Konzert-Tipp für Samstag: Two Gallants im Waldsee

Carolin Buchheim

Eine Gitarre und ein Drumset - mehr brauchen Two Gallants nicht, um gewaltige Songs über das Übel des Selbst und das Übel der Welt zu erschaffen. Am Samstag ist die hervorragende Band aus Kalifornien im Waldsee.



"Und was für Musik machen die?" Solche Fragen sind immer schwierig, wenn man Bands sehr mag. "Sie machen zeitgemäßen Folk," ist meine Standardantwort bei Two Gallants, die ich seit mehr als zehn Jahren sehr sehr mag. "Aber im Herzen sind sie immer noch Punks."


Mit einer Gitarre, einem Drumset, der Stimme von Adam Stephens, hin und wieder einer Mundharmonika und reichlich Verzweiflung macht die Band aus San Francisco Songs zum dazu Headbangen, Händchenhalten und harte Drinks trinken. Im Idealfall am besten gleichzeitig. "We're not in control of what we do", sagte Drummer Tyson Vogel in einem Interview mit dem Radiosender KEXP, aber so richtig glauben mag man das nicht, denn live sind die beiden immer in Kontrolle, 100 Prozent da. Ausrasten mit Plan und Purpose.

Unbeirrbar schlägt Vogel seine Rhythmen, während Stephens sein Leid an der Welt (und sich selbst) ins Mikro zetert, singsangt, brüllt. Ich habe irgendwann einmal einen großen Teil eines Konzerts der Band damit verbracht, fasziniert auf die Schweißtropfen zu starrren, die von Tyson Vogels Kinn auf seine Snare tropften, und die er dann beim Drummen hochwirbelte, zu einem im Bühnenlicht glitzernden Tröpfchennebel.

Verdammt ernsthaft sind die beiden, mit viel Pathos bei der Sache, aber geradezu mönchhaft sind die Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit mit der sie ihre Lieder darbieten und Resignation haben sie auch dabei. Haben sie jemals Spaß?  Man weiß es nicht, aber hofft es.

Lobend erwähnt sei noch, dass Two Gallants noch mit keinem ihrer fünf Alben in die Selbstparodie abgeglitten sind. Denn das könnte ja leicht passieren, bei den ganzen Geschichten, die sie singen - über gesetzlose Jungs mit Gewehren im wilden Westen ("Las Cruces Jail'") und willige Mädchen, die zurückgelassen werden ("Despite what you've been told"). Neuerdings aber auch über zeitgemäßere Themen wie Gentrification - so in der lieblichen Ballade "There's so much I don't know", deren Fazit dann doch ist: "All things blow eventually". Nur diese Band nicht, zum Glück.









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Was:
Two Gallants (Support: Demob Happy)
Wann: Samstag, 31. Oktober 2015, 21 Uhr
Wo: Waldsee
Eintritt: 20 Euro