Kool: Was macht eigentlich ein Filmverleiher?

Jennifer Borrmann

Heute läuft in Freiburgs Kinos das mehrfach preisgekrönte Drama "Troubled Water" des norwegischen Regisseurs Erik Poppe an. Der Freiburger Kinofilm-Verleih Kool hat den Film nach Deutschland geholt. Jennifer Borrman hat sich den Verleih für fudder einmal angesehen.



Es gibt einen Kinofilm-Verleih in Freiburg? Kool! Schon beim Betreten des Büros in der Belfortstraße lächelt das Kinoliebhaberherz: In den Räumlichkeiten der Freiburger Verleihfirma Kool Filmdistribution findet man ein geordnetes Chaos an Stapeln von DVD-Kartons, Filmplakaten und Presseschnipsel über Filme.


Kool Film, das auch ein Arthouse-DVD-Label betreibt, wurde 1997 von Ludwig Ammann und Michael Isele gegründet. Der Anstoß, einen Verleih zu gründen, kam von außen. Isele und Ammann hatten fünf Jahre lang die „Schwule Filmwoche“ organisiert – was sie immer noch tun – und nach einem Jahr lief der Film „Madagascar Skin“ von Chris Newby im Programm, den die beiden Filmliebhaber so gut fanden, dass sie ihn auch in die normalen Kinos bringen wollten.

Später auf der Berlinale haben die beiden dann jemanden getroffen, der Mitarbeiter der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) war und filmrelevante Bereich förderte. Sie kamen ins Gespräch und so kam es zur Idee, einen eigenen Verleih zu gründen. 



Gesagt, getan. Michael Isele kommt aus dem Banking-Bereich und so war auch das notwendige Knowhow der wirtschaftlichen Seite abgedeckt. Der erste Film „Alive & Kicking“ war jedoch ein Flop. Man kann es einen klassichen Anfängerfehler nennen. Der Film war zu teuer produziert. Die beiden lernten aus ihren Fehlern und so entwickelte sich Kool Film bis heute zu einem renommierten Arthouse-Verleih in Deutschland. Ammann führt das auch auf das vorherige Arbeiten im Kinobereich zurück: „Wer fünf Jahre ein Festival organisieren kann, kann die Arbeit hier im Verleih auch machen.“

Auf die Frage, warum man sich auf den Arthouse-Sektor fokussiert hat, antwortet der promovierte Islamwissenschaftler Ammann, „dass Arthousefilme eben die Filme sind, die wir hauptsächlich angeschaut haben und kennen. Man muss natürlich das machen, was man liebt. Bei Großproduktionen ist ganz einfach ein finanzielles Hindernis gegeben, die Kosten sind zu hoch für uns. Wir haben uns deshalb auf einen Teilmarkt konzentriert.“

Man muss offensichtlich viel Geduld und Liebe zum Film mitbringen. Das kann man nicht nur daran sehen, dass erst nach etwa sechs Jahren Geld reinkam und die beiden trotzdem weitermachten. Auch im Mitarbeiterstab ist es zu erkennen: Erst nach 13 Jahren hat Kool zwei Mitarbeiter in Teilzeit.

Wie das alltägliche Arbeiten in einem Kinoverleih aussieht? Ludwig Amman teilt die Arbeit in verschiedene Stufen. Von der ersten hängt alles weitere ab: die Filmauswahl. Auf der zweiten Stufe sind Festivals wie Cannes und Berlin zu finden. Aber auch Filmmärkte, auf denen die Halbjahresproduktionen vorgestellt werden. Hier wird dann im Bietergefecht entschieden, geboten und gekauft – immer auch mit der Risikofrage nach Top oder Flop.



Wenn nach einer Entscheidung die Rechte für Kino, DVD und TV erworben wurden, muss der Film positioniert werden. Trailer und Plakate werden als entsprechende Aufträge außer Haus vergeben. Beispielsweise war das ursprüngliche Plakat zu „Troubled Water“, ein norwegischer Film, der heute anläuft, ästhetisch nicht besonders ausgefeilt. So gibt es jetzt deutschlandweit ein Plakat, dass sich der Grafiker von Kool Film ausgedacht hat. Zu diesem Zeitpunkt sind dann die Kinos an der Reihe, die sich bei dem Verleih melden, wenn sie einen seiner Filme zeigen möchte.

Auch gehört die Synchronisation zur Arbeit des Verleihs. Hier ist Kool mit vor Ort – was sich auch auszahlt, wenn man beispielsweise den Liliput-Preis bekommt, wie Kool 2007 für die Synchronisation des Films „Mein Bruder ist ein Einzelkind“. Ammann ist bei all diesen Schritten der Supervisor, der entscheidet, wohin die Reise gehen soll. 2009 war für Arthouse-Filme ein „Horrorjahr“, in dem sich die Zahlen halbiert haben. Bleibt zu hoffen, dass es 2010 wieder bergauf geht.

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