Kommunales Kino zeigt "Bruder Jakob" – eine Doku über einen jungen Mann, der Salafist wird

Gina Kutkat

Ein junger Mann konvertiert zum Islam und wird Salafist. Das ist die Ausgangslage im Film "Bruder Jakob", der Film des Monats im Kommunalen Kino. Das Besondere: Der Regisseur ist der Bruder von Jakob, und sein Film ein persönliches Porträt.

Jakob ist der Bruder von Regisseur Eli Roland Sachs. Jakob konvertiert zum Islam. Jakob wird Salafist. "Bruder Jakob" ist ein 92-minütiges persönliches Porträt über einen Bruder, einen Freund, einen Geliebten, der sich komplett verändert. "Ich möchte verstehen, woher dieser Geisteswandel kommt und was er bedeutet. Mit meiner Kamera mache mich ich mich auf die beschwerliche Suche nach einer brüderlichen Verbundenheit, wie es sie einmal gab", sagt Eli Roland Sachs.


Sachs ist der Regisseurs des Films, aber er verschwindet nicht hinter der Kamera. Seine Stimme ist aus dem Off zu hören, sie spricht zu seinem Bruder. Ihr Umgang miteinander wirkt freundlich, aber distanziert. Eli taucht auch mehrmals im Film auf, mal sitzt er neben seinem Bruder auf einer Bank, mal unterhält er sich mit dessen neuer Frau, einer Muslimin.

Unverständnis und Verletzungen

Bruder Jakob erzählt die Geschichte von Jakob, der von einem feiernden, kiffenden, diskussionsfreudigen Studenten in Berlin zu einem gläubigen Salafisten wird. Allah ist in seinem Leben nun allgegenwärtig, seine alten Gewohnheiten und Ansichten werden komplett in Frage gestellt. Regisseur Eli befragt ehemalige Mitbewohner, Freundinnen und Freunden von Jakob, denen das Unverständnis ins Gesicht geschrieben steht.

Jakob betet nun in der Moschee, er hat eine Frau geheiratet, die sich verschleiert. Bei einem Familienfest von Elis und Jakobs Verwandten sind die beiden nicht mehr willkommen. Das Gespräch zwischen beiden Seiten gibt Aufschluss darüber, wie tief die Verletzungen liegen. Verletzungen, die zustande kamen, weil Jakob sich seinem neuen Glauben komplett verschrieben hat. Vor der Kamera versucht Jakob seine Sicht auf den Islam zu erklären - und Eli gibt ihm viel Raum dafür.

So entsteht ein Dialog zwischen den Brüdern, aber auch zwischen Jakob und dem Publikum.
Was für einen Halt findet Jakob in seinem Glauben? Wie kam der Wandel zustande und handelt es sich nicht schon um ideologische Vereinnahmung, wenn er will, dass seine Familie auch zum Islam konvertiert?

"Bruder Jakob" läuft als Film des Monats im Kommunalen Kino. Bei der Vorführung heute, Donnerstag, 21. September, ist Regisseur Eli Roland Sachs zu Besuch.
Was: "Bruder Jakob" - Film des Monats
Wann: Donnerstag, 21. September, 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen: Fr., 22. September, 22 Uhr, Sa., 23. September, 21. 30 Uhr, So., 24. September, 19. 30 Uhr, Mi., 27. September, 21.30 Uhr, Do., 28.September, 22 Uhr, Sa., 30. September, 19. 30 Uhr
Wo: Kommunales Kino
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro