Kommunalwahl 2009: Der Wahlplakat-Layout-Check

Gina Kutkat & Hannah Allgaier

Seit zwei Wochen hängen in Freiburg die Wahlplakate der Listen, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni antreten. Von jeder Straßenecke und jedem Pfeiler lächeln einen nun Politiker an, mal alleine, mal als Gruppe. Manche Parteien entschieden sich dafür, nur ihr Motto und ihr Programm auf das Plakat zu bringen. Was hat es mit den unterschiedlichen Layouts auf sich? Wir haben bei zehn der elf Listen nachgefragt.

Christoph Glück, FDP, Listenplatz 6


„Für die Fotos gab es einen zentralen Fototermin, der von der Agentur Flashpoint ausgerichtet wurde. Einen bestimmten Dresscode gab es nicht.

Die Plakate unserer beiden Spitzenkandidaten Patrick Evers und Herta König gibt es im A0-Format, die sind größer und teurer. Alle anderen konnten sich aussuchen, ob sie Plakate von sich in der Stadt hängen haben wollen. Die mussten dann aber selbst finanziert werden.

Ich finde mein Bild ganz gut. Es sprechen mich auch viele Leute darauf an. So nach dem Motto „Hey, du hängst ja in der Stadt rum“. Für mich haben die Wahlplakate aber kein übermäßiges Gewicht, sie gehören eben zum Wahlkampf dazu. Mit den Wahlplakaten macht man Werbung für seine eigene Person, deswegen finde ich es wichtig, dass man sympathisch rüberkommt.“



Nadyne Dittmann, Die Grünen, Listenplatz 17

„Für uns war es wichtig, dass die Partei sich als Team präsentiert. Das sollen auch die Fotos rüberbringen. Wir haben verschiedene Plakate zu dem Themen Klima, Leben und Lebensqualität erstellt.

Kopfplakate haben wir extra vermieden, da sie meiner Meinung nach nichts über den Menschen aussagen. Deshalb wollten wir uns auf den Wahlplakaten auch möglichst natürlich darstellen. Für uns sind die Plakate nicht so wichtig. Sie zeigen nur, dass man aufgestellt wurde. Die Homepage einer Partei wird immer wichtiger für die Wähler."



Markus Schupp, SPD, Listenplatz 9

„Wir haben uns sehr viele Gedanken über die Wahlplakate gemacht und waren uns lange nicht sicher, wie wir sie gestalten sollen. Da die Wähler sehr nach Persönlichkeiten wählen, haben wir uns dazu entschlossen, Kopfplakate zu veröffentlichen.

Wir wollen ein klares Bild unserer Partei vermitteln und das ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Die Person an sich ist klar im Vordergrund und es gibt keine Vermischung mit anderen Themen. Für unsere Partei kandidieren 48 Menschen aus unterschiedlichsten Schichten. Von einer Verkäuferin bis zum Professor ist alles dabei und gerade das repräsentiert die SPD.

Für die verschiedenen Ortsteile – zum Beispiel Wiehre oder Stühlinger - haben sich jeweils Kandidaten abbilden lassen, die dort auch wohnen. So entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, weil man den Menschen auch auf der Straße begegnet. Mit Plakaten gewinnt man keine Wahlen, aber sie motivieren die Menschen dazu, wählen zu gehen.“



Fabian Sauter-Servaes, CDU, Listenplatz 46

"Bei den Plakaten der CDU sollte ganz klar der Team-Gedanke im Vordergrund stehen. Deswegen gibt es auch keine Einzel- sondern nur Gruppenplakate. Ein Plakat zeigt alle 48 Kandidaten, ansonsten haben wir uns zu Dreier- oder Fünfer-Gruppen zusammengetan und fotografieren lassen. Ich bin zusammen mit zwei jungen Kollegen, Siegfried Lorek und Iris Weidemann, abgebildet.

Es ist ein freudiges Gefühl an dieser Wahl beteiligt zu sein. Alle Leute können nun sehen, für was ich mich politisch engagiere. Zum Fototermin sind wir alle in formeller Kleidung erschienen.

Plakate entscheiden meiner Meinung nach keine Wahl, aber sie sind ein wichtiges Symbol der Kommunikation zwischen Politikern und Bürgern."



Sebastian Müller, Junges Freiburg, Listenplatz 3

„Für uns ist der persönliche Kontakt zu unseren Wählern wichtiger als die Wahlplakate. Außerdem haben wir nur ein begrenztes Budget. Als Student oder Auszubildender hat man einfach nicht so viel Geld. In Freiburg hängen 500 Plakate von unserer Partei, die die Mitglieder alle selbst aufgehängt haben.

Auf orangefarbenem Hintergrund sind ein gelbes Männchen sowie das Freiburger Münster zu sehen. Am oberen rechten Rand steht der Schriftzug „Jugend, Integration, Generation und Gerechtigkeit“. Wir finden, diese Themenplakate haben einen gewissen Wiedererkennungswert. Außerdem werden Kopfplakate meiner Meinung nach zu oft geklaut oder beschmutzt.

