerte das Projekt. "Wir wären am Ende wohl bei einer Million Euro rausgekommen", sagt Bürgermeisterin Stuchlik. Die Stadtspitze zieht deswegen nun die Reißleine. "Das ist das Gegenteil von dem, was wir erhofft haben. Wir sind mit viel Eifer herangegangen", sagt bedauernd die Bürgermeisterin. Die Suche gehe nun wieder von vorne los.

Die Artik-Macher sind enttäuscht

Die Nachricht aus dem Rathaus enttäuscht die Artik-Macher: "Wenn man direkt mit dem Einzug eine Absage bekommt, kann man sich vorstellen, was das mit jungen Leuten macht", sagt Geschäftsführer Konstantin Rethmann. Er will nun das Gespräch mit der Bürgermeisterin suchen und hofft, dass sich noch eine Lösung findet: "So schnell werfen wir die Flinte nicht ins Korn."

Kritik kommt aus dem Gemeinderat. Atai Keller, Stadtrat der Unabhängigen Liste, spricht von einem unprofessionellen Verhalten der Verwaltung. Man dürfe nicht "Würste ins Fenster hängen und die dann selbst wegfuttern", sagt er. Dabei habe es von Anfang an mahnende Stimmen gegeben. Man dürfe nun das Artik nicht im Stich lassen: "Wir brauchen dringend einen Plan B." Vielleicht müsse man sich mit einem Standort in Randlagen anfreunden, rät er. Auch SPD-Stadträtin Julia Söhne sieht die Verwaltung nun unter Zugzwang, eine Alternative zu bringen. Zu früh habe man da wohl aufs falsche Pferd gesetzt. Das Artik brauche Unterstützung. Bislang seien die Verhandlungen sehr intransparent gewesen, der Gemeinderat müsse besser eingebunden werden.

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