Nachtleben

Konferenz: IG Subkultur diskutiert über subkulturelle Arbeit in Freiburg

Gina Kutkat

Die IG Subkultur veranstaltete am Wochenende einen Kongress, um sich als Bündnis aus Nachtmachern Gehör zu verschaffen und ein Gespräch mit der Stadt anzustoßen.

Diskutiert wurden Mängel in der Freiburger Kulturlandschaft, die Aufgaben des Kulturamts und die Notwendigkeit eines Popbeauftragten.

Aufmerksamkeit für das Freiburger Nachtleben schaffen, Wissen über die Clubkultur vermitteln und den Dialog mit der Stadt anregen – so lauten einige der Ziele, die sich die im Sommer 2016 gegründete Interessengemeinschaft Subkultur gesetzt hat. Dass das Bündnis aus Nachtmachern auf dem richtigen Weg ist, zeigte sich am Samstag auf der Subkulturkonferenz in den Waldsee-Gaststätten (Kommentar von Frank Zimmermann).


Auftaktveranstaltung lockte Hunderte von Menschen

In Vorträgen und einer Podiumsdiskussion ging es am Samstag im Gasthaus Waldsee um den Stellenwert der Subkultur in Freiburg und die Frage, wie diese in ihrer Vielfalt erhalten und gefördert werden kann. Input gab es von Peter James vom Popbüro Baden-Württemberg, Markus Heinzel vom Freiburger Slow Club und Kathi Flück von der Reitschule, einem kulturell-politischen Zentrum, in Bern. Hintergrund des zweitägigen Kongresses, dessen Auftaktveranstaltung am Freitag Hunderte von Menschen in 14 verschiedenen Locations lockte (Fotos von der Galanacht), ist die Lage des Freiburger Nachtlebens. In den vergangenen Jahren mussten Clubs schließen, Bands verloren ihre Proberäume und Veranstalter kämpften mit Auflagen der Stadt.

"Es ist krass, mit wie viel Aufwand und Energie hier seit Jahren gegen widrige Bedingungen gearbeitet wird", sagt Jule Landenberger vom Slow Club und Pressesprecherin der IG Subkultur. Ihr Wunsch: Die Stadt solle einen Schritt auf die Vertreter der Subkultur zugehen und Strukturhilfe leisten, im besten Falle in Form eines Popbeauftragten, der den Nachtmachern beratend zur Seite steht.

Peter James: Öffentliche Wahrnehmung muss gestärkt werden

Peter James übernimmt solch eine Funktion im Popbüro in Stuttgart, das Nachwuchsmusiker und Existenzgründer unterstützt und von Wirtschaftsförderung und Jugendhaus getragen wird. Seiner Meinung nach muss einer Stadt bewusst gemacht werden, dass Subkultur zur kulturellen Vielfalt einer Stadt beiträgt und eine Bedeutung für die Gesellschaft hat. Dafür müsse die öffentliche Wahrnehmung gestärkt werden – vor allem in Ämtern und Gemeinderat. "Man muss den Politikern klarmachen, warum Clubs gebraucht werden: Weil es Kulturflächen sind."

Dass auch in Freiburg zu wenig Menschen in Behörden sitzen, die sich mit Club- und Subkultur auseinandersetzen, wurde in der Podiumsdiskussion thematisiert. BZ-Mitarbeiter und Nachtlebenkenner Bernhard Amelung kritisierte, dass Subkultur in der Politik nicht stattfinde. Udo Eichmeier, stellvertretender Leiter des Kulturamts, räumte ein, dass die Szene für das Kulturamt ein neues Feld sei. Er lobte das Bündnis, machte aber deutlich, dass das Kulturamt keine Entscheidungen treffen kann, sondern in erster Linie berät.

Prozesse in der Stadt mitgestalten

Auch Peter James warnte davor, den Druck auf das Kulturamt zu erhöhen. Vielmehr sollten die Nachtmacher eine Mehrheit in der Bevölkerung finden und Beteiligte mit einbeziehen, "denn das ist Politik". Dass die Stadt auch Nischensparten berücksichtigt und sich nicht nur mit der Tanz- und Theaterszene befasst, wünschte sich Jule Landenberger im Namen der IG: "Wir wollen gehört werden."

Die Interessengemeinschaft stehe zwar mit ihren Forderungen am Anfang, möchte aber auf lange Sicht Prozesse in der Stadt mitgestalten. Denn was in Freiburg alles geleistet werde, sei ein kulturelles Phänomen.

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