Wahlplakate muss man aufhängen, damit die Leute merken, dass es einen gibt – wenn sie die Partei nicht schon aus der Zeitung kennen.“



Coinneach McCabe, Grüne Alternative Freiburg, Listenplatz 3

„Auf unseren Wahlplakaten steht nur ein Text und es sind keine Personen zu sehen. Wir haben sehr lange gebraucht, bis wir ein Wahlplakat hatten, mit dem alle einverstanden waren. Es führte in der Partei sogar zu etwas Streit, weil wir uns nicht einigen konnten.

Für uns ist es wichtig, dass unsere Plakate unser Motto „Grüne Politik“ weitergeben. Die Menschen sollen über grüne Politik informiert werden.

Wir konnten keine Kopfplakate drucken lassen, weil die Kosten für uns zu hoch waren. Wahrscheinlich haben wir von allen Parteien das kleinste Budget. Trotzdem denke ich, dass die Plakate gut ankommen und die Menschen zum Nachdenken anregen."



Irene Vogel, Unabhängige Frauen Freiburg, Listenplatz 1

"Zum Glück ist mein Gesicht auf unseren Plakaten nur ganz klein abgedruckt worden. Sonst wäre es sehr seltsam, durch die Stadt zu fahren und mein Gesicht zu sehen.

Wir Frauen haben uns für knallig rote Plakte entschieden, weil das schon immer unsere Farbe war. Die schräge Schrift soll uns von den anderen Wahlplakaten abheben und zeigen, dass auch wir etwas schräg sind.

Mein Foto wurde abends vor der Alten Wache in Freiburg geschossen. Es wurde nach zwei Vierteln Rotwein aufgenommen und sieht daher auch ein bisschen amateurmäßig aus.

Wir sind keine Partei, sondern eine Gruppierung von Frauen. Deshalb haben wir auch nicht viel Geld zur Verfügung. Die Plakate sind da, damit die Menschen sehen, dass es unsere Partei gibt. Ich denke nicht, dass durch Plakate Wählerentscheidungen getroffen werden."



Florian Braune, Freie Wähler Freiburg, Listenplatz 4

"Bei unseren Plakten soll das Gesicht deutlich im Vordergrund stehen. Jeder, der an den Plakaten vorbeikommt, soll das Gesicht in Erinnerung behalten. Deshalb haben wir auch nur sehr wenig Text. Auf meinem Plakat pose ich, indem ich die Fäuste balle. Daher hebt sich das Foto von der Masse ab.

Das Foto-Shooting war einen Tag nach dem Freiburg-Marathon und ich war noch sehr erschöpft. Bei jedem Schritt taten die Füße weh und es war sehr anstregend, freundlich in die Kamera zu lächeln.

Ich hoffe, dass die Menschen sich meinen Namen merken und sich die ganzen Plakate gelohnt haben. Ich wohne schon mein ganzes Leben in Freiburg. Deshalb werden sich hoffentlich viele Leute an mich erinnern, wenn sie wählen gehen."



Atai Keller, Kulturliste Freiburg, Listenplatz 1

„Wir finden Kopfbilder generell langweilig. Bei uns gilt deswegen schon seit Jahren die Regel: keine Kopfbilder! Wenn ich jetzt wieder durch die Stadt fahre und all die Politikerköpfe sehe, fühle ich mich in dieser Entscheidung voll bestätigt.

Wir haben in diesem Jahr zwei verschiedene Wahlplakate. Der eine Entwurf kommt von der Künstlerin Ika Huber, die auf Platz 34 unserer Liste rangiert. Darauf ist eine hochgezogene Butterblume im Andy-Warhol-Stil zu sehen. Der zweite Entwurf stammt von dem Grafiker Piotr Iwicki und zeigt einen Bleistift, der in sich verknotet ist und das Wort „Kult“ schreibt. Wir haben ungefähr 800 Plakate drucken lassen.

Ich finde Wahlplakate wichtig, weil sie ein bisschen Abwechslung in den großen Blätterwald bringen. Zwar werden die Personen nicht transportiert, aber die Kunstbilder fallen auf.“



Michael Moos, Linke Liste Freiburg, Listenplatz 1

„Wir wollen mit unseren Plakaten die Kandidaten den Wählern näher bringen. Das machen wir jedoch nicht durch Kopfplakate, sondern durch Bilder, auf denen mehrere Kandidaten zusammen abgebildet sind und ein bestimmtes Thema repräsentieren. Die Bilder haben wir selber aufgenommen. Es gibt insgesamt sechs verschiedene Plakate, jedes ist mit einem anderen Motto versehen.

Die Kandidaten darauf stehen dabei immer in Verbindung mit dem jeweiligen Wahlprogramm. Die Themen lauten unter anderem „Freiburg – bezahlbar für alle“, „Freiburg – raus aus Armut und Ausgrenzung“ oder „ Freiburg – umweltfreundliche Stadt“. Die Wahlplakate stellen für uns nur einen Teil des Wahlprogramms dar. Wir haben außerdem eine Zeitung mit einer Auflage von 20.000 herausgebracht, die jetzt verteilt wird.“

Für Freiburg – Politik aus christlicher Verantwortung

Die Kandidaten konnten wir nicht befragen, da sie noch keine Plakate in der Stadt hängen haben.

Mehr dazu:

Die elf Listen für die Kommunalwahl in Freiburg: