Konflikt bei KTS eskaliert - Polizist schwer verletzt

Adrian Hoffmann

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist ein Konflikt zwischen Teilnehmern der "anarchistischen Konferenz" DIY (Do it Yourself) und der Freiburger Polizei in der Nähe der KTS eskaliert. Nach Darstellung der Polizei sei ein Polizist so schwer am Auge verletzt worden, dass er notoperiert werden musste. In einer Stunde soll eine Demonstration linksalternativer Gruppen auf dem Grethergelände statt finden (14.30 Uhr).



Karl-Heinz Schmid, Sprecher der Freiburger Polizei, verurteilt die Eskalation aufs Schärfste und spricht von einer “versuchten Gefangenenbefreiung”. Auslöser des Konflikts sei die Festnahme eines Graffiti-Sprayers gewesen, der um 1 Uhr in der Basler Straße von der Polizei auf frischer Tat ertappt worden sei. Die KTS kündigte für den heutigen Freitagnachmittag eine Pressemitteilung an. Außerdem soll heute laut KTS-Homepage um 14.30 Uhr eine Demonstration stattfinden, die auf dem Grethergelände (Im Grün) starten soll. Fotos des Polizeieinsatzes wurden im Internet auf der Plattform Indymedia veröffentlicht, die sich als unabhängiges, links-alternatives Medienangebot versteht.


Laut Darstellung der Polizei ist der Vorfall folgendermaßen abgelaufen: Eine Polizeistreife habe einen 19-jährigen Graffiti-Sprayer aus Frankreich in der Unterführung neben der KTS inflagranti erwischt. Als die Polizisten den jungen Mann festnehmen wollten, solidarisierten sich angeblich 100 Besucher der KTS - darunter KTS-Leute aus Freiburg, aber auch Aktivisten aus dem Ausland - mit diesem Sprayer. Nach Darstellung der Polizei habe diese Gruppe die Polizisten umzingelt, auf sie eingeschlagen, eingetreten und mit Flaschen geworfen. Dabei sei einer der Polizisten schwer am Auge verletzt worden.

In der Polizeidirektion herrschte wegen dieses Vorfalls heute Nacht Großalarm. Zunächst wurden alle einsatzbereiten Streifen zur Verstärkung gerufen, später rückten auch noch extra einberufene Polizisten aus. Ein weiterer Polizist wurde im Tumult durch Schläge und Tritte leicht verletzt. Zwei Dienstfahrzeuge seien außerdem beschädigt worden. "Sie können sich sicher sein: Wir werden konsequent und nachthaltig gegen Rechtsbrecher vorgehen", sagt Karl-Heinz Schmid in dieser angespannten Situation. "Mir ist aber ganz wichtig: Die Polizei agiert hier nicht, sie reagiert."

In der KTS will man sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zu dem Vorfall äußern. Nur so viel sagt die Frau am Telefon: “Die Darstellung der Polizei stimmt so nicht." Auf verschiedenen Internetseiten der links-alternativen Szene wird der Konflikt mit der Polizei zwischenzeitlich kommentiert und diskutiert. Auf der Internetseite der Antifaschistischen Aktion Heidenheim wird das Auftreten der Polizei als "Eskalationstaktik" bezeichnet und eine sofortige Freilassung des festgenommen Graffit-Sprayers gefordert. Laut deren Darstellung waren später auch Polizisten in Kampfausrüstung und Hunde im Einsatz.

Parallel zu den Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Mitgliedern der links-autonomen Szene findet in Freiburg von Mittwoch bis Sonntag die so genannte "DIY-Anarchist Convention" statt. Unter dem Motto "Against the State" ("gegen den Staat") " treffen sich Mitglieder verschiedener Gruppierungen, um Workshops abzuhalten, gegenkulturelle Veranstaltungen auszurichten und sich zu vernetzen, aber auch, um "die Kämpfe zu koordinieren". In der Veranstaltungsmeldung auf der Internetseite der KTS Freiburg steht dagegen, dass gewalttätige Aktionen nicht geplant und nicht gewünscht seien.

Nach Darstellung von BZ Online leben die meisten Besucher während der Festival-Zeit im Gewerbegebiet Haid. Dort haben sie neben dem Übergangswagenburgplatz der "Schattenparker" ihre Zelte aufgeschlagen. Eine Duldung oder gar eine Genehmigung gebe es laut BZ Online offenbar weder von der Stadtverwaltung noch vom Grundstückseigentümer.

Mehr dazu:

  • Fotos von der Convention in Freiburg