Konfetti, Nebel, Stroboskoplicht: Am Samstag feiert der Ahoii Club seinen fünften Geburtstag

Bernhard Amelung

Auf Facebook schreiben sie: "25 Kilo Konfetti geschleudert, 20.000 Mexikaner verschluckt". Seit fünf Jahren begrüßen Alexander Hässler und Moritz Oehler die Gäste des Ahoii Clubs mit einem Mexikaner-Shot. Warum sie das machen und wer beim Auflegen den Ton angibt, erzählen sie im Interview.

Gedämpftes Licht erfüllt den Gastraum des Café Ruef. Alle Tische sind besetzt. Die Gäste führen ruhige Gespräche und lassen den Alltag bei Wein und Bier hinter sich. So auch Alexander Hässler, 39, und Moritz Oehler, 30. Letztens, weißt du noch, die Weinbegleitung bei Ruef Gourmet, der Ziegenkäse, lecker.


Weinbe … Was?! Da sitzen die Veranstalter des Ahoii Clubs. Alexander Hässler alias Käptn Hässler, und Moritz Oehler, der sich als Discjockey Captain Cook nennt. Vor fünf Jahren fand die erste Ausgabe dieser Partyreihe für Indie- und Electronica-Sounds im Keller des Café Ruef statt, im inzwischen geschlossenen Ruefetto. Hunderte Menschen kreischten zu Gitarren-Riffs, stampften zu elektronischen Beats. Stroboskopblitze durchschnitten den Kunstnebel. Konfetti-Kanonen spuckten bunte Papierschnipsel auf schweißnasse Oberkörper.

"25 Kilo Konfetti geschleudert, 20.000 Mexikaner verschluckt", schreiben die Veranstalter auf Facebook. Schnaps mit Tomatensaft und Tabasco als Schmiermittel sozialer Interaktionen. Und jetzt sitzen sie zusammen und unterhalten sich über Wein und Ziegenkäse. Höchste Zeit, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.



Welche Party wird euch immer in Erinnerung bleiben?

Alexander Hässler: Der zweite Ahoii-Club. Er fand im Dezember 2013 im Jazzkeller des Ruefetto statt, dem schöneren Raum.

Moritz Oehler: Mir gefällt der Backsteinkeller besser. Er eignet sich besser für den Abriss. Da kommt Rave-Stimmung auf, auch wenn nur eine Handvoll Gäste kommen.

Alexander Hässler: Im Jazzkeller kann man aber entspannt an der Bar lehnen und das Treiben genießen. An jenem Abend im Dezember hatten wir nur 26 zahlende Gäste. Moritz machte Urlaub in Indonesien. Ich musste alles alleine organisieren. Draußen war’s eiskalt.

Moritz Oehler: Du trägst mir das nicht etwa nach?

Alexander Hässler: Wir werden sehen. Die Gäste, die an jenem Abend zur Party kamen, gehörten lange Zeit zu den treuesten Gästen des Ahoii Clubs. Einer besucht seither jede Party, die wir veranstalten. Ein anderer, Richard Kopp, hat sich uns vorgestellt. Er legt seither als Koppi Right immer wieder auf unseren Partys auf. So etwas bleibt in Erinnerung.

Moritz Oehler: An einem Abend kamen ein paar Jungs in Hosenträgern. Irgendwann waren sie oberkörperfrei und machten Crowdsurfing. Ich war überrascht, wie es in Freiburg abgehen kann.

Alexander Hässler: Halb drei Uhr morgens, viel Kunstnebel, Blitzlichtgewitter. Das ist das Beste überhaupt!

"Wir wollen unseren Gästen eine gute Zeit schenken." Alexander Hässler

Ihr schenkt an der Tür Mexikaner-Shots aus. Ist der Suff der kleinste gemeinsame Nenner für die Party?

Alexander Hässler: Wir wollen unseren Gästen eine gute Zeit schenken. Wir wollen, dass sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Das beginnt schon an der Tür.

Moritz Oehler: Der Mexikaner sorgt bereits am Einlass für eine gute Stimmung. Wir mögen auch schummerige Kneipen. Das passt einfach zu dem ganzen Hafen- und Kapitäns-Ding, das wir auf unseren Partys feiern.

Alexander Hässler: Das Kapitäns-Gedöns fand ich schon immer super. Die britische Gitarrenszene hatte auch immer eine Affinität für solche Gimmicks. Da liegen die Wurzeln unserer Party, und das zieht sich auch als Leitmotiv durch Flyer, Plakate und Deko.

Dekobasteln oder Musikauswahl: Womit verbringt ihr mehr Zeit?

Moritz Oehler: Das Dekorieren des Clubs nimmt viel Zeit in Anspruch. Alles in den Sprinter einladen, in den Club karren und aufbauen, kann bis zu fünf Stunden dauern. Der Abbau sollte eigentlich schneller gehen. Da wir nach der Party aber viele betrunkene Freunde haben, die uns zur Hand gehen, dauern so Dinge wie das Aufwickeln der Kabel viel länger.

Alexander Hässler: Inzwischen arbeite ich bei einem großem Konzertveranstalter und bin von morgens bis abends von Musik umgeben. Zuhause genieße ich dann meine Ruhe und suche nicht noch Stunden nach den neuesten Veröffentlichungen. Deko ist schon sehr wichtig für uns.

