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Kommunales Kino will mit einer Doku-Reihe Debatten anstoßen

Gina Kutkat

Mit einer Reihe über politische Dokumentarfilme möchte das Kommunale Kino an aktuelle politische Debatten anknüpfen. Zum Start läuft der Film "Wildes Herz" über die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet. Florian Fromm vom Kommunalen Kino über die neue Reihe.

Warum war es für euch an der Zeit, eine Reihe über politische Dokumentationen ins Leben zu rufen?

In Zeiten von Social-Media-Erregungswellen, Fake-News und dem Erodieren der politischen Verhältnisse, haben wir uns jetzt dazu entschlossen, endlich diese Reihe zu starten. Wir überlegen schon lange, mehr politische Dokumentarfilme zu zeigen, wollten aber die politische Stoßrichtung nicht unkommentiert stehen lassen. Dafür haben wir nun einen monatlichen, festen Programmplatz geschaffen. Wir zeigen einen politischen Film und beginnen den Abend mit einer kleinen Einführung und Einordnung. Wenn der Film zum Beispiel eine sehr linke Haltung hat, sprechen wir da vorher drüber und klären das Publikum auf, warum er streitbar sein kann.

"In erster Linie sind wir Cineasten, für uns steht also das Filmische immer im Vordergrund."

Wie euer Auftaktfilm "Wildes Herz" über die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet?

Genau, ein super Film über eine Band, die auch aktuell wieder in der Diskussion ist: Letzte Woche hat das Bauhaus Dessau den Auftritt der Band abgesagt, und auch nach den Ausschreitungen in Chemnitz und dem anschließenden #wirsindmehr-Konzert gegen Rassismus war die Band Gesprächsthema. Da wurde dann hysterisch debattiert, aber richtig informiert über die Band haben sich die wenigsten. Der Film "Wildes Herz" von Charly Hüber liefert Hintergründe und beschäftigt sich mit den Vorurteilen, die man eventuell gegenüber der Band hat. Zum Beispiel, dass sie mal im Verfassungsschutzbericht auftauchte. "Wildes Herz" ist einfach ein sehr gut gemachter, liebevoller Film, der nichts verklärt.

"Viele Zuschauer haben uns gefragt, warum wir den Film ’Hamburger Gitter’ nicht zeigen."

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Filme für die Reihe aus?

In erster Linie sind wir Cineasten, für uns steht also das Filmische immer im Vordergrund. Für unsere Reihe achten wir aber darauf, dass jeder Film Anknüpfungspunkte an eine aktuelle politische Debatte hat. Wir wollen keine langweiligen Politik-Dokus zeigen, sondern geile Filme. Die Auswahl erfolgt bei uns im Team. Es kann in Zukunft auch sein, dass wir mal einen historischen Film einbauen, der Bezüge zur Gegenwart hat. Oder, dass wir ein Politikerporträt zeigen und mit dem Publikum zusammen überlegen, ob man als Filmemacher mit solch einem Film auch eine bestimmte Stimmung erzeugt.

Zweiter Film in eurer Reihe ist der Film "Hamburger Gitter" über die Sicherheitsstrategie und Polizeiarbeit während des G20-Gipfels letztes Jahr in Hamburg. Warum habt ihr ihn nicht schon früher gezeigt?

Den Film haben wir schon vorher angeboten bekommen und viele Zuschauer haben uns gefragt, warum wir ihn nicht zeigen. Es gab dazu unterschiedliche Meinungen im Team, aufgrund der politisch linken Haltung des Filmteams. "Hamburger Gitter" ist ein Film, der sehr nüchtern, sachlich und mit angesehenen Interviewpartnern wie Heribert Prantl, Mitglied der SZ-Chefredaktion, diesem Thema auf den Grund geht. Jetzt können wir ihn in unserer Reihe zeigen und werden auch vorher wieder die Diskussion, die wir hatten, offenlegen.
Zur Person

Florian Fromm, 35, ist zuständig für die Programmkoordination des Kommunalen Kinos.


  • Was: Start der Reihe "Politik im Film - Vor und hinter den Kulissen" mit dem Film Wildes Herz von Charly Hübner
  • Wann: Donnerstag, 25. Oktober, 19. 30 Uhr mit einer Einführung von Florian Fromm vom Kommunalen Kino
  • Wo: Kommunales Kino Freiburg