Moritz Oehler: Wir stehen da wirklich drauf. Wir basteln alles selbst. Oft helfen uns dabei auch Freunde. Die Quallenlampen waren sehr aufwändig herzustellen. Wir wollten ein Gimmick auf unserer Party, was jeder Gast zuhause haben möchte. Da wir zu viel Material eingekauft hatten, veranstalteten wir mehrere Quallenlampen-Bastel-Workshops. Das kam gut an.

Alexander Hässler: Ich fahre gerne nach Brighton und besuche das Great Escape-Festival. Ich bin jedes Mal begeistert, was die Veranstalter an Deko auffahren. Fähnchen, Lämpchen, Girlanden, und so weiter. Diesen verspielten und trotzdem coolen Style mag ich sehr.

"Wir definieren uns nicht als Discjockeys. Wir machen einfach Party, auch beim Auflegen." Moritz Oehler

Verteilt ihr Plakate und Flyer noch selbst?

Moritz Oehler: Ich fahre gleich noch raus in die Stusi und hänge ein paar Plakate auf.

Alexander Hässler: Wir machen alles selber, die ganze Promotion, und so weiter.

Moritz Oehler: Manchmal kann man schwer einschätzen, ob Flyer oder ein bezahlter Beitrag auf Facebook mehr Leute anspricht. Auch nach fünf Jahren Partys veranstalten gibt es keine Regel dafür.

Alexander Hässler: Ich hatte immer den Traum von einer Veranstaltungsreihe, bei der die Leute nur das Plakat anschauen müssen, um zu wissen, was dort geboten wird. So einen Aha-Moment hatte ich mit den Root Down-Partys. Die Plakate von Jürgen Oschwald wollte damals jeder in seinem Zimmer haben. Jeder wusste, was Root Down war. Ich habe heute noch etwa siebzig dieser Plakate zuhause.

Moritz Oehler: Das Design für unsere Flyer und Plakate macht eine Grafikdesignerin aus Karlsruhe.

Alexander Hässler: Anna Wehner. Ihr eigenes Label heißt Great-Handmade.

Moritz Oehler: Wir haben sie damals im Pop-Up-Store der Alten Blechnerei in der Konviktstraße kennen gelernt. Sie ist uns treu geblieben, und wir ihr.

Was ist wichtiger: Konfetti oder ein guter Übergang?

Moritz Oehler: [lacht]

Alexander Hässler: Wir verballern viel Konfetti. Das ist unser Ding.

"Den klassischen Indie-Sound wollen wir unseren Gästen immer wieder bieten." Alexander Hässler

Wer gibt beim Auflegen den Ton an?

Moritz Oehler: In den ersten Jahren haben wir quasi back to back aufgelegt. Jeder zwei oder drei Songs, dann gab’s den Wechsel. So etwas wie feste Spielzeiten gab es da nicht.

Alexander Hässler: Seit uns Julian Burkhardt als Kapitän Rotbart beim Auflegen unterstützt, haben wir Set Times eingeführt.

Moritz Oehler: So kann jeder einen musikalischen Akzent setzen und einen Spannungsbogen gestalten.

Alexander Hässler: Seit wir mit dem Ahoii Club in der Passage46 sind, haben wir an anderer Stelle einfach mehr Aufwand als noch im Ruefetto. Die Passage46 ist einfach größer.

Moritz Oehler: Wir definieren uns nicht als Discjockeys. Wir machen einfach Party, auch beim Auflegen. Ursprünglich sollte der Ahoii Club ja nur das gleichnamige Festival pushen und im Freiburger Nachtleben bekannt machen. Dass eine Partyreihe daraus geworden ist, ist eine wunderschöne Eigendynamik.

Alexander Hässler: Ich bin ja durch das Kamikaze zum Auflegen gekommen. Jan Ehret (Mitgründer, d. Red.) hat mir an einem Abend ’leg du mal auf’ gesagt, und so habe ich angefangen.

Moritz Oehler: Das hast du Jahre später zu mir gesagt.

Warum eigentlich zwei Floors?

Moritz Oehler: Wir wollen das ganze Spektrum der Indie-Musik abbilden. Die Wurzeln der Party liegen ja in der Gitarrenmusik. Das Kernpublikum steht einfach darauf.

Alexander Hässler: Wir haben uns davon nicht weg-, aber weiterentwickelt. Die Class of 2005 findet auf unseren Partys ab und zu noch statt. Aber wenn man sich Bands wie Sizarr oder Künstler wie Flume anschaut, haben die sich auch der elektronischen Musik geöffnet.

Moritz Oehler: Ein Schlüsselmoment für mich waren das zweite Album von Moderat und ihr Konzert. Das hat mich total weggeballert. Das Stück "Bad Kingdom" ist sowas wie ein Ahoii Club-Klassiker geworden. Den feiern wir heute noch ab. Er ist auch ein gutes Beispiel für den Sound, für den wir inzwischen stehen.

Alexander Hässler: Das DJ-Duo Modeselektor fand ich schon immer großartig. Die Apparat-Frickel-Ecke auch. Beides zusammen ist irre. Den klassischen Indie-Sound wollen wir unseren Gästen aber auch immer wieder bieten.

Moritz Oehler: Auf dem zweiten Floor legen so unterschiedliche Leute wie Torpedo Tom vom Great Räng Teng Teng oder Mr. Brightside auf. Wir wollen, dass auf unseren Partys Abwechslung herrscht.

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